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Ölpreise im Sinkflug – und wann genau fällt jetzt bitte das Benzin?

qimono (CC0), Pixabay
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Die Ölpreise brechen ein. Also so richtig. Auf den Weltmärkten geht es plötzlich abwärts, Händler jubeln, Analysten nicken wissend und irgendwo in Frankfurt oder London werden hektisch Diagramme nach unten korrigiert.

Und an der Zapfsäule?

Nichts. Natürlich nichts.

Denn während steigende Ölpreise in Deutschland gefühlt innerhalb von 17 Minuten an die Tankstellen weitergereicht werden – vermutlich per Eilfax, Sonderkurier und Alarmstufe Rot – braucht ein sinkender Ölpreis traditionell etwas länger.
Also ungefähr so lange, bis der letzte Dinosaurier fossilisiert ist.

Die wundersame Preisphysik der Tankstellen

Wenn der Ölpreis steigt, heißt es:

  • „Die Märkte reagieren nervös.“
  • „Globale Unsicherheiten.“
  • „Lieferketten.“
  • „Geopolitische Spannungen.“
  • „Der Wind stand heute ungünstig.“

Dann kostet Super Plus plötzlich so viel wie ein kleiner Wochenendurlaub in Thüringen.

Wenn der Ölpreis fällt, heißt es dagegen:

  • „Das muss erst noch im Markt ankommen.“
  • „Die Lagerbestände wurden teurer eingekauft.“
  • „Die Raffinerien brauchen Zeit.“
  • „Der Euro-Dollar-Kurs…“
  • „Komplexe Preisbildungsmechanismen.“

Kurz gesagt:
Steigt der Ölpreis, wird sofort kassiert. Fällt er, beginnt ein spiritueller Klärungsprozess.

Haben wir da was verpasst?

Die große Frage, die sich Millionen Autofahrer gerade stellen:

Wenn Öl billiger wird – warum fühlt sich Tanken immer noch an wie eine Sondersteuer auf Mobilität, Würde und Restoptimismus?

Man könnte fast meinen, an deutschen Tankstellen gilt ein ganz eigenes Naturgesetz:

Rauf geht immer sofort. Runter nur nach intensiver innerer Einkehr.

Oder noch einfacher:

Der Benzinpreis ist wie ein Aufzug, der nur nach oben fährt – und nach unten höchstens mit Betriebsrat, TÜV-Abnahme und einer Petition.

Die Tankstellenlogik des Jahres

Ölpreis fällt?
Super. Also theoretisch.

Denn jetzt beginnt wieder das große Schauspiel der Mineralölbranche:

  • Erst muss geprüft werden, ob der Preisrückgang auch wirklich ernst gemeint ist.
  • Dann müssen alte Bestände „abverkauft“ werden.
  • Dann wird der Dollarkurs bemüht.
  • Dann kommt noch eine Wartung der Raffinerie in Rotterdam.
  • Dann ist irgendwo Feiertag.
  • Dann ist irgendwo kein Feiertag.
  • Dann ist Ferienbeginn in NRW.
  • Dann hat ein Tanklastwagenfahrer schlecht geschlafen.

Und ehe man sich versieht, ist der Ölpreis längst wieder gestiegen – und zack, der Benzinpreis reagiert sofort.
Wie aus dem Lehrbuch.
Oder eher: wie aus dem Handbuch für maximal kreative Gewinnoptimierung.

Der Bürger als unfreiwilliger Sponsor

Der normale Autofahrer steht derweil an der Zapfsäule, schaut auf die Preistafel und denkt sich:

„Moment mal… das Barrel ist billiger, aber ich zahle immer noch, als würde ich flüssiges Gold tanken?“

Ja. Willkommen im schönsten Preistheater Europas.

Man hat inzwischen den Eindruck, Benzinpreise folgen weniger dem Ölmarkt als einer Art astrologischer Hochrechnung:

  • Merkur rückläufig? +4 Cent
  • Iran beruhigt sich? erstmal keine Auswirkung
  • Ölpreis fällt deutlich? Beobachten wir
  • Vollmond über Rotterdam? +2 Cent
  • Wochenende? sowieso +6 Cent

DieBewertung meint

Die Ölpreise brechen ein – und die Autofahrer hoffen mal wieder auf das, was in Deutschland inzwischen fast schon als urbaner Mythos gilt:

spürbar sinkende Benzinpreise.

Denn eines haben wir gelernt:

  • Steigende Rohölpreise werden in Rekordzeit an den Verbraucher weitergereicht.
  • Fallende Rohölpreise werden dagegen offenbar zunächst in einem geheimen Ausschuss geprüft, dann in drei Arbeitsgruppen bewertet und anschließend im Keller einer Raffinerie emotional verarbeitet.

Oder anders gesagt:

Wenn Öl teurer wird, sind Tankstellen schneller als die Feuerwehr.
Wenn Öl billiger wird, bewegen sie sich wie ein Faxgerät im Winterschlaf.

Bleibt also nur die bange Frage:

Brechen jetzt auch die Benzinpreise ein – oder müssen wir wieder warten, bis der letzte Liter aus dem teuer eingekauften Uralt-Fass von 1998 verkauft ist?

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