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Ölkrise durch Iran-Krieg treibt Energiewende an – und stärkt Chinas Machtposition

syafrani_jambe (CC0), Pixabay
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Der Krieg mit Iran verändert nicht nur die Sicherheitslage im Nahen Osten, sondern zunehmend auch die globalen Energiemärkte. Während ölimportierende Staaten wegen der angespannten Lage rund um die Straße von Hormus nach Alternativen suchen, profitiert vor allem ein Land: China. Der weltgrößte Hersteller von Solartechnik, Batterien und Elektrofahrzeugen erlebt laut aktuellen Daten einen neuen Exportboom.

Fossiler Schock mit globalen Folgen

Seit den US- und israelischen Luftangriffen auf Iran Ende Februar und der anschließenden faktischen Blockade der Straße von Hormus durch iranische Kräfte ist rund ein Fünftel des weltweiten Öl- und Gasangebots massiv unter Druck geraten. Die Folge: volatile Energiepreise, Lieferunsicherheit und wachsende Nervosität in zahlreichen Importländern – vor allem in Asien.

Gerade Staaten mit hoher Abhängigkeit von Öl- und Gaslieferungen aus dem Nahen Osten reagieren inzwischen nicht nur mit Sparmaßnahmen, kürzeren Arbeitszeiten oder Notfallplänen. Sie investieren verstärkt in erneuerbare Energien, um ihre Verwundbarkeit zu senken.

China liefert – und verdient

Nach Angaben des Energie-Thinktanks Ember erreichten Chinas Exporte in den Bereichen Solar, Batterien und Elektrofahrzeuge im März neue Rekordwerte. Besonders auffällig: Der Export von Solartechnik stieg auf 68 Gigawatt – rund 50 Prozent mehr als beim bisherigen Rekordmonat im vergangenen August.

Insgesamt legten die Ausfuhren der sogenannten chinesischen „neuen drei“ – Solar, Batterien und E-Mobilität – im März im Jahresvergleich um 70 Prozent zu. Diese Branchen haben sich in China längst zu zentralen Wachstumstreibern entwickelt und ersetzen zunehmend klassische Exportsegmente wie Textilien, Haushaltsgeräte oder Möbel.

Auch bei Batterien meldet Ember einen Höchstwert: 10 Milliarden US-Dollar Exportvolumen allein im März. Besonders stark war die Nachfrage demnach in der Europäischen Union, in Australien und in Indien.

Ölkrise beschleunigt die Energiewende

Die aktuelle Entwicklung ist mehr als ein kurzfristiger Markteffekt. Analysten sehen darin einen strukturellen Wandel. Der erneute fossile Schock nach den Turbulenzen der vergangenen Jahre zeigt aus Sicht vieler Regierungen: Energiesicherheit ist mit Öl und Gas nicht mehr garantiert.

Der britische Energieminister Ed Miliband brachte es diese Woche auf den Punkt: Die Zeit der fossilen Energiesicherheit sei vorbei, nun müsse die Ära der sauberen Energiesicherheit beginnen.

Vor allem für Länder in Asien und Afrika, die besonders stark unter hohen Importkosten leiden, werden Solaranlagen und Batteriespeicher dadurch noch attraktiver. Der Preisverfall bei Solarmodulen und Speichern trifft nun auf steigende und schwer kalkulierbare Ölpreise – eine Kombination, die Investitionen in erneuerbare Energien wirtschaftlich immer logischer macht.

China als geopolitischer Gewinner

Für China ist die Lage doppelt vorteilhaft. Einerseits hat Peking in den vergangenen Jahren massiv in grüne Industrien investiert und damit die eigene Energieabhängigkeit reduziert. Andererseits stärkt die Dominanz bei Solartechnik, Windkraft, Batterien und Elektroautos nun auch die geopolitische Stellung des Landes.

Was früher vor allem als billige Produktion galt, wird zunehmend als strategische Partnerschaft verstanden. Der Energieexperte Jeong Won Kim von der National University of Singapore spricht davon, dass China nicht mehr nur als günstiger Anbieter wahrgenommen werde, sondern immer stärker als langfristiger Partner der globalen Energiewende.

Pakistan als Beispiel für den Strategiewechsel

Wie stark sich dieser Wandel bereits auswirkt, zeigt das Beispiel Pakistan. Das Land hat in den vergangenen Jahren in großem Stil günstige chinesische Solarmodule importiert. Dadurch ist es heute weniger stark von teuren Ölimporten betroffen als andere Staaten in der Region. Schätzungen zufolge spart Pakistan durch den verstärkten Einsatz von Solarenergie jährlich Milliardenbeträge.

Auch Elektroautos gewinnen an Dynamik

Nicht nur Solarmodule profitieren von der Krise. Nach Schätzungen von Ember hat der weltweite Einsatz von Elektroautos im vergangenen Jahr den Ölverbrauch bereits um rund 1,7 Millionen Barrel pro Tag reduziert. Mit dem jüngsten Preisschub am Ölmarkt steigt der wirtschaftliche Vorteil von E-Mobilität weiter.

Nach Angaben des chinesischen Pkw-Verbands erreichten die Exporte chinesischer Elektro- und Hybridfahrzeuge im März ebenfalls einen Rekordwert – mit einem Plus von 140 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat.

Vorsicht vor Überinterpretation

Allerdings warnen Experten davor, die März-Zahlen eins zu eins in die Zukunft fortzuschreiben. Ein Teil des Exportanstiegs dürfte auch damit zusammenhängen, dass Käufer noch vor dem Wegfall einer chinesischen Steuervergünstigung im April Bestellungen vorgezogen haben.

Der Energieanalyst Lauri Myllyvirta vom Centre for Research on Energy and Clean Air hält daher einen dauerhaft so starken Anstieg für unwahrscheinlich. An der grundsätzlichen Entwicklung ändere das aber wenig: Die Kombination aus billigeren Solarsystemen, günstigeren Batterien und teureren fossilen Energien mache erneuerbare Energien für viele Verbraucher weltweit zur naheliegenden Wahl.

Fazit

Der Krieg mit Iran verschärft kurzfristig die Lage auf den Öl- und Gasmärkten – doch langfristig könnte er die globale Energiewende zusätzlich beschleunigen. Je unsicherer fossile Lieferketten werden, desto attraktiver werden Solarenergie, Batteriespeicher und Elektroautos.

Der große Gewinner dieses Umbruchs ist derzeit vor allem China. Das Land liefert nicht nur die Technik für die neue Energiewelt, sondern baut damit zugleich seinen wirtschaftlichen und geopolitischen Einfluss weiter aus.

Oder anders gesagt:
Je teurer und riskanter Öl wird, desto stärker wird Chinas Stellung im globalen Energiesystem.

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