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Wer ist Alejandro Betancourt? Der schillernde Öl-Milliardär hinter Trumps Venezuela-Deal

qimono (CC0), Pixabay
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Ein milliardenschwerer Öl-Deal zwischen den USA und Venezuela sorgt für Aufsehen – und im Mittelpunkt steht ein Unternehmer, dessen Vergangenheit mindestens so bemerkenswert ist wie das Geschäft selbst.

Alejandro Betancourt López ist Chef des auf Barbados registrierten Unternehmens North American Blue Energy Partners (Nabep). Die bislang außerhalb Venezuelas wenig bekannte Firma soll künftig die Produktion und Vermarktung von 17 venezolanischen Ölfeldern mit geschätzten Reserven von rund 65 Milliarden Barrel Rohöl überwachen. US-Präsident Donald Trump bezeichnete die Vereinbarung als den „größten Deal der Geschichte“.

Doch die Wahl des Geschäftspartners wirft Fragen auf. Denn Betancourt machte bereits unter Hugo Chávez Geschäfte mit dem venezolanischen Staat und geriet in mehreren Ländern ins Visier von Ermittlungsbehörden. Verurteilt wurde er bislang nicht, Fehlverhalten weist er zurück.

Vom Unternehmer zum Milliardenvermögen

Betancourt wurde im Februar 1980 in Caracas geboren und stammt nach Darstellung des Berichts aus einer Mittelschichtfamilie. Er studierte an der Suffolk University in Boston. Sein Vermögen wird auf rund 2,6 Milliarden Dollar geschätzt.

Sein Aufstieg begann während einer schweren venezolanischen Energiekrise.

Der Journalist Alek Boyd, der Betancourts Karriere seit Jahren verfolgt, führt dessen frühe Geschäftserfolge auch auf persönliche Kontakte zurück. Demnach war Betancourt mit Javier Alvarado Pardi befreundet, dessen Vater später unter anderem das Energieunternehmen Electricidad de Caracas leitete, stellvertretender Energieminister war und eine Führungsposition beim staatlichen Ölkonzern PDVSA innehatte.

Betancourts gemeinsam mit einem Cousin gegründetes Unternehmen Derwick Associates erhielt schließlich zwölf staatliche Aufträge im Gesamtwert von rund fünf Milliarden Dollar – laut Bericht ohne öffentliche Ausschreibung.

Die Ära der „Bolichicos“

Betancourt und andere junge Geschäftsleute, die während der Chávez-Regierung zu großem wirtschaftlichem Erfolg kamen, wurden in Venezuela bald als „Bolichicos“ bezeichnet.

Das Wort setzt sich aus „Bolivarian“ – als Anspielung auf Chávez‘ bolivarische Revolution – und dem spanischen „chico“ für Junge zusammen.

Betancourts Anwalt Jon Sale hält von dieser Bezeichnung wenig. Es handele sich um einen von Medien geschaffenen Begriff für junge Unternehmer, deren einzige Gemeinsamkeit ihr Erfolg sei.

Milliardenaufträge sorgen für Kritik

Derwick erklärte, sämtliche übernommenen Energieprojekte abgeschlossen zu haben.

Antikorruptionsorganisationen wie Transparency Venezuela und das Organized Crime and Corruption Reporting Project erhoben jedoch Vorwürfe, wonach mehrere Projekte entweder nicht fertiggestellt oder mangelhaft umgesetzt worden seien.

Ein Bericht von Transparency Venezuela aus dem Jahr 2018 kam zu der Einschätzung, dass elf an Derwick vergebene Projekte eigentlich rund 2,1 Milliarden Dollar hätten kosten sollen. Sollte diese Berechnung zutreffen, hätte der venezolanische Staat demnach 138 Prozent zu viel bezahlt.

Betancourts Anwälte wiesen die Vorwürfe zurück und bezeichneten Anschuldigungen über überhöhte Abrechnungen als politisch motivierte Versuche, seinen Ruf zu beschädigen.

Das Geschäftsimperium wächst

Trotz der Kritik durfte Derwick später auch in das venezolanische Ölgeschäft einsteigen.

Betancourt begann zudem international zu expandieren. Mitte der 2010er-Jahre beteiligte er sich am spanischen Sonnenbrillenhersteller Hawkers und wurde 2016 dessen Mehrheitsaktionär und Präsident.

Außerdem übernahm er Beteiligungen an Banken in der Schweiz und Afrika.

Nach Recherchen von Transparency Venezuela soll sein geschäftliches Netzwerk heute rund 50 Unternehmen in 16 Ländern umfassen.

Ermittlungen in mehreren Ländern

Mit dem wachsenden Imperium nahmen auch die juristischen Probleme zu.

Bereits 2013 verklagte der frühere US-Botschafter in Venezuela, Otto Reich, Betancourt und zwei Geschäftspartner. Er warf ihnen vor, hohe Summen an venezolanische Amtsträger gezahlt zu haben, um staatliche Aufträge zu erhalten.

Die Klage wurde fünf Jahre später abgewiesen.

Später eröffneten Justizbehörden in Spanien, der Schweiz, Andorra und den USA Ermittlungen gegen Betancourt und andere sogenannte „Bolichicos“ wegen mutmaßlicher Verbindungen zu verschiedenen Korruptionskomplexen rund um PDVSA.

Wichtig dabei: Betancourt wurde laut dem vorliegenden Bericht nicht angeklagt und bestreitet jegliches Fehlverhalten.

Festnahmen in London und Razzia in Spanien

2025 geriet Betancourt erneut in die Schlagzeilen.

Die britische Polizei nahm ihn zweimal in London fest, wo er sich in den vergangenen Jahren niedergelassen hatte.

Wenige Tage später durchsuchten spanische Behörden das ihm gehörende Anwesen Alamín Castle in der Provinz Toledo. Beide Maßnahmen standen Berichten zufolge im Zusammenhang mit Ermittlungen der Schweizer Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der Geldwäsche.

Sein Anwalt argumentierte, Betancourt werde auch wegen seiner Verbindung zu anderen venezolanischen Geschäftsleuten unter Generalverdacht gestellt. Einige aus dieser Gruppe hätten Gesetze gebrochen, andere nicht – dennoch würden alle in einen Topf geworfen.

Warum setzen die USA ausgerechnet auf Betancourt?

Genau diese Vergangenheit macht die Entscheidung Washingtons bemerkenswert.

US-Außenminister Marco Rubio nannte drei Gründe für die Zusammenarbeit.

Erstens habe Betancourt bewiesen, dass er Öl produzieren könne. Nach Schätzungen einiger Experten fördert Nabep derzeit etwa 180.000 Barrel Rohöl pro Tag und läge damit nur knapp hinter Chevron mit mehr als 200.000 Barrel. Andere Experten bezweifeln allerdings die Zuverlässigkeit dieser Zahlen.

Zweitens verwies Rubio darauf, dass Betancourt derzeit nicht von US-Behörden untersucht werde.

Und drittens habe der Unternehmer die venezolanische Opposition entschieden unterstützt.

Vom Chávez-Geschäftsmann zum Kontakt der Opposition

Betancourts politische Positionierung ist dabei ungewöhnlich.

Obwohl er wirtschaftlich während der Chávez-Jahre aufstieg, soll er sich ideologisch nicht mit dessen sozialistischer Bewegung identifiziert haben.

Als sich die politischen Verhältnisse änderten, knüpfte Betancourt Kontakte zum damaligen Oppositionsführer Juan Guaidó. Dadurch entstanden nach Darstellung des Berichts auch Verbindungen zu amerikanischen Politikern und Trump-Vertrauten, darunter Mauricio Claver-Carone und Rudy Giuliani.

Nachdem Betancourt 2019 an einem gescheiterten Versuch beteiligt gewesen sein soll, Nicolás Maduro aus dem Amt zu drängen, verlor er dem Bericht zufolge seine Position im venezolanischen Ölgeschäft und lebte anschließend zwischen Madrid und London.

Juristischer Druck lässt nach

Ende 2025 sollen Betancourts Kontakte in die USA eine wichtige Rolle bei der Verringerung des juristischen Drucks gespielt haben.

Nach einem Bericht der Washington Post drängten amerikanische Behörden die Schweiz dazu, ihr Auslieferungsersuchen gegen den Unternehmer vor britischen Gerichten zurückzunehmen.

Die Schweiz kam dem nach. Im Mai hob ein Londoner Gericht daraufhin Betancourts Reisebeschränkungen auf.

Sein Anwalt betonte allerdings selbst, dass dies nicht zwangsläufig bedeute, dass damit auch die Schweizer Ermittlungen beendet seien.

Plötzlich sitzt Betancourt wieder an einem entscheidenden Tisch

Besonders bemerkenswert ist schließlich Betancourts Rolle bei den jüngsten politischen Umwälzungen in Venezuela.

Nach einem Bericht von Axios soll er unmittelbar nach der US-Militäroperation vom 3. Januar, bei der Nicolás Maduro und dessen Ehefrau Cilia Flores von US-Kräften festgesetzt wurden, mit der damaligen Vizepräsidentin Delcy Rodríguez gesprochen und sie dazu bewegt haben, Kontakt mit Marco Rubio aufzunehmen.

Betancourts Anwalt bestätigte, dass sein Mandant dabei als Vermittler tätig gewesen sei. Mit Maduros Abgang selbst habe er jedoch nichts zu tun gehabt.

Die inzwischen amtierende venezolanische Interimspräsidentin Rodríguez verteidigte Betancourt am Mittwoch und erklärte, gegen ihn seien weder in Venezuela noch in den USA Verfahren anhängig. Menschen würden häufig zuerst in den Medien und erst später vor Gericht beurteilt, sagte sie.

Ein außergewöhnlicher Partner für einen außergewöhnlichen Deal

Damit steht hinter einem der wichtigsten Ölgeschäfte der neuen amerikanischen Venezuela-Politik ein Mann mit einer bemerkenswerten Biografie: Milliardenunternehmer, Geschäftspartner des venezolanischen Staates, Unterstützer der Opposition, international vernetzter Vermittler – und zugleich Gegenstand jahrelanger Ermittlungen und Korruptionsvorwürfe, die er zurückweist.

Dass ausgerechnet Betancourt nun eine Schlüsselrolle bei der Kontrolle und Vermarktung von 17 venezolanischen Ölfeldern übernehmen soll, erklärt, warum der Deal international so viel Aufmerksamkeit bekommt.

Denn bei diesem Geschäft geht es nicht nur um 65 Milliarden Barrel Öl. Es geht auch um die Frage, warum Washington einem der schillerndsten und umstrittensten Unternehmer Venezuelas eine derart zentrale Rolle anvertraut.

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