Nicht ungewöhnlich

Immer wenn die Bafin eine Rückabwicklungsverfügung erlässt, dann fragen wir uns natürlich auch, wo das Gled dafür herkommen soll, um die Auflagen zu erfüllen, nämlich die eingezahlten Gelder an die Kunden zurück zu bezahlen? Oft ist das Geld ja irgendwo investiert, denn dafür hat man es ja eingesammelt. Hinzu kommt natürlich auch, dass das Geld einsammeln auch Geld kostet. Sicherlich so um die 15%. Das bedeutet, dass der Emittent ja dann 15% selber drauflegen müsste sofern das Geld auch verfügbar wäre. Sie sehen, dies ist fast nicht machbar. Da verwundern uns solche Berichte dann auch nicht mehr im Geringsten.

Es ist schon eine „verwickelte“ Sache mit den Algen der NAM (Niedersächsische Algen Manufaktur):

Herumwickeln,

kann man Algen um japanischen Klebereis und erhält so ein durchaus schmackhaftes Sushi. Ob daneben die weiteren Verwendungsmöglichkeiten, die das Unternehmen angab, um Anleger zu gewinnen, wirklich realistisch waren ist zumindest zweifelhaft. Zweifel die auch den Vermittler/ Berater hätten überfallen müssen, der die Anlage vor ihrer Vermittlung auf ihre Plausibilität hätte prüfen müssen.

Abwickeln,

meint die BaFin und zwar unverzüglich mit Bescheid vom 13.01.2017, weil es sich um ein Einlagengeschäft handelt, für das die notwendige Erlaubnis fehlt.

Einwickeln,

sollten sich die Anleger nicht von Vermittlern oder Berater lassen, die behaupten, dass dieses BaFin- Verbot nicht voraussehbar war. Die Aufgabe des Vermittlers bestand nicht nur darin eine anlage- und anlegergerechte Beratung vor dem Verkauf vorzunehmen, sondern auch die Kapitalanlage auf Plausibilität zu prüfen.

Der Vermittler / Berater muss sich weiter vor dem Verkauf der Kapitalanlage die Frage stellen, ob es sich bei dem Vorhaben der NAM um ein realistisches Geschäftsmodell oder allenfalls eine „interessante“ Idee handelt, und ob die Finanzierung legal oder zumindest in der Form rechtlich zweifelhaft ist. Tut er das nicht, kann er schon mal nach einem Termin bei seiner Versicherung anfragen.

Verwickelt (jetzt kommt der Rechtstipp),

ist die Frage, was der Anleger tun sollte. Anleger, die ihrer Forderung auf Rückzahlung des Anlagebetrags bei dem Unternehmen geltend machen, sehen entweder kein Geld oder dürfen erhaltene Zahlungen dann irgendwann an den Insolvenzverwalter zurückzahlen.

Bleibt nur noch den Berater oder Vermittler am Wickel zu kriegen, der Ihnen, als Anleger, den Murks ans Bein gewickelt, also angedreht, hat. Schadensersatzansprüche sollten dann aber möglichst umgehend geltend gemacht werden, da die Haftungssumme der Haftpflichtversicherung und das Vermögen des Vermittlers/Beraters zumeist unterentwickelt sind.

Rechtsanwalt Mertens, Köln

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