Während die Fußballwelt gebannt auf den Anpfiff der Weltmeisterschaft in Mexiko blickt und bereits vom großen Finale im MetLife Stadium bei New York träumt, hat die Millionenmetropole selbst derzeit ganz andere Prioritäten. Fußball? Später vielleicht. Im Moment dreht sich in New York alles um die Knicks.
Das traditionsreiche Basketballteam steht nur noch einen Sieg von seiner ersten NBA-Meisterschaft seit mehr als einem halben Jahrhundert entfernt. Entsprechend herrscht in Manhattan seit Tagen ein Ausnahmezustand, der irgendwo zwischen Volksfest, Rockkonzert und kontrolliertem Chaos angesiedelt ist.
Nach einem spektakulären Comeback im vierten Finalspiel gegen die San Antonio Spurs verwandelten Tausende Fans die Straßen rund um den Madison Square Garden in eine riesige Partyzone. Autos wurden zu Aussichtstürmen umfunktioniert, Baugerüste zu Logenplätzen und Feuerwerkskörper zu spontanen Soundeffekten. Die Polizei hatte alle Hände voll zu tun, die Feierlaune einiger besonders enthusiastischer Knicks-Anhänger in halbwegs geordnete Bahnen zu lenken.
Im Madison Square Garden selbst glich die erste Reihe einer Mischung aus Oscar-Verleihung und Promi-Gipfel. Taylor Swift erschien in einem „Stevie Knicks“-Shirt, Timothée Chalamet und Kylie Jenner präsentierten sich im perfekt abgestimmten Knicks-Partnerlook, während Knicks-Urgestein Spike Lee wieder einmal mehr Energie versprühte als manche Spieler auf dem Feld. Ben Stiller, Adam Sandler und zahlreiche weitere Stammgäste durften natürlich ebenfalls nicht fehlen.
Die Begeisterung ist verständlich. Die Knicks sind für viele New Yorker weit mehr als nur ein Basketballverein. Sie sind ein Stück Stadtgeschichte, ein Identifikationssymbol und für manche vermutlich auch eine Religion. Die letzte Meisterschaft liegt über 50 Jahre zurück – viele Fans haben einen Titel bisher nur aus Erzählungen ihrer Eltern oder aus vergilbten Archivaufnahmen gekannt.
Für zusätzliche Unterhaltung sorgte ein Streit um ein geplantes Public Viewing. Bürgermeister Zohran Mamdani und Knicks-Eigentümer James Dolan lieferten sich öffentlich einen Schlagabtausch darüber, wer für die kurzfristige Absage verantwortlich sei. Die Fans interessierte das allerdings nur bedingt. Sie wollten vor allem eines: Basketball schauen und feiern.
Selbst Donald Trump wurde bei seinem Besuch eines Finalspiels Teil der Show. Als sein Bild auf der Videowand erschien, reagierten Teile des Publikums mit lautstarken Buhrufen. In New York gehört eben auch das zur Sportkultur.
Während also die Fußball-WM ihre ersten Schlagzeilen schreibt, bleibt New York vorerst dem orangefarbenen Lederball treu. Sollte den Knicks im nächsten Spiel tatsächlich der Titelgewinn gelingen, dürfte die Stadt endgültig kollektiv durchdrehen. Dann könnte selbst das WM-Finale vor den Toren der Stadt Mühe haben, die Aufmerksamkeit der New Yorker zurückzugewinnen.
Kurz gesagt: Die Welt spricht über Fußball. New York spricht über die Knicks. Und zwar sehr, sehr laut.
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