Mehr als ein halbes Jahrhundert mussten die Fans der New York Knicks warten. Generationen kamen und gingen, Trainer wurden verschlissen, Talente verheizt, Hoffnungen begraben. Die Knicks waren lange das, was man im Sport einen Traditionsverein nennt, der hauptsächlich von seinen Traditionen lebt.
Jetzt ist alles anders.
Mit dem 94:90 gegen die San Antonio Spurs haben die Knicks erstmals seit 1973 wieder die NBA-Meisterschaft gewonnen. Für viele New Yorker fühlt sich das vermutlich an wie die sportliche Wiedervereinigung einer Stadt mit ihrer verlorenen Jugend.
Denn die Knicks waren über Jahrzehnte nicht einfach nur erfolglos. Sie waren spektakulär erfolglos. Kaum ein Team schaffte es so zuverlässig, große Erwartungen in noch größere Enttäuschungen zu verwandeln. Die teuersten Kader führten oft nur zu den teuersten Ausreden.
Umso bemerkenswerter ist die Explosion der Begeisterung.
Schon vor dem entscheidenden Spiel war die Stimmung in Manhattan elektrischer als manche Stromrechnung. Sportbars platzten aus allen Nähten, Straßen wurden zu Fanmeilen, und plötzlich nickten sich Fremde auf der Straße zu, als gehörten sie einer geheimen Bruderschaft an.
Sport kann genau das leisten: Menschen für einen Moment vergessen lassen, worüber sie sich sonst streiten.
Allerdings zeigte die Euphorie auch ihre Schattenseiten. Berichte über Angriffe auf Spurs-Fans und sogar auf einen Fast-Food-Mitarbeiter wegen eines Trikots erinnern daran, dass Fanliebe manchmal erstaunlich schnell in Fanatismus umschlagen kann. Wer jemanden wegen eines Basketballshirts attackiert, hat die Grundidee des Sports nicht ganz verstanden.
Trotzdem wird das die Bilder dieser Nacht nicht prägen.
In Erinnerung bleiben werden die jubelnden Menschenmassen, die Umarmungen zwischen Fremden und die Tränen jener Fans, die Jahrzehnte lang gelernt hatten, Enttäuschungen als festen Bestandteil ihrer Knicks-Erfahrung zu akzeptieren.
Besonders bemerkenswert ist dabei die Symbolik. New York gilt als Stadt der Gewinner, der Finanzgiganten, der Wolkenkratzer und der großen Träume. Ausgerechnet das Basketballteam der Metropole war jedoch jahrzehntelang ein Synonym für verpasste Chancen.
Nun haben die Knicks diese Geschichte umgeschrieben.
Ob daraus eine neue Dynastie entsteht oder ob die Meisterschaft eine einmalige Sternstunde bleibt, wird die Zukunft zeigen. Für die Fans spielt das heute keine Rolle.
Nach 53 Jahren ist die wichtigste Frage ohnehin beantwortet.
Die Knicks sind wieder NBA-Champion.
Und ganz New York feiert, als hätte die Stadt selbst gerade den Titel gewonnen.
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