Wer nach einer Fernreise völlig erschöpft, nachts hellwach und tagsüber kaum konzentriert ist, leidet wahrscheinlich unter Jetlag. Verantwortlich dafür ist nicht allein Schlafmangel, sondern vor allem die Störung der inneren Uhr, die zahlreiche Körperfunktionen steuert. Die Folgen gehen weit über Müdigkeit hinaus. Jetlag kann Kopfschmerzen, Muskelschmerzen, Verdauungsprobleme sowie Konzentrations- und Gedächtnisstörungen verursachen. Auch Leber, Nieren und die Reparaturprozesse der Körperzellen geraten vorübergehend aus dem Gleichgewicht. Viele Betroffene fühlen sich gereizt oder antriebslos. Besonders stark sind die Beschwerden meist nach Flügen über mehrere Zeitzonen hinweg – vor allem in östlicher Richtung. Wie intensiv der Jetlag ausfällt, hängt zudem von genetischen Faktoren und individuellen Lebensgewohnheiten ab.
Für Flugpersonal, das regelmäßig Langstrecken fliegt, kann die dauerhafte Belastung sogar gesundheitliche Folgen haben. Studien weisen auf erhöhte Stresshormonwerte und mögliche Zusammenhänge mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder bestimmten Krebsarten hin. Allerdings lassen sich diese Risiken nicht ausschließlich auf den Jetlag zurückführen. Wer die Auswirkungen verringern möchte, sollte sich bereits vor der Reise auf die neue Zeitzone einstellen. Bei Flügen nach Osten empfiehlt es sich, einige Tage früher schlafen zu gehen, bei Reisen nach Westen entsprechend später. Auch Licht spielt eine entscheidende Rolle.
Am Zielort hilft gezielte Sonnenlichtexposition dabei, die innere Uhr schneller an den neuen Tagesrhythmus anzupassen. Entscheidend ist jedoch der richtige Zeitpunkt, da zu viel Licht zur falschen Zeit den Jetlag sogar verstärken kann. Melatonin wird häufig als Mittel gegen Jetlag eingesetzt. Die Studienlage ist jedoch nicht eindeutig. Während einige Gesundheitsbehörden den kurzfristigen Einsatz für sinnvoll halten, weisen andere auf fehlende Belege sowie mögliche Nebenwirkungen und Risiken hin. Deshalb sollte die Einnahme nur nach ärztlicher Rücksprache erfolgen. Hilfreich kann außerdem sein, die Uhr bereits im Flugzeug auf die Ortszeit umzustellen und Mahlzeiten möglichst nach den Essenszeiten am Reiseziel einzunehmen.
Wer sich nicht zu sehr vor dem Jetlag fürchtet, könnte ebenfalls profitieren: Erste Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass negative Erwartungen die Beschwerden zusätzlich verstärken können. Mit etwas Geduld reguliert sich die innere Uhr meist von selbst – im Durchschnitt um etwa eine Stunde pro Tag nach Flügen Richtung Osten und etwa eineinhalb Stunden nach Reisen Richtung Westen.
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