Der britische Energiekonzern BP will sein Geschäft in der Nordsee verkaufen und damit ein Kapitel beenden, das vor rund 60 Jahren begann. Betroffen sind fünf Produktionszentren und etwa 1.100 Beschäftigte.
Das Nordsee-Geschäft förderte im vergangenen Jahr rund 117.000 Barrel Öläquivalent pro Tag. Für BP ist das inzwischen jedoch nur noch ein kleiner Teil der weltweiten Produktion von etwa 2,3 Millionen Barrel täglich.
Konzernchefin Meg O’Neill erklärte, BP wolle sein Portfolio verkleinern und Kapital künftig stärker in besonders profitable Bereiche lenken. Die Anlagen in der Nordsee seien grundsätzlich attraktiv, könnten sich unter einem neuen Eigentümer aber besser entwickeln.
Der Verkauf könnte dem Konzern Schätzungen zufolge rund zwei Milliarden Pfund einbringen. Gespräche mit dem Energieunternehmen Ithaca über einen möglichen Erwerb waren zuvor offenbar gescheitert.
BP betont, dass der britische Hauptsitz erhalten bleibt. Insgesamt beschäftigt das Unternehmen im Vereinigten Königreich knapp 14.000 Menschen. Während des Verkaufsprozesses solle der Betrieb sicher und zuverlässig weitergeführt werden.
Für die Beschäftigten bringt die Entscheidung dennoch erhebliche Unsicherheit. Die britische Energieministerin Miatta Fahnbulleh erklärte, der Schutz der Arbeitsplätze und der betroffenen Regionen habe nun höchste Priorität.
Der geplante Rückzug fällt in eine politisch angespannte Debatte. Während Teile der Regierung, Gewerkschaften und Oppositionsparteien mehr Öl- und Gasförderung fordern, setzen andere auf einen schnelleren Ausbau erneuerbarer Energien.
Zusätzlichen Druck erzeugt die britische Sondersteuer auf hohe Gewinne von Energieunternehmen. Branchenvertreter machen sie dafür verantwortlich, dass Investitionen in der Nordsee zunehmend unattraktiv werden.
Die schottische Regierung warnt vor einem zu schnellen Rückgang der Förderung, solange erneuerbare Energien den Bedarf noch nicht vollständig decken können. Umweltpolitiker halten dagegen, dass ein Großteil des Nordseeöls ohnehin exportiert werde und kaum zur britischen Versorgungssicherheit beitrage.
Damit verkauft BP nicht nur Plattformen und Förderanlagen. Der Konzern übergibt auch ein politisches Problem: Wie lange soll Großbritannien noch auf Öl und Gas setzen – und wer bezahlt den Übergang in eine andere Energiezukunft?
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