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Liberland: Wo Demokratie per Krypto-Token gekauft wird

Tumisu (CC0), Pixabay
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Was passiert, wenn man eine Nation gründet, Steuern abschafft und das Stimmrecht nach Kontostand verteilt? Willkommen in Liberland – einem selbst ernannten Mini-Staat zwischen Kroatien und Serbien, der von Krypto-Milliardären unterstützt wird und die Demokratie neu erfinden möchte. Oder abschaffen. Je nach Blickwinkel.

Präsident Vít Jedlička hat eine einfache Idee: Wer mehr sogenannte „Liberland Merits“ besitzt, hat auch mehr Einfluss auf politische Entscheidungen. Anders ausgedrückt: Ein Mensch, eine Stimme – sofern der Mensch genügend digitale Token gekauft hat.

Steuern? Fehlanzeige.

Sozialstaat? Ebenfalls nicht.

Der Innenminister bringt die Philosophie auf den Punkt: Wer nichts besitzt, soll auch besser nicht kommen. Arme Menschen seien eher ein Problem als ein Teil der Gesellschaft. Sozialromantik klingt jedenfalls anders.

Finanziert wird das Projekt unter anderem vom chinesischen Krypto-Unternehmer Justin Sun. Der Milliardär wurde unter anderem dadurch bekannt, dass er eine mit Klebeband an die Wand geklebte Banane für mehr als sechs Millionen Dollar kaufte – und anschließend aß. Dass ausgerechnet er nun eine neue Staatsform mitgestalten möchte, wirkt fast folgerichtig.

Die Vision ist ambitioniert: Regierungen sollen künftig durch Blockchain-Technologie ersetzt werden. Gesetze, Abstimmungen und Verwaltung laufen digital. Politiker werden überflüssig – stattdessen entscheidet der Code. Oder jene, die genügend Token besitzen.

Liberland ist dabei kein Einzelfall. Weitere Projekte wie Prospera oder Draper Nation verfolgen ähnliche Ideen. Dahinter steht die Vorstellung, klassische Nationalstaaten durch digitale Mini-Staaten oder unternehmensähnliche Strukturen zu ersetzen. Kritiker warnen allerdings davor, dass dabei politische Macht zunehmend vom Wahlvolk zu vermögenden Technologie-Eliten wandern könnte.

Am Ende bleibt eine spannende Frage: Ist Liberland die Zukunft der Demokratie – oder nur ein exklusiver VIP-Club mit Landesgrenze?

Fest steht: Wer dort mitreden möchte, braucht offenbar weniger Überzeugungskraft als eine gut gefüllte Krypto-Wallet.

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