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Neuer Trainer, alte Borussia! Ich hatte auf einen Ruck gehofft – und bekam wieder einmal Gladbach zum Verzweifeln

HeikeIr (CC0), Pixabay
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Ganz ehrlich: Ich hatte mich auf dieses Derby gefreut. Nicht, weil wir gerade besonders guten Fußball spielen. Sondern weil ich dachte: Jetzt kommt Alexander Blessin, jetzt geht ein Ruck durch die Mannschaft! Endlich wieder Leidenschaft, Mut und der unbedingte Wille, ein Spiel zu gewinnen. Stattdessen stehe ich als Gladbach-Fan vor dem nächsten Nervenzusammenbruch. Beim 1. FC Köln zeigte Borussia zunächst gute Ansätze, ließ sich nach der Pause aber wieder zunehmend hinten hineindrängen. Und als Saïd El Mala zum 2:1 für Köln traf, hatte ich ein Gefühl, das mir inzwischen unangenehm vertraut ist: Neuer Trainer, aber die alten Probleme sind immer noch da.

Ein launischer Kommentar aus Sicht eines leidgeprüften Borussia-Fans

Ich habe mir den Trainereffekt tatsächlich eingebildet

Ich gebe es zu.

Ich war optimistisch.

Vielleicht sogar ein bisschen naiv.

Vier Niederlagen zum Saisonstart, 16 Gegentore und null Punkte – da kann es doch eigentlich nur besser werden, dachte ich.

Dann kam Alexander Blessin.

Ein neuer Trainer. Neue Ideen. Neue Ansprache. Neue Hoffnung.

Ich stellte mir vor, wie Blessin in der Kabine steht und unseren Spielern erklärt, dass ein Fußballspiel nicht nur aus neunzig Minuten Anwesenheit besteht.

Sondern aus Zweikämpfen.

Leidenschaft.

Laufbereitschaft.

Und dieser beinahe vergessenen Gladbacher Spezialität: Tore schießen, ohne vorher unbedingt eines kassieren zu müssen.

Ich hatte ernsthaft gehofft, dass unsere Mannschaft im Derby gegen Köln endlich wieder mit breiter Brust auftritt.

Nicht unbedingt mit Zauberfußball.

Aber wenigstens mit dem Gesichtsausdruck einer Mannschaft, die verstanden hat, dass sie Tabellenletzter ist.

Die ersten zehn Minuten: Ich dachte schon, wir wären wieder Borussia

Und tatsächlich!

Unsere Jungs begannen mutig.

Sie gingen nach vorne.

Sie setzten die Kölner unter Druck.

Sie suchten Zweikämpfe.

Ich saß vor dem Fernseher und dachte:

„Na also! Geht doch!“

Vielleicht hatte Blessin ja tatsächlich etwas bewirkt.

Vielleicht war es wirklich nur eine Frage der richtigen Ansprache.

Vielleicht hatten unsere Spieler in den vergangenen Wochen einfach vergessen, dass man beim Fußball auch den Gegner beschäftigen darf.

Nach wenigen Minuten hatte ich schon den ersten Anflug von Euphorie.

Ein fataler Fehler.

Denn wer Borussia Mönchengladbach schon länger kennt, weiß:

Hoffnung ist bei uns meistens nur die kurze Pause zwischen zwei Enttäuschungen.

26. Minute: Köln führt – und ich erkenne meine Mannschaft wieder

Dann kam die 26. Minute.

Freistoß für Köln.

Borna Sosa bringt den Ball herein.

Unsere Abwehr bekommt die Sache nicht vernünftig geklärt.

Und Ísak Jóhannesson trifft sehenswert zum 1:0.

Wunderschönes Tor.

Muss man anerkennen.

Nur leider auf der falschen Seite.

Ich frage mich inzwischen wirklich, warum gegnerische Mannschaften gegen uns immer besonders schöne Tore erzielen.

Kann man nicht einfach mal einen Ball ins Seitenaus klären?

Muss man dem Gegner erst eine Vorlage für das Tor des Monats servieren?

Bei Borussia scheint man manchmal das Gefühl zu haben, die Spieler möchten unbedingt, dass sich die gegnerischen Fans gut unterhalten fühlen.

Das ist sehr gastfreundlich.

Aber im Abstiegskampf möglicherweise die falsche Priorität.

Joe Scally! Endlich einmal einer, der den Ball ins richtige Tor köpft

In der 39. Minute gab es dann tatsächlich Grund zum Jubeln.

Joe Scally stand richtig und köpfte zum 1:1 ein.

Ich war begeistert.

Ein Auswärtstor!

Im Derby!

Und tatsächlich für Borussia!

Man muss ja inzwischen die kleinen Dinge feiern.

Plötzlich war die Hoffnung zurück.

Vielleicht wird das doch noch etwas.

Vielleicht können wir jetzt nachlegen.

Vielleicht ist dieser Ausgleich der Moment, auf den wir alle gewartet haben.

Ich begann schon, innerlich meine Kritik an den vergangenen Wochen zurückzunehmen.

Zumindest teilweise.

Aber ich hätte es besser wissen müssen.

Zweite Halbzeit: Offenbar war der Mut in der Kabine geblieben

Nach dem Seitenwechsel wartete ich auf den nächsten Gladbacher Angriff.

Und wartete.

Und wartete.

Köln wurde stärker.

Unsere Mannschaft wurde passiver.

Die Entlastung nach vorne funktionierte kaum noch.

Und ich fragte mich, ob Blessin in der Halbzeit versehentlich die falsche Mannschaft motiviert hatte.

Denn was wir jetzt sahen, erinnerte mich wieder stark an jene Auftritte, die uns überhaupt erst auf den letzten Tabellenplatz gebracht hatten.

Zu wenig Zugriff.

Zu wenig Ideen.

Zu wenig klare Aktionen nach vorne.

Natürlich war nicht alles schlecht.

Aber warum schafft es diese Mannschaft so selten, über längere Phasen selbstbewusst Fußball zu spielen?

Wir haben Spieler, die etwas können.

Wir haben Bundesligaerfahrung.

Wir haben einen neuen Trainer.

Und trotzdem sieht es phasenweise so aus, als hätten wir den Ball nur ausgeliehen bekommen und müssten ihn möglichst schnell zurückgeben.

57. Minute: Ein Rückpass, bei dem mir das Herz stehen bleibt

Besonders eindrucksvoll war eine Szene in der 57. Minute.

Daiki Hashioka spielte einen Rückpass, den Saïd El Mala abfing.

Plötzlich stand der Kölner Angreifer in einer brandgefährlichen Position.

Ich dachte schon:

„Das war’s.“

Zum Glück entschied sich El Mala für einen eigenen Abschluss statt für den besser positionierten Mitspieler.

Und Jan Leszczyński konnte retten.

Puh.

Aber solche Situationen machen mich wahnsinnig.

Wir brauchen keinen Gegner, der uns mit komplizierten Kombinationen auseinandernimmt.

Manchmal erledigen wir die Vorarbeit praktisch selbst.

Vielleicht sollten wir beim nächsten Training mit einer ganz einfachen Übung anfangen.

Ball zum Mitspieler.

Nicht zum Gegner.

Ich weiß, das klingt revolutionär.

Aber irgendwo muss der Neuaufbau ja beginnen.

67. Minute: Saïd El Mala zeigt, was uns gerade fehlt

Und dann kam dieser Saïd El Mala.

Tempo.

Mut.

Ein Dribbling.

Ein sauberer Abschluss.

2:1 für Köln.

Das Tor war stark gemacht.

So ehrlich muss man als Gladbacher sein.

Aber was mich daran besonders ärgerte, war der Unterschied im Auftreten.

Da nimmt ein junger Kölner den Ball, geht entschlossen auf die Abwehr zu und sucht den Abschluss.

Genau das wünsche ich mir von unseren Spielern.

Nicht permanent Sicherheitspässe.

Nicht immer nur quer.

Nicht bei jedem Angriff erst einmal überlegen, ob man vielleicht lieber wieder zurückspielt.

Sondern Mut.

Entschlossenheit.

Und den Willen, eine Situation selbst zu entscheiden.

Bei Köln sieht das manchmal ganz einfach aus.

Bei uns wirkt es gelegentlich wie eine besonders schwierige theoretische Prüfung.

Herr Blessin, ich verlange keine Wunder – aber bitte eine erkennbare Veränderung

Damit wir uns richtig verstehen:

Ich gebe Alexander Blessin nicht die Schuld an der gesamten Misere.

Er hat diese Mannschaft erst vor Kurzem übernommen.

Er konnte ihre sportlichen Probleme nicht innerhalb weniger Trainingseinheiten beheben.

Und wichtige Spieler wie Tim Kleindienst und Franck Honorat fehlten.

Das muss berücksichtigt werden.

Aber ich hatte trotzdem gehofft, dass eine neue Traineransprache sofort etwas verändert.

Dass jeder Spieler begriffen hat:

Jetzt ist Schluss mit Ausreden.

Jetzt muss geliefert werden.

Und zwar nicht irgendwann.

Sondern sofort.

Natürlich braucht ein Trainer Zeit.

Aber Borussia hat im Tabellenkeller eben keine unbegrenzte Zeit mehr.

Was mich ärgert, sind nicht einzelne Fehlpässe oder verlorene Zweikämpfe.

Fehler passieren.

Was mich ärgert, ist dieses wiederkehrende Gefühl, dass die Mannschaft nach guten Anfangsphasen ihre Überzeugung verliert.

Als würde jeder Rückschlag sofort die alte Unsicherheit zurückbringen.

Borussia braucht keinen neuen Hoffnungsslogan, sondern Punkte

Wir Fans haben in den vergangenen Jahren viele Erklärungen gehört.

Es wird analysiert.

Es wird aufgearbeitet.

Es wird intensiv trainiert.

Man habe gute Ansätze gesehen.

Die Mannschaft arbeite hervorragend.

Die Stimmung sei positiv.

Das ist alles schön.

Aber irgendwann möchte ich auch einmal sehen, dass Borussia ein Spiel gewinnt.

Denn in der Tabelle gibt es keine Sonderpunkte für gute Trainingsleistungen.

Auch nicht für ordentliche Anfangsminuten.

Und erst recht nicht für die Erkenntnis, dass man sich eigentlich mehr vorgenommen hatte.

Was zählt, sind Punkte.

Und davon haben wir nach vier Niederlagen zum Saisonstart erschreckend wenige – nämlich keinen vor diesem Derby.

Am schlimmsten ist, dass ich trotzdem wieder hoffe

Das wirklich Tragische an uns Borussia-Fans ist ja:

Wir lernen nicht daraus.

Vor jedem Spiel sage ich mir:

„Diesmal bleibst du ruhig.“

„Diesmal erwartest du nichts.“

„Diesmal lässt du dich nicht wieder verrückt machen.“

Und dann spielen unsere Jungs fünf vernünftige Minuten.

Schon denke ich an bessere Zeiten.

An schnelle Konter.

An mutigen Fußball.

An diese wunderbaren Nachmittage, an denen Borussia selbst große Gegner in Schwierigkeiten bringen konnte.

Und spätestens beim nächsten Gegentor sitze ich wieder da und frage mich:

Warum tue ich mir das eigentlich an?

Die Antwort kenne ich natürlich.

Weil Borussia mein Verein ist.

Weil man sich seinen Verein nicht nach der Tabelle aussucht.

Und weil man ihn auch dann nicht einfach aufgibt, wenn er einen regelmäßig an den Rand der Verzweiflung bringt.

Mein Fazit: Der neue Trainer ist da – jetzt müssen endlich auch die Spieler ankommen

Ich hatte gehofft, dass Alexander Blessin sofort einen Ruck durch die Mannschaft bringt.

Ein bisschen war dieser Ruck zu Beginn des Derbys sogar zu sehen.

Doch spätestens nach der Pause waren viele alte Probleme wieder da.

Unsicherheit.

Fehlende Entlastung.

Zu wenig offensive Entschlossenheit.

Und ein Gegner, der irgendwann mehr daran glaubte, dieses Spiel gewinnen zu können.

Alexander Blessin verdient eine faire Chance.

Aber die Spieler müssen verstehen, dass ein neuer Trainer allein keine Zweikämpfe gewinnt, keine Fehlpässe verhindert und keine Tore schießt.

Das müssen sie schon selbst erledigen.

Ich will keine Borussia mehr sehen, die nach zehn guten Minuten wieder in ihre alten Muster verfällt. Ich will eine Mannschaft, die kämpft, Verantwortung übernimmt und neunzig Minuten an sich glaubt.

Und wenn das spielerisch gerade nicht besonders schön aussieht, dann ist mir das herzlich egal.

Wir sind Tabellenletzter.

Ich brauche kein Fußballballett.

Ich brauche Punkte!

Herr Blessin, bitte sorgen Sie dafür, dass aus dem erhofften Ruck endlich mehr wird als ein kurzes Zucken. Denn mein Gladbacher Fanherz hält zwar einiges aus – aber irgendwann braucht selbst das einen Defibrillator.

Ein Kommentar aus der Seele eines Borussia-Mönchengladbach-Fans – 11. Oktober 2026

 

1 Komment

  • Moin, Klasse Artikel, perfekt analysiert, trifft voll ins Schwarze. Vielen Dank dafür, den sollte man an die Tür unserer Spieler hängen!!

    Mich entsetzt es inzwischen auch das mittendrin ein absolutes Loch entsteht, verstehe es nicht mehr was da bei unseren Spielern abgeht. Meiner Meinung nach ist es eine Kopfsache das mit den Gegentoren, die schalten danach einfach ab, warum auch immer??

    Auch unser nicht vorhandener Sturm (Lidberg-Machino) ist eine absolute Katastrophe. Wir benötigen in der Winterpause dringend 3 GUTE und Erstligaerfahrene Spieler, einer für Abwehr, einer fürs Mittelfeld und einer für den Sturm und da darf auf keinen Fall gespart werden.

    Auch unseren Spodi nehme ich da nicht aus, er MUSS endlich liefern und zwar richtig, nicht wieder Masse sondern JETZT Klasse…

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