Uetersen, 11. Oktober 2026 – Ein beschädigtes Auto, eine fremdenfeindliche Botschaft und große Solidarität kurz vor einer Bürgermeisterwahl: Der Fall des CDU-Politikers Baris Karabacak sorgte Ende September in Schleswig-Holstein für Aufsehen. Nun gibt es eine überraschende Wendung. Nach einem aktuellen Bericht der BILD-Zeitung soll die Staatsanwaltschaft gegen den 39-Jährigen selbst ermitteln. Im Raum steht der Verdacht, dass die vermeintlich rassistisch motivierte Attacke möglicherweise vorgetäuscht wurde.
Wichtig ist dabei die Unterscheidung zwischen einem Ermittlungsverdacht und erwiesener Schuld. Dass Karabacak den Vorfall selbst inszeniert hat, ist bislang nicht nachgewiesen. Eine unabhängige Bestätigung der neu berichteten Ermittlungen durch die Staatsanwaltschaft konnte bei unserer Recherche zunächst nicht gefunden werden.
Was geschah in der Nacht zum 23. September?
Der Fall begann wenige Tage vor der Bürgermeisterwahl in Uetersen im Kreis Pinneberg.
Zwischen dem Abend des 22. September und dem Morgen des 23. September wurde das Auto des damaligen CDU-Bürgermeisterkandidaten Baris Karabacak beschädigt.
Das Fahrzeug stand in der Straße Kleiner Sand, in der Nähe der Wassermühlenstraße.
Nach Angaben der Polizei wurde eine Scheibe eingeschlagen. Außerdem fand sich am Fahrzeug ein Wahlkampfflyer des Politikers, der mit einer fremdenfeindlichen Aufschrift versehen worden war.
Die Kriminalpolizei Itzehoe nahm Ermittlungen wegen des Verdachts der Volksverhetzung, Beleidigung und Sachbeschädigung auf.
Zunächst ging die Polizei öffentlich von einem unbekannten Täter aus.
Die Tat sorgte für Empörung, insbesondere weil sie unmittelbar vor der Bürgermeisterwahl stattfand.
CDU und politischer Konkurrent zeigten Solidarität
Die Reaktionen auf den Vorfall ließen nicht lange auf sich warten.
Schleswig-Holsteins CDU-Generalsekretär Lukas Kilian versicherte seinem Parteikollegen die Unterstützung der Partei und betonte die Bedeutung gesellschaftlicher Vielfalt.
Auch Karabacaks politischer Konkurrent, der damalige Bürgermeister Dirk Woschei, verurteilte die mutmaßlich rassistische Attacke.
Woschei erklärte sinngemäß, dass politische Auseinandersetzungen mit Argumenten geführt werden müssten. Hass und Gewalt hätten im demokratischen Wettbewerb keinen Platz.
Damit wurde der beschädigte Wagen zu einem Thema, das weit über den lokalen Wahlkampf hinausreichte.
Schließlich berührt ein rassistisch motivierter Angriff auf einen Politiker immer auch die Frage, ob Menschen unabhängig von ihrer Herkunft ohne Einschüchterung für öffentliche Ämter kandidieren können.
Jetzt steht Karabacak selbst im Mittelpunkt der Berichterstattung
Am 11. Oktober berichtet die BILD-Zeitung über eine neue Entwicklung.
Demnach ermittelt die Staatsanwaltschaft inzwischen gegen Baris Karabacak selbst.
Der CDU-Politiker soll unter dem Verdacht stehen, den gegen ihn gerichteten Vorfall erfunden beziehungsweise inszeniert zu haben.
Die Einzelheiten der Vorwürfe werden in dem öffentlich zugänglichen Bericht allerdings nicht genannt.
Insbesondere bleibt offen, welche konkreten Erkenntnisse zu dem möglichen Verdachtswechsel geführt haben.
Nicht öffentlich geklärt ist bislang auch, ob sich der Verdacht auf die Beschädigung des Fahrzeugs, die fremdenfeindliche Aufschrift oder beide Bestandteile des Vorfalls bezieht.
Ebenso liegen unserer Redaktion keine unabhängig bestätigten Angaben dazu vor, ob Karabacak bereits zu den neuen Vorwürfen Stellung genommen hat.
Deshalb wäre es verfrüht, aus der Berichterstattung bereits ein abschließendes Urteil über den Politiker abzuleiten.
Welche Fragen müssen die Ermittler jetzt beantworten?
Sollte sich der berichtete Verdacht bestätigen, hätte der Fall erhebliche politische und möglicherweise strafrechtliche Konsequenzen.
Die Ermittlungsbehörden müssten dann insbesondere klären, wer das Fahrzeug beschädigte und wer die fremdenfeindliche Botschaft hinterließ.
Auch die Frage, welche Angaben gegenüber der Polizei gemacht wurden, wäre von Bedeutung.
Dabei gilt: Nicht jede unzutreffende Darstellung eines Vorfalls erfüllt automatisch einen Straftatbestand.
Ob beispielsweise eine strafrechtlich relevante Vortäuschung einer Straftat vorliegt, hängt von den konkreten Handlungen und den gesetzlichen Voraussetzungen ab.
Für eine mögliche Bewertung kommt es deshalb auf die Ergebnisse der Ermittlungen an.
Warum der Fall politisch besonders sensibel ist
Der mutmaßliche Vorfall ereignete sich in der unmittelbaren Schlussphase des Bürgermeisterwahlkampfs.
Eine Nachricht über einen rassistischen Angriff auf einen Kandidaten kann verständlicherweise große öffentliche Anteilnahme auslösen.
Sie kann zugleich die politische Diskussion verändern und Aufmerksamkeit auf die betroffene Person lenken.
Gerade deshalb wäre eine absichtlich herbeigeführte Täuschung besonders problematisch.
Eine solche Handlung könnte das Vertrauen von Bürgerinnen und Bürgern in politische Aussagen und in den demokratischen Wettbewerb beschädigen.
Allerdings ist dies derzeit eine hypothetische Bewertung.
Ob überhaupt eine Inszenierung stattgefunden hat und welche Absichten damit verbunden gewesen wären, ist nicht abschließend geklärt.
Spekulationen über ein mögliches Wahlkampfmotiv wären deshalb zum jetzigen Zeitpunkt nicht gerechtfertigt.
Der Fall darf tatsächliche Opfer rassistischer Gewalt nicht diskreditieren
Eine weitere Frage ist von grundsätzlicher Bedeutung.
Wenn sich der Verdacht einer vorgetäuschten rassistischen Straftat bestätigen sollte, könnte dies auch tatsächlichen Betroffenen von Hasskriminalität schaden.
Denn solche Fälle werden gelegentlich dazu benutzt, echte Gewalterfahrungen pauschal infrage zu stellen.
Das wäre ein falscher Schluss.
Rassistisch motivierte Bedrohungen, Beleidigungen und Gewalttaten sind reale Probleme, die unabhängig von diesem Einzelfall ernst genommen werden müssen.
Ebenso wichtig ist allerdings, dass Ermittlungsbehörden auch mögliche Falschbeschuldigungen oder erfundene Vorfälle konsequent aufklären.
Beides gehört zu einem funktionierenden Rechtsstaat.
Was sagt die CDU zu den neuen Vorwürfen?
Der öffentlich einsehbare Teil des aktuellen BILD-Berichts kündigt auch eine Reaktion der Partei an.
Der konkrete Inhalt dieser Stellungnahme ist daraus jedoch nicht ersichtlich.
Eine belastbare öffentliche Erklärung der zuständigen CDU-Gliederung zu den neuen Vorwürfen konnten wir bei unserer Recherche zunächst nicht bestätigen.
Für eine abschließende politische Einordnung wäre insbesondere wichtig zu wissen, ob die Partei über die neuen Ermittlungen informiert wurde, ob sie bereits mit Karabacak gesprochen hat und welche Konsequenzen sie gegebenenfalls erwägt.
Solange dazu keine bestätigten Angaben vorliegen, sollten vermeintliche Parteireaktionen nicht vorweggenommen werden.
Unschuldsvermutung gilt auch in diesem Fall
Bei aller Brisanz muss ein Grundsatz ausdrücklich festgehalten werden:
Baris Karabacak gilt als unschuldig, solange seine Schuld nicht rechtskräftig festgestellt wurde.
Auch die berichtete Einleitung eines Ermittlungsverfahrens wäre kein Beweis dafür, dass die Vorwürfe zutreffen.
Ermittlungen dienen zunächst gerade dazu, einen Verdacht zu überprüfen und sowohl belastende als auch entlastende Umstände zu ermitteln.
Es ist deshalb ebenso möglich, dass Vorwürfe später entkräftet oder ein Verfahren eingestellt wird.
Fazit: Ein Fall, der sorgfältige Aufklärung verlangt
Die mögliche Wendung im Fall Baris Karabacak ist bemerkenswert.
Ende September berichteten Polizei und Medien über einen mutmaßlich rassistischen Angriff auf das Fahrzeug eines CDU-Bürgermeisterkandidaten.
Wenige Wochen später steht nach einem neuen Medienbericht plötzlich der Politiker selbst im Zentrum staatsanwaltschaftlicher Ermittlungen.
Das wirft erhebliche Fragen auf.
Allerdings sind wesentliche Einzelheiten der neuen Vorwürfe bislang nicht unabhängig bestätigt.
Entscheidend ist deshalb jetzt eine transparente und rechtsstaatlich saubere Aufklärung.
Sollte der Vorfall tatsächlich inszeniert worden sein, müsste dies klar benannt und rechtlich bewertet werden.
Sollte sich der Verdacht nicht bestätigen, muss auch das unmissverständlich deutlich werden.
Denn für das Vertrauen in Demokratie, Polizei und Justiz ist nicht entscheidend, welche politische Wirkung ein Verdacht entfaltet.
Entscheidend ist, was sich tatsächlich beweisen lässt.
Redaktion diebewertung.de | 11. Oktober 2026
Recherchelage: Die ursprüngliche Beschädigung des Fahrzeugs und die fremdenfeindliche Aufschrift sind durch die Polizeimitteilung vom 24. September sowie zeitgenössische Berichte belegt.
Die neuen Vorwürfe gegen Karabacak stammen bislang aus dem von dir bereitgestellten BILD-Bericht vom 11. Oktober. Eine dazugehörige amtliche Bestätigung oder ausführliche Stellungnahme des Politikers konnte ich nicht verifizieren.
Kommentar hinterlassen