Disneys Realverfilmung von „Moana“ startet in dieser Woche in den Kinos. Eigentlich müsste das für den Konzern ein sicherer Erfolg sein: Die Animationsvorlage von 2016 gehört zu den beliebtesten Disney-Filmen der vergangenen Jahre, die Songs sind bekannt, die Figuren etabliert, Dwayne Johnson kehrt als Maui zurück. Und doch wirkt der Film schon vor seinem Kinostart merkwürdig angeschlagen.
Der erste große Dämpfer kam im März mit dem Trailer. Statt Begeisterung auszulösen, wurde vor allem über Dwayne Johnsons Perücke gesprochen. Die langen Locken des Schauspielers wirkten auf viele Zuschauer wenig überzeugend. Selbst Parodist „Weird Al“ Yankovic machte sich öffentlich darüber lustig und verglich Johnsons Look mit einem möglichen Castingfoto für eine Fortsetzung seiner eigenen Filmbiografie.
Das Problem geht jedoch tiefer als eine missratene Frisur. Viele Zuschauer fragen sich, warum dieser Film überhaupt jetzt kommt. Das animierte Original ist erst zehn Jahre alt. Für echte Nostalgie ist das zu früh, zumal „Moana“ auf Disney+ weiterhin präsent ist und von Familien regelmäßig gesehen wird. Der Reiz vieler Disney-Remakes liegt darin, Kindheitserinnerungen neu zu verpacken. Bei „Moana“ fühlt sich das eher an wie eine Kopie eines Films, der noch gar nicht alt genug ist, um vermisst zu werden.
Hinzu kommt das Timing. Erst 2024 brachte Disney „Moana 2“ ins Kino, nachdem eine ursprünglich für Disney+ geplante Serie zu einem Spielfilm umgebaut worden war. Finanziell war das ein Volltreffer: Der Film spielte weltweit mehr als eine Milliarde Dollar ein. Für die nun folgende Realverfilmung ist der Erfolg aber ein zweischneidiges Schwert. Vielen erscheint sie dadurch weniger wie ein Ereignis und mehr wie der nächste Eintrag auf einem Produktionsplan.
Auch Dwayne Johnson ist nicht mehr automatisch die sichere Kassenmaschine vergangener Jahre. Filme wie „Jungle Cruise“, „Black Adam“, „Red One“ und „The Smashing Machine“ konnten nicht an frühere Erfolge anknüpfen. Dass Johnson nun den Halbgott Maui spielt, den er in den Animationsfilmen bereits gesprochen hat, reicht offenbar nicht aus, um große Vorfreude auszulösen.
Auli’i Cravalho, die ursprüngliche Stimme von Moana, ist im neuen Film nicht in der Titelrolle zu sehen. Sie hatte erklärt, den Platz für eine jüngere Schauspielerin freizumachen. Catherine Laga’aia gilt zwar als gut besetzt, dennoch ging damit ein möglicher Reiz der Neuauflage verloren: die Wiedervereinigung von Johnson und Cravalho in einer Realversion.
Besonders kritisch wird die Optik diskutiert. „Moana“ lebt von einer Welt voller Meer, Magie, mythischer Wesen und farbenprächtiger Inselbilder. Doch genau das stellt eine Realverfilmung vor ein Problem. Viele Elemente müssen erneut digital erzeugt werden. Damit wirkt der neue Film stellenweise weniger wie eine echte Realversion, sondern wie ein Hybrid aus Schauspielern vor CGI-Kulissen. Der Vergleich mit dem Animationsfilm drängt sich auf — und fällt offenbar nicht zugunsten der Neuauflage aus.
Die animierte Vorlage war visuell leuchtend, klar und voller Energie. Die neue Version wirkt nach ersten Eindrücken deutlich gewöhnlicher: reale Darsteller in digitalen Umgebungen, bekannte Kameraeinstellungen, ähnliche Gags, fast identische Kreaturen. Statt einer mutigen Neuinterpretation sehen viele Fans nur eine blassere Kopie.
Das könnte sich auch an der Kinokasse bemerkbar machen. Branchenbeobachter erwarten für das Startwochenende in den USA Einnahmen zwischen 50 und 85 Millionen Dollar. Für viele Filme wäre das stark. Für Disney, „Moana“ und Dwayne Johnson ist es eher ernüchternd — besonders im Vergleich zu „Lilo & Stitch“, das ein Jahr zuvor deutlich besser startete.
Disney dürfte trotzdem nicht grundsätzlich an seiner Remake-Strategie zweifeln. Manche Realverfilmungen floppten, andere wurden Milliardenerfolge. „Snow White“ wurde zum Verlustgeschäft, „Lilo & Stitch“ dagegen zum Triumph. Weitere Neuauflagen wie „Tangled“ und „Hercules“ sind bereits geplant.
Der Fall „Moana“ zeigt aber, wie schmal der Grat geworden ist. Ein Remake muss vertraut wirken, aber zugleich neu genug sein, um seine Existenz zu rechtfertigen. Es muss Erinnerungen wecken, ohne wie eine Kopie zu erscheinen. Und manchmal entscheidet eben auch eine Perücke darüber, ob das Publikum Magie spürt — oder nur Marketing.
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