In San Francisco lässt sich derzeit beobachten, wie schnell eine neue Technologie auch den Wohnungsmarkt verändern kann. In der Stadt, die sich zum Zentrum des KI-Booms entwickelt hat, steigen die Immobilienpreise wieder kräftig. Der Grund liegt nach Einschätzung vieler Marktbeobachter nicht nur in der allgemeinen Attraktivität der Stadt, sondern vor allem im Geld, das bei Beschäftigten großer KI-Unternehmen angekommen ist.
In einem wohlhabenden Viertel namens Duboce Triangle wurde zuletzt eine luxuriös renovierte Drei-Zimmer-Wohnung in einem edwardianischen Haus für knapp drei Millionen Dollar angeboten. Ungewöhnlich war dabei nicht nur der Preis. Der Verkäufer signalisierte auch, dass er statt Bargeld möglicherweise Aktien von KI-Unternehmen wie OpenAI oder Anthropic akzeptieren würde.
Genau diese Unternehmen prägen die neue Wohlstandswelle in San Francisco. OpenAI und Anthropic haben ihren Sitz in der Stadt, ihre Beschäftigten verdienen teils außergewöhnlich hohe Gehälter und profitieren zusätzlich von Aktienpaketen. Viele von ihnen konnten bereits Anteile verkaufen. Bei OpenAI sollen mehr als 600 aktuelle und frühere Beschäftigte gemeinsam Aktien im Wert von 6,6 Milliarden Dollar verkauft haben. Auch bei Anthropic wurden Berichten zufolge Aktienverkäufe in Milliardenhöhe ermöglicht.
Das Geld fließt nun offenbar in Häuser und Wohnungen. Nach Daten des Immobilienunternehmens Redfin hat San Francisco im März wieder den Titel als teuerste Stadt für Hauskäufer in den USA übernommen. Der mittlere Verkaufspreis lag im Mai 2026 bei einem Rekordwert von 1,76 Millionen Dollar. Zum Vergleich: In den USA insgesamt liegt dieser Wert bei knapp 400.000 Dollar.
Makler berichten von einer aufgeheizten Stimmung. Kaufinteressenten aus der KI-Branche treten häufig mit viel Eigenkapital auf, Gebote über dem Angebotspreis sind keine Seltenheit. Besonders begehrte Viertel erleben regelrechte Bietergefechte. Manche Häuser werden in bar gekauft, was Käufer ohne Tech-Vermögen zusätzlich unter Druck setzt.
Der neue Boom beendet zugleich eine Schwächephase, die San Francisco während der Corona-Pandemie erlebt hatte. Damals verließen viele Menschen die Stadt, die Bevölkerung sank, die Preise gaben nach. Nun aber zieht die KI-Branche wieder Beschäftigte an — und mit ihnen enorme Kaufkraft.
Doch der Aufschwung hat eine Kehrseite. Familien ohne Einkommen aus der Tech- oder KI-Welt werden zunehmend verdrängt. Während eine Familie dank verkaufter OpenAI-Aktien ein Haus in ihrem bisherigen Viertel kaufen konnte, musste eine andere Familie ohne Tech-Vermögen in einen Vorort ausweichen. Der Vater pendelt nun weiter in die Stadt. Die Mutter sagt, man wäre geblieben, wenn man es sich hätte leisten können.
Experten warnen, dass der KI-Effekt in San Francisco besonders stark wirkt, weil das Wohnungsangebot seit Jahren knapp ist. Die Stadt ist geografisch begrenzt, viele Menschen mieten, Neubauprojekte kommen nur schleppend voran. Wenn dann plötzlich eine kleine Gruppe extrem zahlungskräftiger Käufer auf den Markt drängt, können die Preise schnell stark steigen.
Ob die Entwicklung dauerhaft anhält, ist offen. Einige Ökonomen weisen darauf hin, dass der KI-Boom noch jung ist. Gleichzeitig könnten Entlassungen in anderen Tech-Bereichen und eine spätere Normalisierung der KI-Branche den Druck mindern. Auch geplante Börsengänge von OpenAI und Anthropic würden zwar neuen Reichtum schaffen, doch ein großer Teil davon dürfte an Investoren gehen, die weltweit verteilt sind — nicht nur an Angestellte in San Francisco.
Für den Moment aber ist die Wirkung deutlich: KI-Geld verändert die Stadt. Was früher schon teuer war, wird für viele nun endgültig unerreichbar. San Francisco bleibt damit ein Symbol des technologischen Fortschritts — und zugleich ein Beispiel dafür, wie dieser Fortschritt soziale Spaltungen verschärfen kann.
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