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Nach tödlichem Standseilbahn-Unglück: Lissabon will völlig neues System statt Wiederaufbau

Leonhard_Niederwimmer (CC0), Pixabay
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Fast ein Jahr nach dem verheerenden Standseilbahnunglück in Lissabon steht fest: Der historische Elevador da Glória soll nicht einfach repariert werden. Die portugiesische Hauptstadt und das Verkehrsunternehmen Carris wollen das bisherige System durch eine grundlegend neue und sicherere Anlage ersetzen. Die Wiedereröffnung ist nach den derzeitigen Planungen erst für 2029 vorgesehen.

Damit zieht Lissabon weitreichende Konsequenzen aus der Katastrophe vom 3. September 2025. Damals entgleiste die berühmte Standseilbahn. 16 Menschen kamen ums Leben, Dutzende wurden verletzt. Seit dem Unglück ist die Bahn außer Betrieb.

Die Entscheidung für einen kompletten Neustart geht deutlich über eine Reparatur der beschädigten Fahrzeuge hinaus. Carris-Chef Rui Lopo erklärte, dass der Prozess eine umfassende Prüfung erfordere. Einerseits müsse eines der Wahrzeichen Lissabons bewahrt werden, andererseits müsse die künftige Anlage höchsten Anforderungen bei Sicherheit, Risikomanagement, Technik, Wartung und Betrieb entsprechen.

Die alten Wagen sind schwer beschädigt

Ein wesentlicher Grund für die Entscheidung liegt im Ausmaß der Schäden. Nach Angaben des Carris-Chefs wurden die beiden Kabinen des Elevador da Glória bei dem Unglück vollständig zerstört. Auch das elektrische System erlitt schwere Schäden.

Eine einfache Rückkehr zum bisherigen technischen Konzept steht deshalb nicht zur Debatte. Stattdessen soll ein vollständig neues System entwickelt werden. Wie dieses im Detail funktionieren wird, ist bislang noch offen.

Das macht das Vorhaben besonders anspruchsvoll: Der Elevador da Glória ist nicht nur ein Verkehrsmittel. Die historische Bahn gehört seit dem 19. Jahrhundert zum Stadtbild Lissabons und ist für Einwohner ebenso wie für Touristen eines der bekanntesten Verkehrssymbole der portugiesischen Hauptstadt.

Die Herausforderung besteht deshalb darin, historisches Erscheinungsbild und moderne Sicherheitstechnik miteinander zu verbinden.

Internationale Ausschreibung soll 2027 starten

Der Zeitplan zeigt, wie grundlegend das Projekt angegangen werden soll.

Nach den jetzt bekannt gewordenen Plänen soll im ersten Quartal 2027 eine internationale öffentliche Ausschreibung beginnen. Gesucht wird eine technische Lösung, die nicht nur sicher und zuverlässig sein soll, sondern gleichzeitig den Anforderungen des öffentlichen Nahverkehrs und der besonderen städtebaulichen Situation gerecht wird.

Damit dürfte noch einige Zeit vergehen, bevor überhaupt feststeht, welche Technik künftig auf der historischen Strecke eingesetzt wird.

Die Stadt strebt ein Modell an, das technisch robust ist und sich an internationalen Sicherheitsstandards orientiert. Gleichzeitig soll die Anlage weiterhin eine sinnvolle Mobilitätsfunktion erfüllen und sich in den öffentlichen Raum einfügen.

Wiedereröffnung erst 2029

Für Fahrgäste bedeutet das eine lange Pause.

Nach derzeitiger Planung soll der erneuerte Elevador da Glória 2029 wieder in Betrieb gehen. Damit wird die Unterbrechung nach dem Unglück mehrere Jahre dauern.

Dass die Stadt diesen langen Zeitraum in Kauf nimmt, verdeutlicht die Dimension des Vorhabens. Es geht offenbar nicht darum, möglichst schnell wieder Fahrgäste zu transportieren. Zunächst soll eine technische Lösung gefunden werden, die das Vertrauen in die Standseilbahn langfristig wiederherstellen kann.

Gerade nach einem Unglück mit 16 Todesopfern dürfte dieses Vertrauen eine zentrale Rolle spielen.

Ermittlungen hatten schwere Probleme aufgezeigt

Hinter der Entscheidung für einen kompletten Neubeginn stehen auch Erkenntnisse aus der Untersuchung des Unglücks.

Nach dem aktuellen Bericht verwies die zuständige Untersuchungsstelle unter anderem auf Unregelmäßigkeiten beim Verbindungskabel zwischen den beiden Kabinen. Das gerissene Kabel habe demnach nicht den Anforderungen für den Personentransport entsprochen. Zudem seien Probleme beziehungsweise Versäumnisse im Zusammenhang mit der Wartung thematisiert worden.

Diese Erkenntnisse machen deutlich, warum eine bloße Reparatur politisch und technisch schwer zu vermitteln wäre.

Gleichzeitig sollte zwischen Untersuchungsergebnissen zu technischen beziehungsweise organisatorischen Ursachen und einer individuellen strafrechtlichen Verantwortung unterschieden werden. Ob und wem persönlich ein strafrechtlich relevantes Fehlverhalten vorgeworfen werden kann, ist eine davon getrennte Frage.

Auch andere historische Bahnen wurden überprüft

Die Folgen der Katastrophe beschränkten sich nicht allein auf den Elevador da Glória.

Auch andere vergleichbare historische Anlagen in Lissabon wurden nach dem Unglück außer Betrieb genommen beziehungsweise einer Überprüfung ihrer Betriebssysteme und Sicherheitsstandards unterzogen. Für deren Wiedereröffnung nannten die Behörden zuletzt noch keinen konkreten Termin.

Das zeigt, dass das Unglück eine grundsätzliche Debatte über den Betrieb der historischen Verkehrstechnik ausgelöst hat.

Lissabon steht damit vor einem schwierigen Spagat: Die historischen Standseilbahnen sind Teil der Identität der Stadt. Gleichzeitig müssen Fahrzeuge und technische Anlagen, die täglich zahlreiche Menschen transportieren, heutigen Sicherheitsanforderungen entsprechen.

Was kostet der Neubau?

Eine der größten offenen Fragen ist bislang der Preis.

Die Behörden haben nach dem aktuellen Stand noch keine Gesamtkosten für das neue System genannt. Auch die konkrete Finanzierung ist bislang nicht abschließend bekannt.

Das könnte politisch noch für Diskussionen sorgen. Denn je umfangreicher die technische Neugestaltung ausfällt, desto höher dürften Planung, Bau, Fahrzeuge, Sicherheits- und Steuerungstechnik sowie die Anpassung der bestehenden Infrastruktur zu Buche schlagen.

Erst die internationale Ausschreibung dürfte ein klareres Bild davon liefern, welche technischen Varianten möglich sind und welche Kosten damit verbunden wären.

Ein Wahrzeichen muss sich neu erfinden

Für Lissabon geht es bei dem Projekt deshalb um wesentlich mehr als um eine neue Bahn.

Der Elevador da Glória ist ein Stück Stadtgeschichte. Gleichzeitig ist die bisherige Anlage inzwischen untrennbar mit einer der schwersten Verkehrskatastrophen der jüngeren Geschichte der portugiesischen Hauptstadt verbunden.

Die Entscheidung gegen einen einfachen Wiederaufbau besitzt daher auch symbolische Bedeutung: Die Bahn soll zurückkehren – aber technisch nicht mehr dieselbe sein.

Bis 2029 liegt allerdings noch ein langer Weg vor Carris und der Stadt. Zunächst muss eine technische Lösung gefunden, international ausgeschrieben, geplant, gebaut, geprüft und zugelassen werden.

Erst dann wird sich zeigen, wie viel vom historischen Charakter des Elevador da Glória erhalten bleibt und wie radikal die Technik dahinter verändert wird.

Fest steht schon jetzt: Nach 16 Todesopfern will Lissabon nicht einfach zum Zustand vor dem 3. September 2025 zurückkehren. Der Elevador da Glória soll ein zweites Leben bekommen – und Sicherheit soll dabei zum entscheidenden Maßstab werden.

Ich kann die weitere Planung bis zur Ausschreibung 2027 beobachten und bei neuen Angaben zu Technik, Kosten oder Ermittlungen Bescheid geben.

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