Nach der tödlichen Fahrt in der Leipziger Innenstadt richtet sich der Blick nun nicht mehr nur auf den Täter – sondern auch auf die Sicherheitsverantwortlichen der Stadt. Denn bei aller Betroffenheit und allen laufenden Ermittlungen stellt sich zwangsläufig eine unbequeme Frage: Hätte die Katastrophe zumindest erschwert oder verhindert werden können?
Gerade Bürgermeister Heiko Rosenthal und die zuständigen Stellen in Rathaus, Polizei und Feuerwehr werden sich kritischen Nachfragen stellen müssen.
Wie oft wird das Sicherheitskonzept für die Leipziger Innenstadt eigentlich überprüft und aktualisiert? Gibt es regelmäßige Risikoanalysen für besonders sensible Bereiche? Oder verlässt man sich seit Jahren darauf, dass schon nichts passieren wird?
Denn eines wirkt im Nachhinein besonders irritierend: Die Zufahrt zur Fußgängerzone galt seit langem als neuralgischer Punkt. Große Menschenmengen, offene Zufahrten, hoher Publikumsverkehr – also genau jene Kombination, die Sicherheitsbehörden in ganz Europa seit Jahren als potenziell gefährlich einstufen.
Ist wirklich niemandem aufgefallen, dass gerade solche Bereiche besser geschützt werden müssten? Gab es Diskussionen über Poller, Barrieren oder technische Sperren? Falls ja: Warum wurden sie nicht umgesetzt? Falls nein: Warum nicht?
Spätestens seit den Anschlägen und Amokfahrten der vergangenen Jahre in europäischen Innenstädten gehört der Schutz öffentlicher Räume eigentlich zu den zentralen Aufgaben kommunaler Sicherheitsplanung. Viele Städte haben ihre Konzepte massiv verschärft, Zufahrten abgesichert und Veranstaltungen neu bewertet.
Leipzig hingegen muss sich nun die Frage gefallen lassen, ob bekannte Risiken möglicherweise unterschätzt wurden.
Natürlich gilt: Absolute Sicherheit wird es nie geben. Keine Stadt der Welt kann jeden einzelnen Angriff verhindern. Aber genau deshalb erwarten Bürger zu Recht, dass offensichtliche Schwachstellen zumindest erkannt und bestmöglich abgesichert werden.
Gerade nach einer solchen Tat reicht es deshalb nicht, nur Betroffenheit zu zeigen. Die Öffentlichkeit wird Antworten erwarten: Wer war verantwortlich? Welche Sicherheitsmaßnahmen gab es? Wurden Warnungen ignoriert? Und vor allem: Was wird jetzt konkret geändert, damit sich eine solche Tragödie nicht wiederholt?
Denn das Vertrauen in die Sicherheit einer Innenstadt geht verloren, wenn Menschen plötzlich das Gefühl bekommen, dass bekannte Risiken zwar sichtbar waren – aber offenbar niemand wirklich gehandelt hat.
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