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Monheim rettet den Grünzug – Bayer 04 muss weiter auf gewöhnlichen Fußballplätzen trainieren

jorono (CC0), Pixabay
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Es ist ein schwerer Schlag für die Zukunftsplanung von Bayer Leverkusen. Vielleicht sogar der schwerste seit der Erkenntnis, dass Fußballvereine für internationale Wettbewerbsfähigkeit offenbar mehr benötigen als elf Spieler, einen Ball und ausreichend isotone Getränke.

Der Rat der Stadt Monheim hat am Mittwochabend um exakt 20.01 Uhr das Bauleitverfahren für den geplanten „Bayer 04-Campus“ erneut abgelehnt. Das Ergebnis: 25 Stimmen dagegen, 19 dafür und eine Enthaltung. Letztere Person wollte sich vermutlich erst noch ein vollständiges Bild von der Lage machen – nach lediglich zehn Jahren Diskussion.

Geplant war ein modernes Leistungszentrum auf einem Grundstück der Bayer AG. Doch Monheim blieb standhaft. Wo heute Grün ist, soll auch morgen Grün sein. Es sei denn, es handelt sich um Wahlplakate.

Bayer-Geschäftsführer Fernando Carro zeigte sich enttäuscht. Nach zehn Jahren Planung, zahlreichen geprüften Standorten und mehreren Verkleinerungen des Projekts hätte man sich zumindest gewünscht, dass irgendwann einmal über Inhalte gesprochen werde.

Das war jedoch offenbar zu viel verlangt. Schließlich könnte ein geordnetes Prüfverfahren am Ende belastbare Erkenntnisse liefern. Und nichts ist für eine festgefahrene kommunalpolitische Debatte gefährlicher als belastbare Erkenntnisse.

Carro kündigte an, die Entscheidung sorgfältig zu analysieren und hartnäckig zu bleiben. Das Ziel sei unverändert: Bayer 04 müsse langfristig national und international konkurrenzfähig bleiben.

In Monheim sieht man das naturgemäß differenzierter. Internationale Wettbewerbsfähigkeit ist schön und gut – aber hat schon einmal jemand an den Grünzug gedacht?

Zehneinhalb Fußballfelder bleiben zehneinhalb Fußballfelder zu viel

Das Bündnis aus CDU, SPD und Grünen blockierte das Projekt erneut. Auch die verkleinerte Variante mit 10,5 statt ursprünglich 12,5 Fußballfeldern fand keine Mehrheit.

Die Reduzierung um zwei Fußballfelder hatte offensichtlich nicht die gewünschte Signalwirkung. In der kommunalpolitischen Wahrnehmung blieb das Projekt damit ungefähr so klein wie ein internationaler Flughafen.

Bayers Sport-Geschäftsführer Simon Rolfes verfolgte die geheime Abstimmung persönlich im Ratssaal. Das war vermutlich sinnvoll, denn bei geheimen Abstimmungen erfährt man zwar, wie abgestimmt wurde, aber nicht, wer später behauptet, schon immer dafür gewesen zu sein.

Rolfes bezeichnete das Ergebnis als enttäuschend. Der Campus sei das wichtigste Zukunftsprojekt des Vereins. Ohne ein modernes Leistungszentrum werde es langfristig immer schwieriger, international konkurrenzfähig zu bleiben.

Das knappe Abstimmungsergebnis sowie die Unterstützung örtlicher Sportvereine, Unternehmen und Initiativen wertete er dennoch als Ermutigung.

In der Politik nennt man das: verloren, aber mit positiver Tendenz.

Die Stadt ist gespalten – vermutlich in 25 zu 19 Teile

Bürgermeisterin Sonja Wienecke erklärte vor der Abstimmung, sie nehme eine starke Spaltung der Gesellschaft wahr. Die Situation sei für die Stadt und ihre Bürgerinnen und Bürger unbefriedigend und unschön.

Diese Einschätzung dürfte als weitgehend konsensfähig gelten. Denn wenn sich Befürworter und Gegner eines Fußballcampus nach jahrelanger Diskussion in einem Punkt einig sind, dann darin, dass die Diskussion inzwischen allen auf die Nerven geht.

In einer zehnminütigen Rede schlug Wienecke überraschend einen Ratsbürgerentscheid vor. Dieser könne die „scheinbar aussichtslos verfahrene Situation“ lösen.

Dafür wäre allerdings zunächst eine Zweidrittelmehrheit im Rat erforderlich. Mit anderen Worten: Um die Blockade durch eine Bürgerentscheidung aufzulösen, müsste zuerst genau jener Rat zustimmen, der sich gerade nicht einigen kann.

Kommunalpolitik kann so elegant sein.

Bemerkenswert ist zudem, dass Wienecke sich in ihrem Wahlprogramm 2025 noch deutlich gegen den ursprünglichen Campusplan ausgesprochen hatte. Inzwischen scheint sie zumindest überzeugt zu sein, dass jemand entscheiden sollte. Im Zweifel die Bürger. Oder der Rat. Oder die Bürger nach Zustimmung des Rates. Hauptsache, es entsteht Bewegung, ohne dass sich jemand zu weit bewegt.

Bürgerbegehren als letzte Ausfahrt

Die Debatte dauerte mehr als 90 Minuten und verlief erwartungsgemäß hitzig. Lucas Risse von PETO warf insbesondere der CDU vor, lediglich blockieren zu wollen.

Die CDU dürfte diesen Vorwurf selbstverständlich zurückweisen. Sie blockiert nicht. Sie verhindert lediglich, dass etwas geschieht, dem sie nicht zugestimmt hat. Das ist ein wichtiger demokratischer Unterschied.

Bayer 04 bleibt nun offenbar nur noch ein Bürgerbegehren. Dafür wären 2.238 Unterschriften von Monheimer Einwohnern erforderlich.

Das klingt zunächst nach viel. Andererseits besuchen deutlich mehr Menschen regelmäßig ein Fußballspiel, obwohl sie vorher bereits wissen, dass es möglicherweise 0:0 endet.

Simon Rolfes will den Traum vom Campus deshalb nicht aufgeben. Bayer 04 werde den Dialog fortsetzen und weiter dafür werben, dass das Projekt eine Chance für Monheim, die Region und den Verein darstelle.

Der Campus könne Arbeitsplätze schaffen, die regionale Wirtschaft stärken und neue Kooperationen mit Schulen und Sportvereinen ermöglichen.

Die Gegner bleiben dennoch skeptisch. Schließlich könnte ein modernes Leistungszentrum tatsächlich wirtschaftliche Aktivität, Nachwuchsförderung und überregionale Aufmerksamkeit bringen.

Und dann wäre der Grünzug möglicherweise nicht mehr das Aufregendste, was Monheim zu bieten hat.

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