Die für 2027 geplante Met-Gala-Ausstellung zu John Galliano wird nicht stattfinden. Das Metropolitan Museum of Art in New York und der britische Designer teilten am Montag gemeinsam mit, dass die geplante Schau nach intensiven Gesprächen abgesagt wurde.
Die Frühjahrsausstellung des Costume Institute sollte ursprünglich Gallianos Werk würdigen und damit zugleich das Thema der Met Gala 2027 prägen. Doch bereits nach der Ankündigung hatte es heftige Kritik gegeben. Grund dafür waren vor allem Gallianos antisemitische und rassistische Äußerungen aus dem Jahr 2011.
Met-Direktor Max Hollein erklärte, man habe gemeinsam mit Galliano entschieden, das Projekt nicht weiterzuverfolgen. Galliano selbst sagte, er wolle nicht, dass die Debatte um seine Person das Museum in eine schwierige Lage bringe oder von der Arbeit des Costume Institute ablenke.
Galliano übernimmt erneut Verantwortung
In einer ausführlichen Stellungnahme betonte der Designer, dass er weiterhin die volle Verantwortung für den Schmerz übernehme, den seine früheren Äußerungen verursacht hätten. Besonders verwies er auf die jüdische und asiatische Gemeinschaft.
Galliano erklärte, echte Wiedergutmachung könne nicht durch eine Ausstellung, institutionelle Anerkennung oder eine einzelne öffentliche Geste erreicht werden. Vielmehr sei sie ein langfristiger Prozess, der sich durch Zuhören, Lernen und das eigene Verhalten zeigen müsse.
Er räumte zugleich ein, dass eine Ausstellung, die sein Werk feiere, für manche Menschen verletzend sein könne.
Galliano bedankte sich außerdem bei den Menschen, die ihn in den vergangenen 15 Jahren während seiner Abstinenz und seiner Genesung von Alkohol- und Suchtproblemen begleitet hätten.
Antisemitische Äußerungen führten 2011 zum Absturz
Galliano galt lange als einer der einflussreichsten Modedesigner seiner Generation. Er arbeitete unter anderem als Kreativdirektor für Givenchy und Dior und entwarf Kleider für zahlreiche prominente Persönlichkeiten, darunter Prinzessin Diana, Nicole Kidman, Naomi Campbell, Charlize Theron und Kate Moss.
Seine Karriere erlitt 2011 jedoch einen dramatischen Bruch.
Galliano wurde damals nach zwei Vorfällen mit antisemitischen und rassistischen Äußerungen festgenommen. In einem auf Video festgehaltenen Zwischenfall erklärte er betrunken in einer Pariser Bar unter anderem seine Sympathie für Adolf Hitler.
Dior trennte sich daraufhin von ihm. Später wurde Galliano in Frankreich wegen zweier Hassdelikte verurteilt und mit einer Geldstrafe belegt.
Nach einer Rehabilitationsphase zog er sich zunächst aus der Öffentlichkeit zurück. 2014 kehrte er als Kreativdirektor von Maison Margiela in die Modebranche zurück.
Kritik an Ehrung durch das Met
Die Entscheidung, Galliano zum Mittelpunkt der Met-Gala-Ausstellung 2027 zu machen, hatte von Beginn an für kontroverse Reaktionen gesorgt.
Ein Teil der Modewelt zeigte sich begeistert von der Aussicht auf eine große Retrospektive und auf zahlreiche historische Galliano-Entwürfe auf dem roten Teppich. Andere kritisierten dagegen, dass das Metropolitan Museum einem Designer mit dieser Vorgeschichte eine derart prominente Bühne geben wollte.
Auch außerhalb der sozialen Medien wuchs der Druck. Die Vorsitzende des New Yorker Stadtrats, Julie Menin, hatte das Museum in einem Schreiben aufgefordert, die Entscheidung noch einmal zu überdenken.
Nach der Absage begrüßte Menin den Schritt. Angesichts zunehmenden Antisemitismus sei die ursprüngliche Planung für viele Mitglieder der jüdischen Gemeinschaft besonders schmerzhaft gewesen. Museen wie das Met müssten ihrer Ansicht nach hohe Maßstäbe bei Inklusion und Toleranz erfüllen.
Anna Wintour unterstützt die Entscheidung
Auch Anna Wintour, eine der prägendsten Figuren rund um die Met Gala, stellte sich hinter die Absage.
Sie bezeichnete Gallianos Entscheidung als mutig und erklärte, sie halte den Verzicht auf die Ausstellung für richtig. Sowohl der Designer als auch das Museum hätten ihre volle Unterstützung.
Andrew Bolton, der leitende Kurator des Costume Institute, betonte ebenfalls, Museen hätten die Aufgabe, schwierige historische Zusammenhänge offen und sorgfältig zu untersuchen. Gleichzeitig erkenne er den Schmerz und die Sorge an, die das geplante Projekt ausgelöst habe.
Nach langen Gesprächen unterstütze er deshalb die Entscheidung, die Ausstellung nicht umzusetzen.
Neues Thema für 2027 noch offen
Damit steht die Met Gala 2027 zunächst ohne angekündigtes Ausstellungsthema da. Das Metropolitan Museum kündigte an, zu einem späteren Zeitpunkt eine neue Frühjahrsausstellung für das Costume Institute vorzustellen.
Die Absage beendet damit vorerst eine Debatte, die weit über Mode hinausging. Im Zentrum stand die Frage, wie kulturelle Institutionen mit bedeutenden Künstlern umgehen sollen, deren Werk großen Einfluss hatte, deren persönliches Verhalten jedoch schwer belastet ist.
Gerade bei Galliano prallten dabei zwei Perspektiven aufeinander: die Anerkennung seines außergewöhnlichen Einflusses auf die Modegeschichte und die Frage, ob eine prestigeträchtige Ausstellung zwangsläufig auch als persönliche Ehrung verstanden werden muss.
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