Nach mehr als 200 Tagen auf See bekommt die Besatzung der „USS Abraham Lincoln“ endlich wieder festen Boden unter die Füße. Für Pattaya könnte das bedeuten: 5.000 Seeleute und Marines, ein bisschen aufgestauter Landgang und eine lokale Wirtschaft, die schon einmal vorsorglich die Kassen auflädt.
Am Mittwoch soll die „USS Abraham Lincoln“ gemeinsam mit zwei Begleitschiffen in Laem Chabang nahe Pattaya anlegen. Nach über 200 Tagen ohne Landgang dürfte die Stimmung an Bord ungefähr zwischen „endlich raus hier“ und „wo ist die nächste Bar?“ liegen.
Der Flugzeugträger war ursprünglich im November 2025 aus San Diego ausgelaufen und sollte im Südchinesischen Meer Dienst tun. Dann kam der Iran-Konflikt dazwischen und aus der geplanten Mission wurde ein monatelanger Einsatz in der Krisenregion.
Berichte über schwierige Zustände und psychische Probleme an Bord sorgten inzwischen sogar in den USA für politische Kritik. Vor rund zwei Wochen wurde die „Abraham Lincoln“ schließlich von der „USS George Washington“ abgelöst.
Jetzt lautet der militärische Auftrag offenbar erst einmal: Erholung.
Und Pattaya steht bereit.
5.000 Matrosen treffen auf schwächelnden Tourismus
Für Pattaya könnte die Ankunft kaum besser terminiert sein.
Der thailändische Touristenort kämpft derzeit mit schwachen Besucherzahlen. Hohe Flugpreise, steigende Treibstoffkosten und veränderte Reisegewohnheiten haben dafür gesorgt, dass Hotels, Restaurants und Bars auf bessere Zeiten hoffen.
Dann kam die Nachricht:
Ein amerikanischer Flugzeugträger kommt.
Mit rund 5.000 potenziellen Kunden.
Lisa Hamilton von der Pattaya Nightlife Business Association brachte die Stimmung sinngemäß auf den Punkt: Nach mehr als 20 Jahren in Pattaya habe sie noch nie ein derart schwaches Jahr erlebt.
Man könnte sagen: Wo klassische Konjunkturprogramme versagen, versucht es Pattaya jetzt mit einem Flugzeugträger.
Bürgermeister macht bereits die Matrosen-Mathematik
Pattayas Bürgermeister Poramet Ngampichet hat offenbar schon einmal den Taschenrechner herausgeholt.
Pro US-Militärangehörigem könnten täglich zwischen 1.000 und 3.000 Baht in der Stadt bleiben – umgerechnet etwa 26 bis 78 Euro.
Bei theoretisch 5.000 Mann wären das bis zu 15 Millionen Baht am Tag.
Natürlich werden nicht alle gleichzeitig von Bord gelassen. Der Landgang erfolgt gestaffelt.
Was für Pattayas Gastronomie vermutlich ganz praktisch ist: Selbst eine Stadt mit ausgeprägtem Nachtleben muss 5.000 Männer nach 200 Tagen auf See erst einmal logistisch verarbeiten.
Ein Teil könnte außerdem nach Bangkok weiterreisen.
Pattaya dürfte deshalb hoffen, dass möglichst viele schon vorher feststellen:
„Eigentlich ist es hier ganz nett.“
Besonders das Nachtleben freut sich – die Polizei etwas weniger
Pattaya besitzt allerdings nicht nur Strände, Hotels und Restaurants.
Die Stadt ist international auch für ein Nachtleben bekannt, bei dem der Übergang zwischen Bar, Unterhaltung und Rotlichtmilieu gelegentlich etwas fließend ausfällt.
Genau deshalb bereitet sich die Polizei auf die Ankunft der amerikanischen Gäste mit zusätzlichen Patrouillen und verstärkten Kontrollen vor.
Zuletzt wurden laut Behörden bereits Dutzende Personen wegen Prostitutionsverdachts festgenommen.
Damit ergibt sich eine etwas ungewöhnliche wirtschaftspolitische Situation:
Die Tourismusbranche hofft, dass die Matrosen möglichst viel Geld ausgeben.
Die Polizei hofft gleichzeitig, dass sie es an den richtigen Stellen ausgeben.
Pattayas historischer Kreis schließt sich
Ganz neu ist diese Beziehung zwischen amerikanischem Militär und Pattaya übrigens nicht.
Das ehemalige Fischerdorf entwickelte sich unter anderem während des Vietnamkriegs zum Tourismuszentrum, als amerikanische Soldaten die Region für ihre Erholungsaufenthalte entdeckten.
Mehr als ein halbes Jahrhundert später könnte ausgerechnet die US Navy erneut dabei helfen, Pattayas Tourismusmotor anzuschieben.
Die Voraussetzungen sind zumindest bemerkenswert:
5.000 Seeleute.
Mehr als 200 Tage auf See.
Eine Stadt voller Bars.
Eine schwache Tourismussaison.
Was könnte da schon schiefgehen?
Die Polizei Pattayas dürfte auf diese Frage vermutlich eine deutlich längere Antwort haben.
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