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Lok Leipzig holt Mergel – aber Schlagzeilen schießen keine Tore

HtcHnm (CC0), Pixabay
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Der 1. FC Lok Leipzig hat wieder zugeschlagen – zumindest auf dem Papier. Artur Mergel kommt vom Chemnitzer FC und unterschreibt bei der Loksche einen Vertrag bis 2028. Ein »Offensivkracher« also, wie es im Fußballgeschäft gern heißt, wenn ein Spieler nicht gerade aus der Kreisklasse einfliegt und schon mal mehr als drei Regionalliga-Spiele gemacht hat.

Mergel ist 28 Jahre alt, offensiv flexibel einsetzbar und bringt reichlich Erfahrung mit. 202 Regionalligaspiele stehen in seiner Vita, dazu 27 Tore. Er kann im Mittelfeld wirbeln, über Außen kommen, Standards treten und offenbar dort eingesetzt werden, wo gerade Bedarf ist. Klingt erst einmal vernünftig. Klingt nach einem Spieler, der weiß, wie diese Liga riecht, kratzt und manchmal auch wehtut.

Sport-Geschäftsführer Toni Wachsmuth freut sich entsprechend. Mergel sei ein gestandener Mittelfeldspieler, laufstark, kreativ und bei Standards gefährlich. Außerdem passe er charakterlich zur Mannschaft und werde sich schnell integrieren. Das sind natürlich genau die Sätze, die bei Transfers immer fallen. Noch nie wurde ein Neuzugang vorgestellt mit: »Wir hoffen, er findet irgendwann den Ball und grüßt gelegentlich die Mitspieler.«

Aber bei aller Euphorie gilt: Eine dicke Schlagzeile allein hat noch keinen Spieler bei Lok Leipzig einschlagen lassen. Ob Mergel wirklich zum Offensivkracher wird, entscheidet sich nicht auf dem Pressefoto und auch nicht in der Vertragsmeldung, sondern auf dem Platz. Dort, wo der Gegner nicht höflich applaudiert, sondern grätscht. Dort, wo Standards nicht nur gefährlich aussehen, sondern auch mal im Netz landen müssen.

Mergels Weg kann sich sehen lassen. Ausgebildet wurde der gebürtige Hesse unter anderem beim OSC Vellmar und KSV Baunatal, später ging es ins Nachwuchsleistungszentrum des 1. FC Kaiserslautern. Danach folgten Stationen bei Carl Zeiss Jena, der U23 des FC Augsburg, Rot-Weiß Erfurt und zuletzt beim Chemnitzer FC. Mit Erfurt stieg er in die Regionalliga Nordost auf, in Chemnitz sammelte er in den vergangenen beiden Jahren weitere Erfahrung.

Für Lok ist der Transfer nachvollziehbar. Die Mannschaft bekommt einen Spieler, der die Liga kennt, mehrere Offensivrollen spielen kann und nicht erst lernen muss, dass Regionalliga Nordost keine Wellnessreise mit Ball ist. Gerade seine Vielseitigkeit kann wertvoll werden, wenn Trainer und Kader im Laufe einer langen Saison wieder das übliche Fußballtheater aus Formschwankungen, Sperren und kleinen Wehwehchen durchleben.

Mergel selbst gibt sich sympathisch und locker. Er freue sich riesig auf die neue Herausforderung, sagt er, und wolle gemeinsam mit den »Lokkis« eine erfolgreiche Saison mit vielen schönen Momenten gestalten. Das liest man gern. Noch lieber würde man es allerdings ab August regelmäßig auf dem Rasen sehen.

Denn genau darum geht es: Lok hat keinen Pressetext verpflichtet, sondern einen Fußballer. Die Vorschusslorbeeren sind nett, die Zahlen solide, die Erwartungen verständlich. Aber ob Artur Mergel tatsächlich der Mann wird, der Leipzigs Offensive belebt, Spiele entscheidet und die Fans mitnimmt, muss er erst beweisen.

Bis dahin gilt: Willkommen bei der Loksche, Artur. Schön, dass du da bist. Und jetzt bitte nicht nur krachen in der Überschrift, sondern auch auf dem Platz.

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