In den USA kann ein Gag offenbar mehr bewegen als ein Gesetzesentwurf. Nach einem spitzen Witz von Jimmy Kimmel über First Lady Melania Trump hat die Medienaufsicht FCC beschlossen, gleich mal ein ganzes TV-Netzwerk unter die Lupe zu nehmen. ABC darf nun früher als geplant erklären, warum es überhaupt senden darf – Satire mit Nebenwirkungen.
Offiziell geht es um laufende Ermittlungen wegen angeblicher Diskriminierung bei Disney-Sendern. Inoffiziell wirkt der Zeitpunkt ungefähr so zufällig wie Regen bei einem Staatsbesuch. Denn nur wenige Tage zuvor hatte Kimmel Melania Trump als „werdende Witwe“ bezeichnet – ein Satz, der im Weißen Haus offenbar ungefähr so gut ankam wie ein Stromausfall beim Teleprompter.
Donald Trump reagierte entsprechend feinfühlig und sah in dem Witz gleich einen „Aufruf zur Gewalt“. Die Lösung aus seiner Sicht: Kimmel rauswerfen, sofort. Am besten gleich mit Sender. Warum klein denken?
Kimmel selbst versuchte, die Sache wieder auf Normalniveau zu bringen und erklärte, es sei lediglich ein harmloser Seitenhieb auf den Altersunterschied des Präsidentenpaares gewesen. Kein Mordkomplott, keine versteckte Botschaft – einfach Late-Night-Humor. Eine Kategorie, die in Washington derzeit offenbar unter „Sicherheitsrisiko“ läuft.
Währenddessen zeigt sich Disney kämpferisch. Man halte sich an alle Regeln, heißt es, und werde notfalls vor Gericht ziehen. Die eigentlichen Lizenzverlängerungen wären erst in ein paar Jahren fällig gewesen – aber warum warten, wenn man auch jetzt schon für Spannung sorgen kann?
So bleibt ein bemerkenswerter Eindruck: In einem Land, das stolz auf Meinungsfreiheit ist, reicht mittlerweile ein Witz, um eine medienpolitische Großoffensive auszulösen.
Oder anders gesagt: Früher mussten Fernsehsender Einschaltquoten liefern – heute besser auch noch politische Unbedenklichkeit.
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