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Die großen Tricks im Supermarkt – Wie Verbraucher beim Einkauf getäuscht werden

ccipeggy (CC0), Pixabay
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Der Einkauf im Supermarkt wirkt auf viele Verbraucher heute wie eine Wissenschaft für sich. Überall auf Verpackungen stehen große Versprechen: „High Protein“, „Immunkick“, „Extra Vitamine“, „Ohne Zusatzstoffe“ oder „Besonders knusprig“. Dazu kommen Nachhaltigkeitssiegel, Gesundheitsversprechen und appetitliche Bilder. Doch hinter vielen Produkten steckt vor allem eines: geschicktes Marketing – und manchmal sogar ein echtes Gesundheitsrisiko. Das zeigt eine umfangreiche Recherche des NDR sehr deutlich.

Besonders problematisch ist laut der Untersuchung belastetes Geflügelfleisch. Viele Verbraucher halten Hähnchen für gesund und leicht bekömmlich. Was kaum jemand weiß: Geflügel ist häufig mit gefährlichen Campylobacter-Keimen belastet. Diese Bakterien gehören zu den häufigsten Ursachen schwerer Magen-Darm-Erkrankungen in Deutschland. Laut Experten werden jedes Jahr rund 50.000 Fälle registriert – die Dunkelziffer dürfte deutlich höher liegen.

Die Folgen können dramatisch sein. Eine Betroffene berichtet, dass sie nach dem Verzehr von Hähnchenfleisch wochenlang im Krankenhaus behandelt werden musste und zeitweise nicht mehr laufen konnte. Ärzte warnen sogar vor möglichen Lähmungen oder schweren neurologischen Schäden durch die Infektion.

Erschreckend: In einem Labortest waren sechs von 13 untersuchten Geflügelprodukten mit Campylobacter belastet – darunter Produkte von Discountern, Supermärkten und sogar Bio-Anbietern. Besonders problematisch sei laut Experten die industrielle Massentierhaltung und die hohe Geschwindigkeit in den Schlachthöfen.

Auch viele Verbraucher machen unwissentlich Fehler. Das klassische Abwaschen von Hähnchenfleisch verteilt die Keime in der gesamten Küche. Unter Schwarzlicht wurde sichtbar, wie stark sich die Bakterien über Hände, Messer, Schneidebretter und Arbeitsflächen verteilen können. Experten raten deshalb dringend: Geflügel niemals waschen, sondern nur vorsichtig abtupfen und immer vollständig durchgaren.

Doch nicht nur bei Fleisch wird getrickst. Besonders beliebt bei Herstellern sind inzwischen sogenannte Gesundheitsprodukte. Müslis mit „Immun-Plus“, Säfte mit „Extra Vitamin D“ oder Lebensmittel mit „High Protein“-Aufdruck sollen Verbrauchern ein besonders gesundes Produkt suggerieren. Tatsächlich handelt es sich laut Verbraucherschützern oft um übertriebene Werbung.

Ein Beispiel: Viele „Protein-Produkte“ enthalten kaum mehr Eiweiß als normale Lebensmittel – kosten aber deutlich mehr. So waren spezielle Protein-Wraps im Test doppelt so teuer wie die Standardvariante. Auch bei Salami oder Müsli zeigte sich: Der Protein-Aufdruck dient oft vor allem dazu, höhere Preise durchzusetzen.

Hinzu kommt die geschickte Nutzung gesetzlicher Grauzonen. Müslis mit Namen wie „Immun Kick“ oder „Immunity Crunchy“ erwecken den Eindruck, das gesamte Produkt stärke das Immunsystem. Tatsächlich beziehen sich die erlaubten Gesundheitsangaben meist nur auf einzelne zugesetzte Vitamine oder Mineralstoffe. Verbraucherschützer kritisieren solche Aufmachungen deshalb als irreführend.

Auch beim Tiefkühlfisch wird kräftig getrickst. Besonders auffällig war ein Schlemmerfilet-Produkt von Iglo. Während die klassische Variante einen Fischanteil von 71 Prozent enthielt, brachte es die besonders „knusprige“ Version nur noch auf 52 Prozent Fisch. Dafür gab es deutlich mehr Panade. Für Verbraucher ist dieser Unterschied auf den ersten Blick kaum erkennbar.

Zusätzlich fanden Labore in vielen Fischprodukten sogenannte MCPD-Fettschadstoffe, die als potenziell krebserregend gelten. Gesetzliche Grenzwerte existieren dafür bislang nicht.

Besonders kritisch sehen Experten außerdem Zusatzstoffe und Aromen. Viele Produkte werben groß mit „ohne Geschmacksverstärker“, enthalten aber stattdessen Hefeextrakte, die praktisch denselben Effekt haben. Rein rechtlich ist das erlaubt – für Verbraucher jedoch oft verwirrend.

In der Kritik stehen auch sogenannte Raucharomen, die in Chips, Soßen oder Fleischprodukten eingesetzt werden. Laut Europäischer Behörde für Lebensmittelsicherheit könnten einige dieser Stoffe das Erbgut schädigen und Krebs begünstigen. Deshalb werden bestimmte Raucharomen künftig verboten – allerdings erst nach langen Übergangsfristen.

Besonders problematisch sind zudem Azofarbstoffe in bunten Süßigkeiten oder Getränken. Diese Farbstoffe stehen im Verdacht, Hyperaktivität und Konzentrationsprobleme bei Kindern zu fördern. Einige Experten warnen zusätzlich vor möglichen krebserregenden Abbauprodukten. Trotzdem finden sich solche Stoffe weiterhin in zahlreichen Produkten für Kinder.

Das Fazit der Recherche fällt deutlich aus: Viele Lebensmittel werden mit großen Versprechen verkauft, die bei genauerem Hinsehen kaum Substanz haben. Verbraucher zahlen häufig mehr für Marketing statt für bessere Qualität. Gleichzeitig gelangen problematische Stoffe und potenzielle Gesundheitsrisiken weiterhin legal in den Handel.

Wer sich schützen will, sollte deshalb Zutatenlisten kritisch lesen, Werbeversprechen hinterfragen und möglichst auf einfache, unverarbeitete Lebensmittel setzen. Denn oft gilt: Der Apfel aus der Obstabteilung ist gesünder als das „Immun-Plus-Superfood“ aus der Werbeabteilung.

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