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Lieferketten unter Druck: Asiens Versorgungsschock könnte bald auch die USA treffen

popmelon (CC0), Pixabay
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In Asien werden bereits Treibstoffe rationiert, Krankenhäuser melden Engpässe bei medizinischem Material, Verbraucher hamstern Plastiktüten, Fabriken kämpfen mit Verpackungsmangel. Was derzeit in mehreren asiatischen Märkten zu beobachten ist, könnte mit zeitlicher Verzögerung auch die USA erreichen.

Noch sind flächendeckende Versorgungsprobleme in den Vereinigten Staaten nicht sichtbar. Doch Experten warnen: Je länger die Straße von Hormus blockiert bleibt, desto schwieriger wird es für die US-Wirtschaft, sich von den Folgen fernzuhalten.

Die Abhängigkeit ist größer, als viele glauben

Der Kern des Problems liegt nicht nur beim Öl. Der Krieg mit Iran gefährdet nach Einschätzung von Analysten vor allem die globale Versorgung mit Aluminium, Kunststoffen und Gummi.

Der Mittlere Osten liefert nach Branchenangaben rund:

  • 25 Prozent des weltweiten Polypropylens
  • 20 Prozent des weltweiten Polyethylens
  • 25 Prozent des weltweiten Schwefels
  • 15 Prozent des weltweiten Düngers

Damit sind zentrale Vorprodukte betroffen, die in unzähligen Industrien gebraucht werden – von Verpackungen über Medizinprodukte bis zur Autoindustrie.

Die KPMG-Expertin Angie Gildea warnt deshalb davor, nur auf Rohölpreise zu schauen. Nicht nur Benzin und Diesel würden knapper, sondern auch petrochemische Grundstoffe.

Erste Industrieunternehmen melden höhere Gewalt

Mehrere große Petrochemie-Hersteller in Asien haben bereits reagiert. Unternehmen wie Yeochun in Südkorea oder PCS in Singapur meldeten laut Ökonomen sogenannte Force-Majeure-Fälle – sie können also ihre Lieferverpflichtungen nicht mehr vollständig erfüllen.

Andere Firmen berichten bereits über fehlende Kunststoffverpackungen. Ein Kondomhersteller kündigte sogar steigende Preise an, weil wichtige Produktionsmaterialien nicht mehr in ausreichender Menge verfügbar seien.

Auch ein wichtiger Frühindikator schlägt aus: Der S&P-500-Indikator für globale Lieferengpässe ist in den vergangenen Wochen deutlich gestiegen und liegt erstmals seit drei Jahren wieder über seinem langfristigen Durchschnitt.

„Die USA sind stärker exponiert, als wir glauben“

Für die Vereinigten Staaten ist das heikel. Rund die Hälfte der Waren, die US-Verbraucher kaufen, stammt aus Asien. Wenn dort Fabriken wegen fehlender Rohstoffe, Verpackungen oder Energie langsamer produzieren, wird das früher oder später auch in amerikanischen Regalen spürbar.

Der Investmentstratege Ross Mayfield formuliert es deutlich: Die USA seien „stärker exponiert, als wir glauben“.

Anders als bei Trumps Zöllen, die Unternehmen über Monate hinweg einplanen konnten, traf der Krieg viele Firmen unvorbereitet. Gerade Unternehmen mit starker Asien-Abhängigkeit hatten kaum Zeit, ihre Lieferketten umzustellen.

Noch keine akuten US-Engpässe – aber der Zeitfaktor wird entscheidend

Warum sind die Folgen in den USA bislang begrenzt?
Weil die Vereinigten Staaten beim Thema Energie vergleichsweise gut abgesichert sind.

Nach Angaben der US-Energiebehörde laufen nur etwa sieben Prozent der amerikanischen Energieimporte durch die Straße von Hormus. Der Großteil der Energie wird im Inland produziert.

Für die USA geht es deshalb zunächst eher um höhere Preise als um echte Knappheit.

Citigroup-Chefökonom Nathan Sheets bringt es auf den Punkt: Für Amerika sei die Geschichte im Moment vor allem eine Frage der Kosten, nicht der Verfügbarkeit.

Plastik und Aluminium könnten zum Problem werden

Trotzdem warnen Experten vor einer zeitversetzten Eskalation. Die letzten Lieferungen aus dem Mittleren Osten, die noch vor Kriegsbeginn unterwegs waren, sind erst kürzlich in Asien angekommen. Das verschafft der Weltwirtschaft etwas Luft – aber nicht viel.

Vor allem bei Kunststoffen und Aluminium gibt es nur begrenzte Lagerbestände. Sollte die Störung anhalten, könnte es laut Ökonomen ungefähr:

  • drei Monate dauern, bis Kunststoffengpässe global deutlich spürbar werden
  • vier Monate, bis Autobauer ihre Produktion wegen Aluminium-Mangels drosseln müssten

Gerade die Automobilindustrie wäre damit besonders verwundbar.

Lieferketten sind robuster als in der Pandemie – aber nicht unverwundbar

Immerhin: Viele Unternehmen haben aus der Corona-Pandemie gelernt. Lieferketten wurden diversifiziert, Lagerhaltung angepasst, alternative Bezugsquellen aufgebaut. Auch Trumps jüngste Zollpolitik zwang viele Importeure dazu, ihre Beschaffung breiter aufzustellen.

Das dämpft den Schock – zumindest vorerst.

Kurz vor Beginn des Kriegs war der Welthandel zudem in relativ stabiler Verfassung. Nachdem der Supreme Court große Teile von Trumps Importzöllen kassiert hatte, sanken die Belastungen. Die globalen Exporte legten im Februar leicht zu, auch aus Asien kamen zunächst solide Daten.

Doch diese Stabilität könnte rasch kippen.

Die Dauer der Blockade entscheidet

Der entscheidende Faktor ist nun die Zeit. Marktbeobachter rechnen bereits damit, dass die Schließung der Straße von Hormus allein bis Ende April zu einem Ausfall von 700 Millionen Barrel Ölangebot führen könnte.

Und damit wächst das Risiko, dass aus einem Energieproblem ein breiter Versorgungsschock wird – zunächst in Asien, später womöglich auch in den USA.

Die zentrale Frage lautet deshalb nicht mehr, ob es Auswirkungen geben wird, sondern wie lange die Weltwirtschaft den Druck aushält.

Fazit

Noch ist Amerika nicht im Krisenmodus. Aber die Warnsignale mehren sich. Asien erlebt bereits spürbare Verwerfungen bei Energie, Kunststoffen und industriellen Vorprodukten. Weil die USA massiv von asiatischen Lieferketten abhängen, könnten die Folgen mit Verzögerung auch dort ankommen.

Sollte die Straße von Hormus nicht bald wieder vollständig geöffnet werden, drohen den Vereinigten Staaten in den kommenden Monaten nicht nur höhere Preise – sondern im schlimmsten Fall auch echte Engpässe bei Alltagswaren, Verpackungen und Industrieprodukten.

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