Der Flughafen Leipzig/Halle arbeitet offenbar konsequent an einem neuen Geschäftsmodell: Wenn schon immer weniger Airlines kommen, kann man das Gelände ja wenigstens als XXL-Abstellfläche für Flugzeuge vermieten, bis die irgendwann wieder gebraucht werden. Platz ist ja bald genug da.
Nach dem nächsten Rückschlag für den Airport verabschiedet sich nun auch Turkish Airlines aus Schkeuditz. Ab dem 2. Mai ist Schluss mit der täglichen Verbindung nach Istanbul – also genau jener Strecke, mit der man aus Sachsen wenigstens noch halbwegs elegant in die Welt kam. Künftig heißt internationales Drehkreuz für viele Reisende wohl eher: Erst mal nach Berlin gurken, dann schauen wir weiter.
Vom Flughafen zum Freiluft-Lagerplatz
Erst fällt die Lufthansa-Verbindung nach München weg, jetzt verschwindet auch noch Istanbul. Wenn das so weitergeht, kann Leipzig/Halle bald offiziell umfirmieren in:
„Airport & Aircraft Storage Park Mitteldeutschland“
Motto:
Fliegen ist optional, Parken ist sicher.
Denn was braucht man schon Passagiere, wenn man stattdessen tonnenweise Rollfeld hat? Da lassen sich wunderbar Maschinen zwischenparken, bis die Weltlage, der Kerosinpreis, die Raffinerien, die Regulierungen, der Merkur und die Laune der Branche wieder mitspielen.
Turkish Airlines sagt Tschüss – aber ganz höflich
Offiziell begründet Turkish Airlines den Rückzug mit den üblichen Verdächtigen: Geopolitik, explodierende Betriebskosten, teures Kerosin. Übersetzt heißt das ungefähr:
„Leipzig ist nett, aber wir fliegen lieber da, wo es sich noch rechnet.“
Immerhin bleibt man freundlich und schließt eine Rückkehr irgendwann nicht aus. Das ist in der Luftfahrt ungefähr so romantisch wie der Satz:
„Es liegt nicht an dir, Leipzig. Es liegt an den Rahmenbedingungen.“
Berlin als „naheliegende Alternative“ – natürlich
Betroffene Passagiere sollen laut Airline kostenlos umgebucht werden. Und wohin?
Na klar: BER.
Der Berliner Flughafen sei wegen „geografischer Nähe“ die beste Alternative.
Das ist ungefähr so, als würde man in Leipzig das Restaurant schließen und sagen:
„Kein Problem, Dresden hat doch auch Essen.“
Fünf tägliche Abflüge nach Istanbul, teils mit Großraumflugzeugen – Berlin macht’s möglich. Leipzig dagegen darf künftig vermutlich weiter darüber nachdenken, wie man aus einem Regionalflughafen wenigstens optisch einen internationalen Knotenpunkt bastelt.
Kerosin knapp, Zukunft auch
Die Lage in der Branche ist ernst, keine Frage. Seit dem Iran-Krieg hat sich der Kerosinmarkt in etwa so stabil entwickelt wie ein Gartenstuhl im Orkan. Der Luftfahrtverband IATA warnt bereits vor möglichen Flugausfällen in Europa wegen Treibstoffmangel. Klingt alles dramatisch – und trifft Flughäfen wie Leipzig/Halle eben besonders hart.
Denn wenn Airlines Kapazitäten zusammenstreichen, trifft es selten zuerst die großen Drehkreuze.
Es trifft die Standorte, bei denen man in den Chefetagen offenbar denkt:
„Schade drum – aber da steht doch sowieso schon Berlin in Reichweite.“
Leipzigs neue Stärke: viel Fläche, wenig Betrieb
Und genau hier liegt die bittere Pointe: Leipzig/Halle hat eigentlich Infrastruktur, Potenzial und Lage. Nur nützt das alles wenig, wenn am Ende die großen Namen einer nach dem anderen den Abflug machen.
Vielleicht sollte man also wirklich pragmatisch werden:
- Terminal für Passagiere?
Eher nostalgisch. - Rollfeld für abgestellte Jets?
Zukunftsfähig. - Internationale Anbindung?
Per Regionalzug zum BER.
Vielleicht wird Schkeuditz am Ende nicht das große Luftverkehrsdrehkreuz Mitteldeutschlands, sondern einfach Europas sympathischster Flugzeugparkplatz mit angeschlossenem Erinnerungszentrum für frühere Linienverbindungen.
Fazit
Leipzig/Halle verliert mit Turkish Airlines nicht nur eine Airline, sondern auch ein weiteres Stück internationaler Anbindung. Nach München nun auch Istanbul – das ist für den Standort ein echter Dämpfer.
Oder sarkastisch gesagt:
Wenn das so weitergeht, hebt in Leipzig bald nur noch DHL ab – und der Rest wird ordentlich in Reih und Glied geparkt, bis irgendwann wieder jemand Lust aufs Fliegen hat.
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