Die britische Labour-Partei erinnert derzeit weniger an eine Regierungspartei als an eine WG, in der alle bereits heimlich nach einem neuen Mitbewohner suchen, während der aktuelle noch im Wohnzimmer sitzt.
Nach dem überraschend deutlichen Sieg von Andy Burnham bei der Nachwahl im Wahlkreis Makerfield wächst innerhalb der Partei der Druck auf Premierminister Keir Starmer erheblich. Immer mehr Labour-Abgeordnete wünschen sich offenbar einen geordneten Wechsel an der Parteispitze – möglichst ohne das übliche politische Gemetzel, das sonst bei solchen Machtkämpfen dazugehört.
Burnham gewinnt – und plötzlich wird gerechnet
Burnham konnte in Makerfield nicht nur gewinnen, sondern seinen Stimmenanteil deutlich ausbauen und den Kandidaten von Reform UK klar auf Distanz halten. Seitdem wird in Westminster weniger über Politik gesprochen als über die Frage, wann Burnham eigentlich die Schlüssel für die Downing Street bekommt.
Einige Labour-Abgeordnete machen mittlerweile kaum noch einen Hehl daraus, dass sie den ehemaligen Bürgermeister von Greater Manchester lieber heute als morgen als Parteichef sehen würden.
Starmer denkt gar nicht daran zu verschwinden
Das Problem für die Burnham-Fans:
Keir Starmer hat offensichtlich nicht vor, freiwillig die Koffer zu packen.
Der Premierminister machte deutlich, dass er bei einer möglichen Kampfabstimmung antreten werde und keineswegs vorhabe, das Feld kampflos zu räumen. Schließlich sei er mit einem Mandat gewählt worden und habe noch einiges vor.
Übersetzt heißt das:
„Ich höre euch, aber ich gehe nicht.“
Das Wochenende der langen Telefonate
Während andere Menschen ihr Wochenende mit Grillen oder Gartenarbeit verbringen, soll Starmer zahlreiche Telefonate mit Kabinettsmitgliedern geführt haben, um herauszufinden, wer noch hinter ihm steht und wer bereits heimlich Burnham-Fanartikel bestellt hat.
Besonders spannend dürfte die nächste Kabinettssitzung werden. Dort treffen sich Minister, Unterstützer, Kritiker und vermutlich auch einige, die selbst noch nicht genau wissen, auf welcher Seite sie eigentlich stehen.
Die Partei bittet um Ruhe – und diskutiert gleichzeitig über den Nachfolger
Offiziell ruft Starmer die Partei zur Geschlossenheit auf. Man dürfe sich nicht gegenseitig zerfleischen und das Land ins Chaos stürzen, lautet seine Botschaft.
Inoffiziell diskutieren zahlreiche Labour-Politiker bereits darüber, wie ein geordneter Übergang zu Andy Burnham aussehen könnte.
Das wirkt ein wenig so, als würde ein Fußballverein seinem Trainer öffentlich das Vertrauen aussprechen und gleichzeitig schon Bewerbungen für dessen Nachfolger entgegennehmen.
Burnham hält sich zurück – zumindest offiziell
Burnham selbst gibt sich bislang staatsmännisch.
Nach seinem Wahlsieg sprach er von einer Chance, das Land wieder auf Kurs zu bringen und die Politik zu verändern. Gleichzeitig halten sich sein Team und mögliche Mitstreiter mit öffentlichen Kommentaren zurück. Offenbar soll Starmer die Gelegenheit bekommen, selbst über seine Zukunft nachzudenken.
Ein sehr höflicher Weg zu sagen:
„Wir warten mal ab, ob er den Wink mit dem Zaunpfahl versteht.“
Fazit
Keir Starmer sitzt weiterhin im Amt.
Andy Burnham sitzt inzwischen wieder im Parlament.
Und die Labour-Partei sitzt zwischen den Stühlen.
Noch ist nichts entschieden. Doch nach dem Wahlsieg in Makerfield scheint die Frage nicht mehr zu sein, ob Burnham eine Führungsrolle anstrebt, sondern wann die Diskussion darüber endgültig offen geführt wird.
Bis dahin gilt in London das alte politische Gesetz:
Wenn Parteifreunde öffentlich betonen, dass alles völlig ruhig und geordnet abläuft, wird es meist besonders interessant.
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