Sorge vor Eskalation mit den USA wächst
Auf Kuba wächst die Angst vor einer weiteren Zuspitzung im Verhältnis zu den USA. In Havanna kursieren inzwischen offen Szenarien über eine mögliche militärische Eskalation. Hintergrund ist der zunehmende Druck der US-Regierung unter Präsident Donald Trump auf die kommunistisch geführte Insel.
Die wirtschaftliche Lage auf Kuba hat sich in den vergangenen Monaten dramatisch verschärft. Stromausfälle gehören inzwischen zum Alltag, Treibstoff ist knapp, Lebensmittelpreise steigen weiter. Selbst grundlegende Dinge fehlen vielerorts. Die US-Sanktionen gegen den Ölsektor Kubas verschärfen die Situation zusätzlich erheblich.
CIA-Besuch sorgt für Unruhe
Besonders großes Aufsehen erregte der Besuch von CIA-Direktor John Ratcliffe in Havanna. Die Reise wurde auf der Insel als klares Zeichen wachsender Spannungen interpretiert. Für viele Kubaner gilt die CIA bis heute als Symbol jahrzehntelanger amerikanischer Einflussversuche gegen die Revolution.
Nach Angaben amerikanischer Behörden warf Ratcliffe der kubanischen Führung unter anderem vor, russische und chinesische Abhöranlagen auf der Insel zu dulden und damit US-Interessen in der Region zu gefährden. Kubanische Vertreter wiesen die Vorwürfe zurück und erklärten, Kuba stelle keine Bedrohung für die Vereinigten Staaten dar.
Diskussion über Anklage gegen Raúl Castro
Zusätzliche Brisanz erhielt die Lage durch Berichte, wonach US-Bundesstaatsanwälte eine Anklage gegen Ex-Staatschef Raúl Castro prüfen sollen. Dabei geht es um den Abschuss zweier Flugzeuge der Exilorganisation „Brothers to the Rescue“ im Jahr 1996.
In Kuba wird ein solcher Schritt als mögliche Vorstufe zu einer offenen Konfrontation betrachtet. Mehrere Regierungsvertreter erklärten laut CNN, eine Anklage gegen Castro könne die diplomatischen Kontakte endgültig beenden. Präsident Miguel Díaz-Canel sprach zuletzt davon, man sei bereit, „das Leben für die Revolution zu geben“.
Regierung bereitet Bevölkerung auf Ernstfall vor
Die kubanische Führung verstärkt inzwischen sichtbar ihre Vorbereitungen auf mögliche Unruhen oder Konflikte. Staatsmedien veröffentlichten Bilder von militärischen Übungen und Zivilisten bei Waffentrainings. Die Zivilschutzbehörde verteilte zudem Hinweise an die Bevölkerung, wie man sich bei einer „hypothetischen militärischen Aggression“ verhalten solle. Empfohlen wird unter anderem das Packen von Notfallrucksäcken mit haltbaren Lebensmitteln.
Wirtschaftliche Not prägt den Alltag
Für viele Menschen auf der Insel steht jedoch weniger die geopolitische Lage im Vordergrund als der tägliche Überlebenskampf. Krankenhäuser leiden unter Medikamentenmangel, Lebensmittel verderben wegen ständiger Stromausfälle, Müll bleibt in vielen Vierteln tagelang liegen.
Die zunehmende Verzweiflung zeigt sich auch auf den Straßen. In Havanna kam es zuletzt zu Protesten gegen die langen Stromabschaltungen. Demonstranten schlugen stundenlang auf Töpfe und Pfannen ein. Einige Kubaner äußerten dabei offen, dass selbst ein Konflikt für manche inzwischen weniger bedrohlich erscheine als die anhaltende Krise.
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