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Kritische, aber faire Analyse des Jahresabschlusses von RB Leipzig

jorono (CC0), Pixabay
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Der Jahresabschluss der RasenBallsport Leipzig GmbH für das Geschäftsjahr vom 1. Juli 2024 bis zum 30. Juni 2025 zeigt ein Unternehmen, das wirtschaftlich weiterhin stabil ist, zugleich aber mit sehr hohen Kosten, einer dünnen Gewinnmarge und einer deutlichen Abhängigkeit vom Gesellschafter sowie vom Transfermarkt arbeitet.

Von einer akuten finanziellen Krise kann auf Grundlage des Abschlusses nicht gesprochen werden. Die Bilanz ist jedoch keineswegs so komfortabel, wie es der Umsatz von rund 455 Millionen Euro zunächst vermuten lässt.

Die wichtigsten Kennzahlen

Kennzahl 2024/25 Vorjahr Einordnung
Umsatzerlöse 454,95 Mio. € 463,41 Mio. € –1,8 %
Betriebliche Gesamterträge 460,70 Mio. € 466,67 Mio. € –1,3 %
Betriebsergebnis vor Finanzergebnis und Steuern ca. 9,55 Mio. € ca. 12,53 Mio. € deutlich rückläufig
Jahresüberschuss 1,60 Mio. € 4,69 Mio. € –65,9 %
Bilanzsumme 532,20 Mio. € 526,37 Mio. € +1,1 %
Eigenkapital 118,49 Mio. € 118,49 Mio. € unverändert
Eigenkapitalquote ca. 22,3 % ca. 22,5 % solide, aber nicht üppig
Spielerwerte 328,41 Mio. € 292,37 Mio. € +12,3 %
Verbindlichkeiten 370,57 Mio. € 375,36 Mio. € leicht rückläufig
Liquide Mittel 0,71 Mio. € 0,78 Mio. € sehr niedrig

Die Zahlen beruhen auf der veröffentlichten Bilanz, Gewinn- und Verlustrechnung sowie dem Lagebericht.

Umsatz stabil, Gewinn aber sehr gering

Positiv ist zunächst, dass RB Leipzig den starken Rückgang der Transfererlöse weitgehend auffangen konnte. Die Erlöse aus dem Transfer- und Leihgeschäft sanken von 193,15 Millionen Euro auf 74,11 Millionen Euro. Gleichzeitig stiegen die unter „Spielbetrieb“ ausgewiesenen Erlöse von 249,69 Millionen Euro auf 356,60 Millionen Euro.

Dadurch ging der Gesamtumsatz lediglich um knapp zwei Prozent zurück. Das zeigt, dass der Klub nicht ausschließlich vom Verkauf einzelner Spieler lebt und im Berichtsjahr hohe Einnahmen aus dem sportlichen Betrieb, der medialen Verwertung und der Vermarktung erzielen konnte.

Kritisch ist allerdings die geringe Profitabilität. Von fast 455 Millionen Euro Umsatz blieben am Ende nur 1,6 Millionen Euro Jahresüberschuss übrig. Die Nettogewinnmarge beträgt damit lediglich rund 0,35 Prozent. Im Vorjahr waren es noch rund 1,0 Prozent.

Das Unternehmen arbeitet somit praktisch an der Gewinnschwelle. Bereits moderate Abweichungen bei sportlichen Einnahmen, Transfererlösen, Gehältern oder Abschreibungen können das Ergebnis ins Minus drehen.

Der Kostenblock des Kaders wächst

Der Personalaufwand erhöhte sich einschließlich Sozialabgaben von rund 200,69 Millionen Euro auf 207,14 Millionen Euro. Das entspricht einem Anstieg um gut drei Prozent.

Noch deutlicher stiegen die Abschreibungen auf Spielerwerte: von 95,54 Millionen Euro auf 112,87 Millionen Euro. Das ist ein Plus von rund 18 Prozent. Zusammen beanspruchen Personalaufwand und Spielerabschreibungen rund 320 Millionen Euro beziehungsweise etwa 70 Prozent der betrieblichen Gesamterträge.

Das ist für einen Spitzenklub nicht ungewöhnlich, zeigt aber das wirtschaftliche Risiko des Modells. Werden teure Spieler verpflichtet, entstehen nicht nur hohe Gehaltskosten. Die gezahlten Ablösen werden über die Vertragslaufzeit abgeschrieben und belasten das Ergebnis auch dann, wenn der Spieler sportlich nicht überzeugt, verletzt ist oder kaum eingesetzt wird.

Der Rückgang der sonstigen betrieblichen Aufwendungen von 148,10 Millionen Euro auf 122,48 Millionen Euro hat verhindert, dass das Ergebnis noch stärker einbricht. Die operative Kostendisziplin außerhalb des Spielerkaders ist daher positiv zu bewerten.

Hoher Vermögenswert des Kaders – aber auch hohes Bewertungsrisiko

Die bilanzierten Spielerwerte stiegen um rund 36 Millionen Euro auf 328,41 Millionen Euro. Damit entfallen knapp 62 Prozent der gesamten Bilanzsumme auf Spielerregistrierungen.

Das ist eine sehr starke Konzentration auf einen einzigen Vermögensbereich. Der wirtschaftliche Wert dieser Position hängt von sportlicher Entwicklung, Vertragslaufzeit, Verletzungen und der Nachfrage auf dem Transfermarkt ab.

Wichtig ist zudem: Die Bilanz zeigt nicht den aktuellen Marktwert aller Spieler. Aktiviert werden im Wesentlichen die Anschaffungskosten verpflichteter Spieler, vermindert um Abschreibungen. Selbst ausgebildete oder ablösefrei verpflichtete Spieler können wirtschaftlich wertvoll sein, ohne mit einem entsprechenden Wert in der Bilanz zu stehen. Umgekehrt kann ein hoher Buchwert bei einem sportlich enttäuschenden Spieler zum Risiko werden.

Der hohe Spielerwert ist daher weder eindeutig positiv noch eindeutig negativ. Er dokumentiert erhebliche Investitionen und mögliches Verkaufspotenzial, erhöht aber zugleich den Abschreibungs- und Wertberichtigungsdruck. Die Bilanzierung erfolgt über die individuellen Vertragslaufzeiten.

Die Liquidität wirkt auf den ersten Blick angespannt

Besonders auffällig ist der niedrige Bestand an Kassen- und Bankguthaben von nur rund 715.000 Euro. Dem stehen kurzfristige Verbindlichkeiten von rund 147,68 Millionen Euro gegenüber.

Das gesamte Umlaufvermögen beträgt zwar 167,58 Millionen Euro. Davon bestehen jedoch 145,07 Millionen Euro aus Transferforderungen. Außerdem haben Forderungen und sonstige Vermögensgegenstände von insgesamt 81,43 Millionen Euro eine Restlaufzeit von mehr als einem Jahr.

Rechnerisch deckt das Umlaufvermögen die kurzfristigen Verbindlichkeiten mit rund 113 Prozent. Werden die langfristigen Forderungen herausgerechnet, sinkt die Deckung jedoch auf nur etwa 58 Prozent.

Auch die Transferbilanz auf der Aktiv- und Passivseite verdient Beachtung:

  • Transferforderungen: 145,07 Millionen Euro
  • Transferverbindlichkeiten: 192,89 Millionen Euro
  • negativer Saldo: rund 47,82 Millionen Euro

Bei den kurzfristigen Transferposten ist die Differenz noch deutlicher: Rund 68,89 Millionen Euro kurzfristigen Transferforderungen stehen etwa 120,25 Millionen Euro kurzfristige Transferverbindlichkeiten gegenüber.

Das bedeutet nicht automatisch, dass Zahlungsprobleme bestehen. Im Profifußball werden Ablösen regelmäßig in Raten gezahlt, und Forderungen sowie Verbindlichkeiten werden über mehrere Transferperioden verteilt. Die Zahlen zeigen aber, dass RB Leipzig auf einen sorgfältig gesteuerten Liquiditätsfluss angewiesen ist.

Red Bull bietet Sicherheit – schafft aber auch Abhängigkeit

Die Gesellschaft erklärt ausdrücklich, dass Investitionen in Spieler durch Darlehen der Red Bull GmbH finanziert werden. Zum Bilanzstichtag bestanden Verbindlichkeiten gegenüber Unternehmen mit Beteiligungsverhältnis von 163,98 Millionen Euro. Darin enthalten waren Gesellschafterdarlehen von rund 162,10 Millionen Euro.

Damit stammen etwa 44 Prozent aller bilanzierten Verbindlichkeiten aus dem Gesellschafterumfeld. Einerseits ist dies ein großer Stabilitätsfaktor: Der Lagebericht hält Liquiditätsengpässe aufgrund der Verträge mit Red Bull für nicht wahrscheinlich.

Andererseits ist die Gesellschaft erkennbar von dieser Finanzierung abhängig. Ohne die langfristige Unterstützung und Refinanzierungsbereitschaft des Gesellschafters wäre die Finanzstruktur deutlich angespannter. Die langfristigen Darlehen sind zudem durch bestehende und zukünftige Transferforderungen besichert.

Aus wirtschaftlicher Sicht ist Red Bull daher gleichzeitig Sicherheitsnetz und Konzentrationsrisiko.

Eigenkapital vorhanden, aber kein weiterer Aufbau

Mit 118,49 Millionen Euro verfügt die Gesellschaft über eine Eigenkapitalquote von rund 22,3 Prozent. Für einen kapitalintensiven Profifußballklub ist das grundsätzlich ein brauchbarer Wert.

Allerdings ist das Eigenkapital gegenüber dem Vorjahr nicht gestiegen. Der Jahresüberschuss von 1,60 Millionen Euro wurde vollständig ausgeschüttet beziehungsweise als Vorabdividende berücksichtigt. Der Bilanzgewinn blieb dadurch unverändert bei 15,99 Millionen Euro.

Die Ausschüttung ist im Verhältnis zur Bilanzsumme gering und gefährdet die Gesellschaft nicht. Dennoch wäre angesichts der hohen Verbindlichkeiten, der geringen Liquidität und der volatilen Sporterlöse auch eine Stärkung der Eigenkapitalbasis nachvollziehbar gewesen.

Auffälliger Anstieg der Rückstellungen

Die Rückstellungen stiegen von 15,88 Millionen Euro auf 27,91 Millionen Euro und damit um rund 76 Prozent.

Besonders stark erhöhten sich die Rückstellungen für Personalkosten: von 3,67 Millionen Euro auf 13,69 Millionen Euro. Hinzu kommen Rückstellungen für ausstehende Rechnungen und Zinsen von 9,91 Millionen Euro nach 7,45 Millionen Euro im Vorjahr.

Ein höherer Rückstellungsbestand bedeutet, dass das Unternehmen mit künftigen Belastungen rechnet, deren Höhe oder Fälligkeit noch nicht vollständig feststeht. Die Angaben im Anhang erklären die Kategorien, lassen aber keine abschließende Beurteilung der konkreten Ursachen zu. Der Anstieg ist daher beobachtungsbedürftig, aber ohne weitere Informationen kein Beleg für eine Krise.

Erhebliche Verpflichtungen außerhalb der Bilanz

Zusätzlich zu den bilanzierten Schulden bestehen langfristige und bedingte finanzielle Verpflichtungen:

  • rund 72,64 Millionen Euro aus dem Stadionmietvertrag,
  • rund 111,89 Millionen Euro aus Werbeverträgen für das Namensrecht am Stadion,
  • bis zu 55,00 Millionen Euro gegenüber Spielerberatern und anderen Klubs, abhängig von Bedingungen wie Klassenerhalt, Prämien und Pflichtspieleinsätzen.

Zusammen ergibt das ein theoretisches Volumen von bis zu rund 239,5 Millionen Euro. Diese Beträge sind nicht vollständig sofort fällig und teilweise an Bedingungen geknüpft. Trotzdem müssen sie bei einer Gesamtbetrachtung der finanziellen Belastungen berücksichtigt werden.

Positiv ist, dass keine Haftungsverhältnisse im Sinne des § 251 HGB bestanden.

Die sportliche Schwäche erreicht die Finanzplanung

Der siebte Tabellenplatz war laut Lagebericht die schlechteste Bundesligaplatzierung seit dem Aufstieg. Hinzu kam ein frühes Ausscheiden in der Champions League. Dadurch fehlen in der folgenden Saison sämtliche Einnahmen aus einem UEFA-Klubwettbewerb.

Die Gesellschaft plant, diese Lücke teilweise durch höhere Transfererlöse sowie niedrigere Personalkosten und Spielerabschreibungen infolge des Kaderumbruchs auszugleichen. Für das Folgejahr wird erneut ein Jahresüberschuss in einer ähnlichen Größenordnung wie 2024/25 erwartet.

Diese Prognose ist nachvollziehbar, aber anspruchsvoll. Sie hängt von mehreren Faktoren gleichzeitig ab:

  1. Spieler müssen zu den erwarteten Preisen verkauft werden.
  2. Die Personalkosten müssen tatsächlich sinken.
  3. Der sportliche Neuaufbau darf die Bundesligaeinnahmen nicht gefährden.
  4. Eine Rückkehr in den internationalen Wettbewerb sollte möglichst schnell gelingen.

Der Lagebericht bezeichnet die regelmäßige Teilnahme an UEFA-Wettbewerben selbst als Fundament des wirtschaftlichen Erfolgs. Das zeigt, dass das Geschäftsmodell zwar aktuell tragfähig ist, aber dauerhaft hohe sportliche Ergebnisse benötigt.

Nachträgliche Korrektur der Fristigkeiten

Der veröffentlichte Abschluss wurde nach Vorlage des Prüfungsberichts geändert. Dabei wurden Gesellschafterverbindlichkeiten von 11,09 Millionen Euro nicht mehr als mittel-, sondern als kurzfristig eingestuft.

Die Korrektur verändert weder die Höhe der Gesamtschulden noch den Jahresgewinn. Sie verschlechtert jedoch das Bild der kurzfristigen Fälligkeitsstruktur. Dass die Angabe berichtigt wurde, ist transparent; gleichzeitig zeigt der Vorgang, wie wichtig eine genaue Prüfung der kurzfristigen Liquiditätsbelastung ist.

Uneingeschränkter Bestätigungsvermerk

Der Abschlussprüfer hat keine Einwendungen gegen die Ordnungsmäßigkeit des Jahresabschlusses und des Lageberichts erhoben. Nach seinem Urteil vermitteln die Unterlagen ein den tatsächlichen Verhältnissen entsprechendes Bild und stellen Chancen und Risiken zutreffend dar.

Das ist ein wesentliches positives Signal. Ein uneingeschränkter Bestätigungsvermerk bedeutet allerdings nicht, dass das Geschäftsmodell risikolos oder besonders profitabel ist. Er bestätigt vor allem, dass der Abschluss nach den maßgeblichen Rechnungslegungsvorschriften ordnungsgemäß erstellt wurde.

Gesamturteil

Die wirtschaftliche Lage von RB Leipzig ist stabil, aber stark beansprucht.

Positiv sind der hohe Umsatz, das positive Jahresergebnis, die vorhandene Eigenkapitalbasis, die breite Erlösstruktur und die gesicherte Finanzierung durch Red Bull. Auch der deutliche Anstieg der Spielbetriebseinnahmen zeigt, dass der Klub wirtschaftlich mehr ist als ein reines Transfermodell.

Kritisch sind dagegen:

  • die sehr geringe Gewinnmarge,
  • der wachsende Personal- und Abschreibungsaufwand,
  • die hohe Konzentration der Vermögenswerte im Spielerkader,
  • die äußerst niedrigen liquiden Mittel am Bilanzstichtag,
  • die hohen kurz- und mittelfristigen Transferverbindlichkeiten,
  • die Abhängigkeit von Gesellschafterdarlehen,
  • die erheblichen Verpflichtungen außerhalb der Bilanz,
  • sowie das Fehlen internationaler Einnahmen in der Folgesaison.

Die Bilanz zeigt keinen akut gefährdeten Klub. Sie zeigt aber ein Unternehmen, dessen wirtschaftliche Stabilität eng mit sportlichem Erfolg, erfolgreichen Transfers und der fortdauernden Unterstützung durch Red Bull verbunden ist. Der wichtigste Prüfstein ist daher nicht die Vergangenheit, sondern die Frage, ob der Kaderumbau sportlich funktioniert und zugleich die geplanten Transfererlöse und Kostensenkungen tatsächlich erreicht werden.

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