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KI putzt gratis Wohnungen: Der Staubsauger will nur deine Seele

2857440 (CC0), Pixabay
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Kostenloses Putzen, ein Privatkoch und freundliche junge Menschen, die freiwillig den Abwasch übernehmen – für viele Großstädter klingt das wie ein Wunder.

Für ein KI-Unternehmen ist es hingegen Datenerfassung.

Die Firma Shift bietet New Yorkern derzeit kostenlose Reinigungen ihrer Wohnungen an. Der Haken: Die Reinigungskräfte tragen Kameras auf dem Kopf und filmen praktisch jede Bewegung in der Wohnung.

Was früher als Einbruch gegolten hätte, wird heute als Innovationsstrategie bezeichnet.

Kostenlos – also fast

Das Geschäftsmodell ist simpel.

Zwei junge Mitarbeiter erscheinen in der Wohnung, putzen Küche, Bad und Wohnzimmer und zeichnen dabei jede einzelne Handbewegung auf.

Die Daten sollen später KI-Systeme und Roboter trainieren.

Oder wie es das Unternehmen formuliert:

„Die Zukunft der Menschheit voranbringen.“

Oder wie Skeptiker es formulieren:

„Den Staubsauger mit Überwachungskamera vorbereiten.“

Die Wohnung als Trainingslager

Firmengründer Bercan Kilic erklärt, dass Roboter lernen müssen, mit der realen Welt umzugehen.

Jede Küche sei anders.

Jeder Lappen sei anders.

Jeder Bewohner habe andere Vorstellungen davon, wie lange man einen Kühlschrank ignorieren könne, bevor er als biologisches Experiment eingestuft werde.

Deshalb brauche man „Tonnen von Daten“.

Und wo findet man diese?

Richtig: In den Wohnungen ahnungsloser Menschen, die bei dem Wort „kostenlos“ kurzzeitig jede Datenschutzbedenken verlieren.

Datenschutzexperten bekommen Schnappatmung

Datenschutzorganisationen reagierten wenig begeistert.

Ein Experte bezeichnete das Konzept als eine kreative Form des Datenhandels.

Eine andere Fachfrau sprach sogar von einer „diabolisch kreativen Methode, Privatsphäre zu verkaufen“.

Tatsächlich könnten die Kameras alles erfassen:

Familienfotos.

Dokumente.

Persönliche Gegenstände.

Medikamente.

Den geheimen Vorrat an Schokolade hinter den Cornflakes.

Kurz gesagt: alles, was Menschen normalerweise nicht ins Internet stellen möchten.

Die Generation TikTok sieht kein Problem

Die jungen Reinigungskräfte selbst wirken hingegen begeistert.

Einer von ihnen hat seiner Mutter sogar eine Kameraausrüstung geschickt, damit sie ebenfalls Hausarbeiten filmt.

Für viele junge Technikfans ist das kein Eingriff in die Privatsphäre, sondern die Chance, an der nächsten großen technologischen Revolution mitzuwirken.

Oder zumindest am nächsten Software-Update eines zukünftigen Staubsaugerroboters.

Der Deal des Jahrhunderts?

Das Unternehmen argumentiert offen:

Jeden Tag würden Menschen ihre Daten ohnehin kostenlos an soziale Netzwerke verschenken.

Hier bekämen sie wenigstens eine saubere Wohnung dafür.

Das klingt zunächst logisch.

Bis man sich fragt, warum milliardenschwere Technologieunternehmen plötzlich freiwillig Badezimmer schrubben.

Die Zukunft kommt mit Wischmopp

Langfristig soll das Konzept weit über das Putzen hinausgehen.

Mechaniker reparieren bereits Autos für Datensätze.

Köche kochen für Datensätze.

Irgendwann könnten Menschen vermutlich auch Babysitten, Fenster putzen oder den Hund ausführen – alles im Namen der künstlichen Intelligenz.

Die Vision ist klar:

Heute putzt ein Mensch mit Kamera.

Morgen putzt ein Roboter.

Übermorgen erklärt derselbe Roboter seinem menschlichen Vorgänger, dass dessen Arbeitsplatz leider automatisiert wurde.

Fazit

Die Bewohner New Yorks stehen damit vor einer modernen Grundsatzfrage:

Möchte man lieber selbst das Badezimmer putzen?

Oder möchte man eine KI dabei trainieren, es künftig zu übernehmen – während sie gleichzeitig weiß, welche Zahnpasta man benutzt, wie oft man den Kühlschrank öffnet und wo die Weihnachtsgeschenke versteckt sind?

Die Zukunft der künstlichen Intelligenz beginnt offenbar nicht im Silicon Valley.

Sondern im Bad eines ahnungslosen New Yorkers, der sich nur über eine kostenlose Wohnungsreinigung gefreut hat.

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