Die britische Rennfahrerin Katherine Legge will Motorsport-Geschichte schreiben. Die 45-Jährige plant Ende Mai ein extrem seltenes und kräftezehrendes Kunststück: Sie will am selben Tag sowohl beim berühmten Indianapolis 500 als auch beim NASCAR-Rennen Coca-Cola 600 in Charlotte starten.
Noch nie zuvor hat eine Frau dieses sogenannte „Double“ versucht.
„Warum nicht?“, sagt Legge selbstbewusst im Gespräch mit „USA Today“. Es sei eine weitere Möglichkeit zu zeigen, „dass man alles schaffen kann, wenn man es wirklich will“.
Mehr als 1.100 Rennkilometer an einem Tag
Das Vorhaben gilt als eine der härtesten Herausforderungen im internationalen Motorsport. Die Fahrer müssen dabei an einem einzigen Tag mehr als 1.100 Meilen – also rund 1.770 Kilometer – im Renntempo absolvieren.
Nur fünf Fahrer haben das „Double“ bislang überhaupt versucht, darunter Tony Stewart und Kyle Larson.
Legge wird zunächst beim Indy 500 für HMD Motorsports mit AJ Foyt Racing antreten. Anschließend soll sie per Helikopter und Privatflug nach Charlotte gebracht werden, um dort am Abend im NASCAR-Cup-Rennen für Live Fast Motorsports zu starten.
Zwischen den beiden Rennen bleibt kaum Zeit zur Regeneration. Laut Legge ist der gesamte Ablauf „minutengenau durchorganisiert“.
Pionierin im Motorsport
Katherine Legge gehört seit Jahren zu den bekanntesten Frauen im internationalen Rennsport. Sie fuhr unter anderem in der Formel E, bei den 24 Stunden von Le Mans, in der IMSA-Serie und bereits mehrfach beim Indy 500.
Sie hält außerdem den Rekord für die schnellste Qualifikationsrunde einer Frau beim Indy 500.
Charlotte wird ihr inzwischen neunter Start in der NASCAR Cup Series sein. Bereits 2025 war sie als erste Frau seit Jahren wieder regelmäßig in der Serie vertreten.
Unterstützung von ungewöhnlicher Seite
Besonders bemerkenswert: Gesponsert wird Legge von der Kosmetikmarke e.l.f. Cosmetics. Das Unternehmen war eines der ersten Beauty-Labels überhaupt im Motorsport.
Legge sagt, die Partnerschaft habe ihre Karriere verändert. Lange habe sie das Gefühl gehabt, sich im Motorsport anpassen zu müssen, um akzeptiert zu werden.
„Zum ersten Mal konnte ich authentisch ich selbst sein und gleichzeitig erfolgreich bleiben“, sagt sie.
Sorge um fehlenden Nachwuchs
Trotz ihres historischen Projekts blickt Legge auch kritisch auf die Zukunft von Frauen im Motorsport. Ihrer Ansicht nach fehlt es aktuell an jungen Fahrerinnen, die den Sprung in die höchsten Rennklassen schaffen könnten.
Zwischen Danica Patricks letztem NASCAR-Rennen und Legges Debüt lagen mehr als sieben Jahre ohne Frau in der NASCAR-Spitzenserie.
„Wir brauchen nicht nur eine talentierte Fahrerin, sondern gleich mehrere“, sagt Legge. Motorsport sei letztlich auch ein Zahlenspiel. Es gebe hunderte männliche Talente – bei Frauen fehle oft schon der Zugang.
Ihr Ziel sei deshalb nicht nur sportlicher Erfolg, sondern auch Sichtbarkeit für kommende Generationen.
„Um etwas werden zu können, muss man es zuerst sehen können“, sagt Legge.
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