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Jetzt verlieren wir nicht nur auf dem Rasen – Dynamo kassiert die nächste Pleite vor Gericht

jorono (CC0), Pixabay
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Ein Kommentar aus Sicht eines Dynamo-Fans: Sportlich läuft es bescheiden, beim Landgericht gibt’s ebenfalls nichts zu holen – und dann erklärt uns der Richter auch noch, Dynamo werde geführt „wie der Musikverein von Buxtehude“. Mensch, Dynamo, muss das wirklich sein?

Von einem leicht verzweifelten Dynamo-Fan für diebewertung.de

Es gibt Wochen, da sollte man als Dynamo-Fan morgens einfach liegen bleiben.

Decke über den Kopf.

Handy aus.

Keine Tabelle anschauen.

Keine Sportnachrichten lesen.

Und inzwischen offenbar auch:

Bloß nicht nachsehen, was beim Landgericht Dresden passiert.

Denn während unsere SGD auf dem Fußballplatz gerade ausreichend damit beschäftigt ist, uns den Blutdruck nach oben zu treiben, haben wir jetzt ein zweites Spielfeld entdeckt, auf dem es offenbar ebenfalls nicht besonders gut läuft:

den Gerichtssaal.

Jetzt verlieren wir nicht nur auf dem Rasen

Man muss Dynamo einfach lieben.

Andere Vereine verlieren am Wochenende 0:2 und haben anschließend sechs Tage Ruhe.

Bei uns geht das Programm weiter.

Erst sportliche Sorgen.

Dann interne Querelen.

Dann Ehrenrat.

Dann Aufsichtsrat.

Dann Landgericht.

Dann Widerspruch.

Dann wieder Landgericht.

Und möglicherweise demnächst Oberlandesgericht.

Europapokal können wir gerade nicht – aber Justizpokal läuft.

Leider scheiden wir dort offenbar ebenfalls regelmäßig aus.

Der Fall Thomas Blümel

Im Mittelpunkt steht Aufsichtsrat Thomas Blümel.

Der Dynamo-Ehrenrat hatte ihn wegen eines angeblichen Geheimnisverrats seines Amtes enthoben und zeitweise aus dem Verein ausgeschlossen.

Blümel bestreitet die Vorwürfe.

Er ging dagegen gerichtlich vor – und bekam zunächst Recht.

Das Landgericht Dresden setzte die Entscheidung des Ehrenrats vorläufig außer Kraft.

Damit hätte man sich im Verein möglicherweise fragen können:

War unsere Reaktion vielleicht etwas zu heftig?

Aber wir sind Dynamo Dresden.

Also:

Widerspruch!

Und wieder ab zum Landgericht.

Ergebnis: nächste Niederlage

Dort gab es nun erneut nichts zu holen.

Richter Norbert Bahr bestätigte nach der aktuellen Berichterstattung die vorherige Entscheidung.

Damit bleibt Blümel vorerst sowohl Aufsichtsratsmitglied als auch Vereinsmitglied.

Die Verfahrenskosten muss demnach Dynamo tragen.

Wunderbar.

Wir haben schließlich Geld wie Heu.

Da kann man ein bisschen davon ruhig in Gerichtsverfahren investieren.

Ironie Ende.

Worum ging es bei diesem angeblichen Geheimnis eigentlich?

Jetzt wird es besonders schön.

Man könnte bei Begriffen wie „Geheimnisverrat“ schließlich vermuten, hier seien streng geheime Millionenverträge, Transferlisten oder Bankunterlagen nach außen gelangt.

Nach der Berichterstattung ging es jedoch um eine Diskussion innerhalb des Aufsichtsrats über die mögliche zukünftige Tätigkeit des damaligen Co-Trainers Heiko Scholz.

„Scholle“ sollte eventuell teilweise im Scouting eingesetzt werden.

Diese Überlegungen sollen nach außen gelangt sein.

Blümel bestreitet, dafür verantwortlich gewesen zu sein.

Und auf dieser Grundlage verhängte der Ehrenrat offenbar gleich die Maximallösung:

Amt weg.

Mitgliedschaft vorübergehend weg.

Da kann man schon fragen:

Eine Nummer kleiner war gerade ausverkauft?

Der Richter fand das offenbar auch etwas ambitioniert

Richter Bahr machte nach der veröffentlichten Darstellung ziemlich deutlich, was er von der Verhältnismäßigkeit hielt.

Es hätte mildere Sanktionen wie einen Verweis oder ein Ordnungsgeld gegeben, argumentierte er sinngemäß.

Stattdessen sei die höchstmögliche Sanktion gewählt worden.

Besonders bemerkenswert ist seine Aussage zur Aufgabe des Aufsichtsrats.

Dessen Aufgabe sei schließlich die Kontrolle der Geschäftsführung. Um einem Aufsichtsratsmitglied diese Tätigkeit vollständig abzusprechen, müsse schon erheblich mehr vorliegen.

Auch die Beweislage überzeugte das Gericht offenbar nicht.

Das ist der Punkt, an dem man als Dynamo-Mitglied langsam unruhig werden darf.

Denn wenn ein Verein einen gewählten Funktionsträger mit einer derart drastischen Sanktion belegt, sollte die Grundlage dafür ziemlich stabil sein.

Nicht:

Könnte.

Vielleicht.

Irgendjemand muss es gewesen sein.

Sondern belastbar.

Und dann kam Buxtehude

Bis hierhin war es ein normales Vereinsrechtsverfahren.

Dann allerdings entwickelte Richter Bahr offenbar Lust auf eine kleine Nachspielzeit.

Er stellte zunächst klar, dass er kein Dynamo-Mitglied sei.

Allerdings habe er früher Heimspiele besucht und sogar einmal eine Jahreskarte besessen.

Und dann kam der Satz.

Der Satz, den man als Dynamo-Fan am Montagmorgen eigentlich nicht lesen möchte:

„Der Verein pendelt seit Jahren zwischen der zweiten und dritten Liga. Weil er geführt wird, wie der Musikverein von Buxtehude.“

Autsch.

Lieber Musikverein Buxtehude:

Solltet Ihr existieren und ordentlich geführt werden, möchten wir uns vorsorglich entschuldigen.

Ihr habt das nicht verdient.

Das Schlimmste daran?

Als Dynamo-Fan möchte man jetzt natürlich sofort empört aufspringen.

Was erlaubt sich dieser Richter?

Musikverein!

Buxtehude!

Unser Dynamo!

Achtmal Europapokal-Viertelfinale!

DDR-Meister!

Pokalsieger!

Traditionsverein!

Rudolf-Harbig-Stadion!

Mehr als 30.000 Menschen auf den Rängen!

Wir sind doch kein Musikverein!

Und dann setzt man sich wieder hin.

Denkt an die vergangenen Jahre.

An interne Machtkämpfe.

An Personalentscheidungen.

An öffentliche Auseinandersetzungen.

An sportliche Abstürze und Wiederaufstiege.

An Gremienstreit.

An Ehrenrat gegen Aufsichtsrat.

An Gerichtstermine.

Und plötzlich wird es unangenehm still.

Dynamo kann so viel größer sein als dieses Theater

Genau deshalb nervt diese Geschichte als Fan.

Nicht weil Thomas Blümel Recht bekommen hat.

Wenn eine Vereinsentscheidung rechtlich keinen Bestand hat, muss sie korrigiert werden.

Das gehört zu einem Rechtsstaat.

Es nervt, weil Dynamo Dresden eigentlich alles besitzt, wovon viele Vereine nur träumen können.

Eine riesige Anhängerschaft.

Ein volles Stadion.

Emotionen.

Tradition.

Identifikation.

Eine ganze Region, in der Dynamo für viele Menschen weit mehr ist als irgendein Fußballverein.

Und trotzdem schaffen wir es immer wieder, Energie mit Nebenschauplätzen zu verbrennen.

Ehrenrat gegen Aufsichtsrat – ernsthaft?

Vielleicht bin ich als Fan zu einfach gestrickt.

Ich möchte samstags Fußball sehen.

Ich möchte, dass Dynamo gewinnt.

Gelegentlich würde mir sogar schon reichen, dass Dynamo nicht verliert.

Ich möchte einen Verein, dessen Verantwortliche gemeinsam daran arbeiten, sportlich dauerhaft voranzukommen.

Was ich nicht unbedingt brauche:

vereinsinterne Verfassungskrisen mit anschließender gerichtlicher Fortsetzung.

Dafür gibt es Netflix.

Und jetzt vielleicht noch zum Oberlandesgericht?

Dynamo soll nun zwei Wochen Zeit haben, gegen die Entscheidung Berufung einzulegen.

Damit könnte das nächste Kapitel folgen.

Oberlandesgericht.

Weitere Anwälte.

Weitere Schriftsätze.

Weitere Kosten.

Weitere Schlagzeilen.

Und möglicherweise irgendwann:

Bundesgerichtshof.

Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte.

UNO-Sicherheitsrat.

Bis endgültig geklärt ist, wer wem erzählt haben könnte, dass Heiko Scholz möglicherweise teilweise Scout werden sollte.

Man verzeihe mir die Übertreibung.

Aber irgendwann muss doch auch einmal Schluss sein.

Vielleicht einfach das Urteil akzeptieren?

Natürlich muss die Vereinsführung prüfen, ob Rechtsmittel juristisch sinnvoll sind.

Dafür gibt es Anwälte.

Aber aus Fansicht stellt sich eine wesentlich einfachere Frage:

Was gewinnen wir eigentlich noch, wenn wir diesen Streit weiterführen?

Selbst wenn Dynamo in der nächsten Instanz Recht bekäme:

Ist der Schaden durch die öffentliche Auseinandersetzung dann kleiner?

Ist der Verein anschließend geeinter?

Sind die sportlichen Probleme gelöst?

Stehen wir deshalb einen Tabellenplatz höher?

Vermutlich nicht.

Und dann der letzte Satz des Richters

Richter Bahr soll die Verhandlung mit einem bemerkenswerten Wunsch beendet haben:

„Hauptsache, Sie gewinnen jetzt mal Ihre Spiele …“

Herr Bahr!

Da sind wir endlich einer Meinung.

Vergessen wir Ehrenrat.

Vergessen wir Aufsichtsrat.

Vergessen wir einstweilige Verfügung, Widerspruch und Verhältnismäßigkeitsprüfung.

Diesen Antrag unterstützen vermutlich 30.000 Dynamo-Fans ohne Gegenstimme.

Bitte einfach mal Spiele gewinnen.

Lieber Dynamo, wir Fans sind leidensfähig

Das müsste der Verein inzwischen eigentlich wissen.

Wir fahren nach Sandhausen.

Wir fahren nach Elversberg.

Wir stehen im Regen.

Wir stehen montags im Stau.

Wir kaufen Dauerkarten.

Wir kaufen Trikots.

Wir diskutieren über Aufstellungen, bis unsere Familien nicht mehr mit uns reden wollen.

Wir steigen ab.

Wir steigen wieder auf.

Wir steigen wieder ab.

Und trotzdem kommen wir wieder.

Dynamo-Fans können einiges vertragen.

Aber manchmal möchte man den Verantwortlichen zurufen:

Macht es uns doch bitte nicht noch zusätzlich schwer.

Jetzt verlieren wir nicht nur auf dem Rasen

Sportlich steckt Dynamo in einer schwierigen Situation.

Jetzt kommt die nächste juristische Niederlage hinzu.

Thomas Blümel bleibt nach der Entscheidung des Landgerichts vorerst im Amt und Vereinsmitglied.

Dynamo trägt die Kosten.

Und als kleines Souvenir nehmen wir aus dem Gerichtssaal noch den Vergleich mit dem „Musikverein von Buxtehude“ mit nach Hause.

Läuft.

Unser Fan-Fazit

Vielleicht braucht Dynamo gerade keine weitere juristische Schlacht.

Vielleicht braucht dieser Verein etwas viel Langweiligeres:

Ruhe.

Professionalität.

Klare Zuständigkeiten.

Menschen, die miteinander statt übereinander reden.

Und eine Mannschaft, die Fußballspiele gewinnt.

Denn wir Dynamo-Fans haben wirklich kein Problem damit, zu leiden.

Das gehört schließlich zur Mitgliedschaft praktisch dazu.

Aber könnten wir bitte wieder hauptsächlich wegen Fußball leiden?

Das wäre schon ein Fortschritt.

Und lieber Dynamo:

Wenn Ihr demnächst unbedingt wieder irgendwo gewinnen wollt, versucht es doch zur Abwechslung einmal auf diesem großen grünen Rechteck.

Da gibt es sogar Punkte dafür.

Forza Dynamo.

P.S.: Liebe Grüße nach Buxtehude. Nichts für ungut.

Dieser Beitrag ist ein launischer, satirisch zugespitzter Kommentar aus der Perspektive eines Dynamo-Anhängers. Die wiedergegebenen Äußerungen des Richters und Angaben zum Gerichtsverfahren beruhen auf der zitierten aktuellen Medienberichterstattung. Thomas Blümel bestreitet den ihm vorgeworfenen Geheimnisverrat.

 

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