Es geschehen noch Zeichen und Wunder:
Ausgerechnet in den USA, wo Israel jahrzehntelang fast zur außenpolitischen Staatsreligion gehörte, bröckelt die Unterstützung inzwischen schneller als ein Wahlversprechen im Präsidentschaftswahlkampf.
Laut einer neuen Umfrage des Pew Research Center sehen mittlerweile 60 Prozent der Amerikaner Israel negativ. Vor einem Jahr waren es noch 53 Prozent. 2022 hatte noch die Mehrheit ein positives Bild. Anders gesagt:
Innerhalb von vier Jahren hat Israel in den USA einen Imageabsturz hingelegt, für den man sonst mehrere schlechte Netflix-Dokus, drei Korruptionsaffären und einen missglückten Super-Bowl-Auftritt bräuchte.
Besonders unerquicklich für Jerusalem:
Vor allem jüngere Amerikaner wenden sich ab. Rund 70 Prozent der Unter-50-Jährigen haben inzwischen ein negatives Bild von Israel. Das ist politisch nicht irgendein Trend, sondern eine mittelfristige Katastrophe. Denn wer heute 25 ist, sitzt morgen im Kongress, in Redaktionen oder auf den Spenderlisten.
Bei den Demokraten ist die Sache ohnehin längst gekippt:
80 Prozent sehen Israel inzwischen kritisch. Aber selbst bei den Republikanern, die traditionell treu an der Seite Israels stehen, ist das Bild nicht mehr makellos. Zwar überwiegt dort noch Zustimmung – aber auch hier wächst der Unmut. Und wenn sogar Gestalten wie Tucker Carlson oder Marjorie Taylor Greene anfangen, gegen die Iran-Politik und die Nähe zu Israel zu schießen, dann weiß man:
Die transatlantische Komfortzone hat Risse.
Ein Hauptgrund liegt auf der Hand:
Viele Amerikaner haben zunehmend den Eindruck, dass Benjamin Netanjahu die USA immer tiefer in Konflikte im Nahen Osten hineinzieht. Gaza, Westjordanland, Libanon, Iran – das Ganze wirkt inzwischen auf viele nicht mehr wie Verteidigungspolitik, sondern wie ein geopolitischer Daueralarm mit US-Begleitmusik.
Netanjahu selbst ist in den USA inzwischen fast so beliebt wie ein Zahnarzttermin am Feiertag:
Weniger als 30 Prozent trauen ihm laut Umfrage zu, in Weltfragen „das Richtige“ zu tun. Das ist bemerkenswert – selbst für einen Regierungschef, gegen den ein Haftbefehl des Internationalen Strafgerichtshofs wegen mutmaßlicher Kriegsverbrechen im Raum steht.
Auch religiös zeigt sich ein klares Bild:
Während jüdische Amerikaner und weiße evangelikale Protestanten Israel mehrheitlich weiterhin positiv sehen, fällt die Zustimmung in fast allen anderen Gruppen teils dramatisch ab. Besonders deutlich: Nur 4 Prozent der muslimischen Amerikaner haben ein positives Bild Israels. Das dürfte selbst in Tel Aviv niemanden völlig überraschen.
Besonders spannend ist aber die politische Großwetterlage:
Die klassische Formel „USA stehen immer hinter Israel, egal was passiert“ funktioniert nicht mehr automatisch.
Der alte Reflex schwächelt.
Die moralische Kreditlinie ist nicht mehr grenzenlos.
Und der innenpolitische Preis für blinde Gefolgschaft steigt.
Fazit:
Israel war in Amerika jahrzehntelang fast unkündbarer Premium-Partner.
Jetzt zeigt sich: Selbst Dauerfreundschaften in Washington haben ein Verfallsdatum, wenn Bomben, Eskalation und Netanjahu zur Dauerschleife werden.
Oder kürzer:
Wenn sogar Amerika langsam genervt ist, sollte in Jerusalem vielleicht mal jemand den Rauchmelder hören.
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