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Interview: „Greenwashing wird ab Herbst 2026 deutlich riskanter“

Maklay62 (CC0), Pixabay
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Was Unternehmen jetzt über die neue EmpCo-Richtlinie wissen müssen

Ein Gespräch mit Digital-Experte Tim Schlautmann, Geschäftsführer der Marketport GmbH aus Warendorf

Redaktion: Herr Schlautmann, ab dem 27. September 2026 gilt die sogenannte EmpCo-Richtlinie. Viele Unternehmen haben den Begriff noch nie gehört. Worum geht es dabei?

Tim Schlautmann: Die EmpCo-Richtlinie – offiziell „Empowering Consumers for the Green Transition“ – ist eine neue EU-Regelung, die Verbraucher besser vor irreführenden Umwelt- und Nachhaltigkeitsversprechen schützen soll. Vereinfacht gesagt: Unternehmen dürfen künftig nicht mehr einfach mit Begriffen wie „nachhaltig“, „klimaneutral“ oder „umweltfreundlich“ werben, wenn sie diese Aussagen nicht belastbar nachweisen können.

Redaktion: Warum verschärft die EU gerade jetzt die Regeln?

Tim Schlautmann: Weil Greenwashing in den vergangenen Jahren massiv zugenommen hat. Viele Unternehmen haben Nachhaltigkeit als Marketinginstrument entdeckt. Das Problem: Nicht jede Aussage hält einer rechtlichen Prüfung stand. Verbraucher sollen künftig klar erkennen können, welche Umweltversprechen tatsächlich belegt sind und welche lediglich gut klingen.

Redaktion: Welche Aussagen könnten künftig problematisch werden?

Tim Schlautmann: Das betrifft beispielsweise Formulierungen wie:

  • „klimaneutral“
  • „CO₂-neutral“
  • „umweltfreundlich“
  • „grün“
  • „nachhaltig“
  • „ökologisch“
  • „klimapositiv“

Solche Begriffe dürfen künftig nicht mehr pauschal verwendet werden. Unternehmen müssen im Zweifel nachweisen können, worauf sich diese Aussage konkret bezieht und welche wissenschaftlichen Belege dafür existieren.

Redaktion: Betrifft das nur große Konzerne?

Tim Schlautmann: Ganz klar nein. Die Richtlinie gilt für alle Unternehmen, die gegenüber Verbrauchern werben. Egal ob Mittelständler, Online-Shop, Handwerksbetrieb oder Finanzdienstleister – wer Umwelt- oder Nachhaltigkeitsversprechen nutzt, muss sich damit beschäftigen.

Redaktion: Welche Risiken drohen?

Tim Schlautmann: Zunächst einmal Abmahnungen durch Wettbewerber oder Verbraucherverbände. Darüber hinaus können Aufsichtsbehörden einschreiten. Hinzu kommt ein erheblicher Imageschaden. Wer heute mit Greenwashing in Verbindung gebracht wird, verliert schnell das Vertrauen von Kunden und Geschäftspartnern.

Redaktion: Sie beschäftigen sich intensiv mit Künstlicher Intelligenz und digitaler Reputation. Welche Rolle spielt KI dabei?

Tim Schlautmann: Eine sehr große. KI-Systeme wie Google AI Overviews, ChatGPT, Gemini oder Perplexity greifen auf öffentlich verfügbare Informationen zurück. Wenn dort unzulässige oder später beanstandete Nachhaltigkeitsaussagen auftauchen, können diese von KI-Systemen übernommen und weiterverbreitet werden.

Deshalb reicht es künftig nicht mehr aus, nur die eigene Website im Blick zu haben. Unternehmen müssen ihre gesamte digitale Reputation beobachten.

Redaktion: Bedeutet das, dass Unternehmen künftig regelmäßig überprüfen sollten, was KI-Systeme über sie sagen?

Tim Schlautmann: Absolut. Das wird aus meiner Sicht sogar zu einem neuen Standard werden. Unternehmen sollten wissen:

  • Welche Informationen liefern KI-Systeme?
  • Sind diese aktuell?
  • Sind sie korrekt?
  • Werden unzulässige Werbeaussagen übernommen?

Genau hier setzen moderne KI-Reputationsanalysen an.

Redaktion: Was empfehlen Sie Unternehmen jetzt ganz konkret?

Tim Schlautmann: Ich würde in fünf Schritten vorgehen:

  1. Sämtliche Webseiten und Marketingunterlagen überprüfen.
  2. Nachhaltigkeits- und Umweltversprechen rechtlich bewerten lassen.
  3. Nachweise und Dokumentationen aktualisieren.
  4. Die Darstellung des Unternehmens in KI-Systemen analysieren.
  5. Marketing-, Rechts- und Compliance-Abteilungen enger zusammenarbeiten lassen.

Wer jetzt handelt, hat später deutlich weniger Aufwand.

Redaktion: Glauben Sie, dass viele Unternehmen die neue Richtlinie unterschätzen?

Tim Schlautmann: Ja. Viele beschäftigen sich derzeit noch mit Themen wie KI, Digitalisierung oder Cybersecurity. Die EmpCo-Richtlinie läuft eher unter dem Radar. Ich glaube allerdings, dass sich das spätestens Ende 2026 ändern wird, wenn erste Verfahren und Abmahnungen bekannt werden.

Redaktion: Ihr Fazit?

Tim Schlautmann: Nachhaltigkeit bleibt ein wichtiges Thema – aber sie muss künftig nachvollziehbar, belegbar und transparent kommuniziert werden. Gleichzeitig wird die digitale Reputation immer wichtiger. Denn nicht nur Kunden lesen Unternehmensinformationen, sondern auch Künstliche Intelligenz. Wer hier sauber arbeitet, schützt nicht nur seine Marke, sondern schafft langfristig Vertrauen.

Redaktion: Vielen Dank für das Gespräch.

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