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Helium-3: Der seltene Rohstoff vom Mond – und warum ein Wettlauf um seine Förderung begonnen hat

NEWAYFotostudio (CC0), Pixabay
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In einem streng gesicherten Labor der britischen Lancaster University lagert einer der wertvollsten Rohstoffe der Welt – nicht in Tresoren, sondern in unscheinbaren Metallfässern, die auf den ersten Blick an Bierfässer erinnern. Ihr Inhalt ist jedoch weit kostbarer: Helium-3.

Ein einziger Liter dieses seltenen Gases kostet derzeit rund 2.000 US-Dollar. Künftig könnte der Preis noch deutlich steigen, denn Helium-3 gilt als möglicher Schlüsselrohstoff für Quantencomputer, modernste Forschungseinrichtungen und sogar für die Kernfusion – die Energiequelle der Zukunft.

Ein seltenes Gas mit außergewöhnlichen Eigenschaften

Helium-3 ist ein Isotop des bekannten Heliums. Während das weit verbreitete Helium-4 beispielsweise in Luftballons verwendet wird, besitzt Helium-3 besondere physikalische Eigenschaften, die es für die Wissenschaft äußerst wertvoll machen.

Forscher nutzen es unter anderem für:

  • Quantencomputer,
  • Teilchenphysik und Dunkle-Materie-Forschung,
  • extrem leistungsfähige Kühlsysteme,
  • zukünftige Kernfusionsreaktoren.

Vor allem in der Quantencomputer-Technologie spielt Helium-3 eine entscheidende Rolle. Es ermöglicht Temperaturen nahe dem absoluten Nullpunkt von minus 273 Grad Celsius. Ohne diese extremen Kühlbedingungen wären viele Quantencomputer nicht funktionsfähig.

Die aktuelle Quelle: Atomwaffen

Das Problem: Helium-3 ist auf der Erde äußerst selten.

Der größte Teil der heutigen Produktion stammt indirekt aus dem militärischen Bereich. Das Gas entsteht beim Zerfall von Tritium, einem Wasserstoffisotop, das in Atomwaffen verwendet wird.

Experten schätzen, dass weltweit jährlich lediglich einige Zehntausend Liter Helium-3 auf diese Weise gewonnen werden können. Gleichzeitig steigt der Bedarf durch neue Technologien kontinuierlich an.

Deshalb suchen Wissenschaftler und Unternehmen nach alternativen Quellen.

Liegt die Zukunft auf dem Mond?

Besondere Hoffnungen richten sich auf den Mond.

Bereits die Apollo-Missionen brachten Mondstaubproben zur Erde zurück. Analysen ergaben, dass der sogenannte Regolith – die oberste Schicht des Mondbodens – Helium-3 enthält. Über Milliarden Jahre wurde das Gas durch den Sonnenwind in die Mondoberfläche eingebettet.

Die Theorie: Auf dem Mond könnten deutlich größere Mengen vorhanden sein als auf der Erde.

Doch wie viel tatsächlich dort lagert, weiß bislang niemand genau.

Unternehmen planen den Abbau

Besonders weit ist das US-Unternehmen Interlune aus Seattle.

Das Unternehmen entwickelt seit mehreren Jahren Technologien, um Helium-3 auf dem Mond zu fördern. Mitbegründer ist Harrison „Jack“ Schmitt, der als Astronaut der Apollo-17-Mission selbst auf dem Mond war.

Der Plan klingt futuristisch:

Autonome Mondfahrzeuge sollen künftig den Mondstaub aufnehmen, zerkleinern und erhitzen. Dabei würde das eingeschlossene Helium-3 freigesetzt, gesammelt und schließlich zur Erde transportiert.

Erste Tests der Technik wurden bereits bei Parabelflügen durchgeführt, die Schwerelosigkeit simulieren. Nach Unternehmensangaben könnte bereits ab 2027 erste Hardware auf dem Mond erprobt werden.

Das große Problem: Die Konzentration ist extrem gering

Die größte Herausforderung besteht allerdings darin, dass Helium-3 selbst auf dem Mond nur in winzigen Mengen vorkommt.

Schätzungen gehen von wenigen Teilen pro Milliarde aus. Um ein einziges Kilogramm Helium-3 zu gewinnen, müssten möglicherweise Hunderttausende Tonnen Mondboden bewegt und verarbeitet werden.

Experten sprechen deshalb von einem regelrechten „Berge-versetzen-Projekt“.

Ob sich ein solcher Aufwand wirtschaftlich lohnt, bleibt umstritten. Die beteiligten Unternehmen sind jedoch überzeugt, dass ihre Berechnungen einen profitablen Betrieb ermöglichen.

Konkurrenz aus den USA

Neben Interlune verfolgt auch das amerikanische Unternehmen Astrotech Corporation entsprechende Pläne.

Astrotech will Helium-3 durch Erhitzen von Mondgestein gewinnen und dafür die Starship-Raketen von SpaceX nutzen. Die Verantwortlichen räumen offen ein, dass das Vorhaben technisch äußerst anspruchsvoll ist.

Dennoch zeigen sie sich optimistisch, dass die Technologie in den kommenden Jahren Realität werden könnte.

Quantencomputer treiben die Nachfrage

Der wirtschaftliche Anreiz ist enorm.

Fachleute gehen davon aus, dass zukünftige Quantencomputer möglicherweise Tausende Liter Helium-3 benötigen werden. Entsprechend wächst das Interesse der Technologiebranche.

So hat ein finnisches Quantencomputer-Unternehmen bereits einen Vertrag über rund 300 Millionen US-Dollar mit Interlune abgeschlossen. Geplant ist die Lieferung von jährlich 10.000 Litern Helium-3 zwischen 2028 und 2037.

Gibt es Alternativen?

Nicht alle Experten sind überzeugt, dass der Mond die beste Lösung ist.

Einige Forscher arbeiten bereits an neuen Kühlsystemen für Quantencomputer, die deutlich weniger Helium-3 benötigen.

Andere suchen nach natürlichen Vorkommen auf der Erde. Das Unternehmen Pulsar Helium untersucht derzeit beispielsweise Lagerstätten im US-Bundesstaat Minnesota. Dort wurden Konzentrationen gemessen, die möglicherweise einen wirtschaftlichen Abbau ermöglichen könnten.

Ein beteiligter Wissenschaftler brachte den Vorteil der irdischen Alternative auf den Punkt:

„Minnesota ist deutlich leichter zu erreichen als der Mond.“

Fazit

Helium-3 gilt als einer der spannendsten Rohstoffe der Zukunft. Seine Bedeutung für Quantencomputer, Hochtechnologie und möglicherweise auch für die Kernfusion macht das seltene Gas zunehmend begehrt.

Ob die Menschheit tatsächlich beginnt, den Mond industriell nach Helium-3 abzubauen, ist noch offen. Klar ist jedoch: Der Wettlauf um diesen außergewöhnlichen Rohstoff hat längst begonnen – und könnte die nächste große Rohstoffrevolution auslösen.

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