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Harry und Meghan auf Australien-Tour – fast wie königlich, nur ohne großes Interesse

rachelmatthews7 (CC0), Pixabay
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Es sah aus wie eine royale Reise, klang wie eine royale Reise und war bis ins Detail so geschniegelt inszeniert, als hätte man im Buckingham-Palast noch einmal die alten Ablaufpläne aus der Schublade gezogen. Nur ein kleines Detail störte das Bild: Harry und Meghan sind längst keine arbeitenden Royals mehr – und ein Großteil Australiens schien das Ganze schlicht nicht besonders zu interessieren.

Vier Tage Ostküste, indigene Kultur, Sporttermine, Wohltätigkeit, Kriegsdenkmal, emotionale Begegnungen, warme Worte, viel Kamera. Also praktisch alles, was eine klassische Royal Tour ausmacht – nur eben in privater Mission. Eine Art Monarchie-Light für das Post-Palast-Zeitalter.

Als das Paar 2018 noch offiziell im Dienst der Krone unterwegs war, strömten Zehntausende Australier zu ihren Auftritten. Diesmal war die Lage deutlich nüchterner. Viele Menschen, mit denen die BBC sprach, wussten entweder gar nichts von dem Besuch oder fanden ihn nicht weiter relevant. Auch das ist eine Art Fortschritt: vom royalen Massenereignis zur halbprivaten Promi-Tour mit karitativem Überbau.

Immerhin: Wo man Harry und Meghan tatsächlich sah, wirkten sie ganz in ihrem Element. Selfies hier, High-Fives da, innige Gespräche, betroffenes Zuhören, herzliche Umarmungen – das volle Programm der kontrollierten Nahbarkeit. Harry erinnerte sich gerührt an frühere Begegnungen, Meghan zeigte Empathie, sprach mit Betroffenen und ließ erkennen, dass sie nicht nur Menschen, sondern auch australische Kinderbücher sehr ernst nimmt.

Das alles war sorgfältig kuratiert. Große spontane Menschenmengen? Lieber nicht. Öffentliche Walkabouts mit offenem Risiko für Buhrufe, Spötter oder peinliche Zwischenrufe? Ebenfalls eher nein. Stattdessen erschienen die Sussexes bevorzugt dort, wo Begegnungen freundlich, fotogen und planbar blieben. Das ist natürlich kein Zufall, sondern Krisenprävention mit freundlichem Gesicht. Oder, eleganter formuliert: eine Tour, die vor allem deshalb als gelungen gilt, weil nichts schiefging.

Besonders schön wurde das in den begleitenden Pressemitteilungen sichtbar. Dort tauchte das Wort „Verbindung“ beziehungsweise „connected“ dutzendfach auf, gefolgt von „community“ und „wellbeing“. Man konnte förmlich hören, wie das Kommunikationsteam aus jedem Termin einen warm schimmernden Erweckungsmoment texten wollte. Das Wort „royal“ kam dagegen fast gar nicht vor. Wahrscheinlich, weil man den Titel noch gern mitnimmt, aber die Verpflichtungen dazu lieber nicht.

Natürlich hatte die Reise nicht nur einen wohltätigen, sondern auch einen geschäftlichen Unterton. Harry sprach bei einem Mental-Health-Gipfel über sein Leben nach Dianas Tod – ein ernstes Thema, nur eben bei Eintrittspreisen, die selbst nach Preissenkungen noch knapp 1000 australische Dollar betrugen. Die Veranstalter wollten auf Nachfrage nicht sagen, ob er dafür bezahlt wurde. Das ist eine beeindruckende Kommunikationsstrategie: maximale Ernsthaftigkeit bei minimaler Transparenz.

Meghan wiederum trat bei einem schicken Frauen-Retreat auf, bei dem VIP-Tickets mehr als 3000 australische Dollar kosteten. Außerdem wurde bekannt, dass sie in eine KI-Modeplattform investiert hat, die Stilvorschläge auf Basis prominenter Looks macht – ein Geschäftsmodell irgendwo zwischen Shoppinghilfe und kommerzialisierter Selbstverwertung. Praktischerweise tauchten dort bereits Outfits auf, die sie während der Australienreise getragen hatte. Zufälle gibt es.

Hinzu kam ein Auftritt bei MasterChef Australia, für den sie angeblich nicht bezahlt wurde. Was beruhigend ist, denn bei all den Überschneidungen zwischen Food-Show, Lifestyle-Marke, Markenrechten für Küchenwaren und öffentlicher Präsenz hätte man am Ende fast noch denken können, diese Reise habe neben humanitären auch markenstrategische Funktionen.

Die Sussexes selbst räumten den kommerziellen Charakter ihres Besuchs nur sehr diskret ein: In einer Vorab-Unterlage hieß es, es gebe einige private Termine zur Unterstützung breiterer kommerzieller, karitativer und gesellschaftlicher Ziele. Das ist ungefähr so, als würde man sagen, ein Champagnerempfang diene ganzheitlich der zwischenmenschlichen Vernetzung.

Kritik ließ denn auch nicht lange auf sich warten. Besonders unerquicklich für viele Australier: die Aussicht, dass Teile der Sicherheitskosten für öffentliche Auftritte am Ende beim Steuerzahler landen könnten. In einer Zeit, in der viele Menschen unter hohen Lebenshaltungskosten ächzen, wirkte das auf manche etwas unerquicklich. Oder weniger höflich formuliert: wie eine Mischung aus Charity-Tour, PR-Offensive und Rechnung an die Öffentlichkeit.

Eine Kolumnistin des Sydney Morning Herald brachte es drastisch auf den Punkt: Australien sei gut zu Harry und Meghan gewesen, nun wollten sie das Land wie einen Geldautomaten benutzen. Das ist hart, vielleicht polemisch – aber eben auch Ausdruck einer Stimmung, in der Prominenz allein nicht mehr automatisch Begeisterung erzeugt.

Andererseits gibt es auch jene, die den Besuch ausdrücklich verteidigen. Vertreter von Organisationen wie Invictus Australia betonen, dass Harry und Meghan mit ihrer Aufmerksamkeit tatsächlich viel bewegen, Türen öffnen und Projekte sichtbarer machen. Fans wiederum sehen überhaupt kein Problem darin, dass das Paar auch Geld verdienen will. Schließlich haben sie sich bewusst für ein Leben außerhalb des Königshauses entschieden – und irgendeiner muss die Montecito-Hypothek ja bedienen.

So bleibt von dieser Australienreise vor allem ein merkwürdig modernes Bild: eine royale Tour ohne Krone, eine Wohltätigkeitsreise mit Business-Beilage und ein Promi-Besuch, der sehr professionell Nähe inszenierte – während draußen erstaunlich viele Leute einfach weiter ihrem Alltag nachgingen.

Früher jubelte Australien Harry und Meghan noch als jungem Hoffnungspaar der Monarchie zu. Jetzt reist das Duo durchs Land wie eine Mischung aus Ex-Royals, Aktivisten, Markenbotschaftern und Unternehmern – und muss feststellen, dass selbst perfekte Fotomomente kein Massenereignis mehr garantieren.

Oder anders gesagt:
Es war fast wie früher.
Nur ohne die Begeisterung.

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