Die Ankunft des Kreuzfahrtschiffs „MV Hondius“ sorgt auf Teneriffa derzeit für erheblichen Unmut. Das Schiff, auf dem es während der Reise zu mehreren Hantavirus-Fällen gekommen sein soll, wird nach einer Entscheidung der spanischen Regierung und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) am Wochenende vor der Kanareninsel erwartet.
Während die Behörden betonen, dass keine Gefahr für die Bevölkerung bestehe, wächst bei vielen Einwohnern die Skepsis – und teilweise auch die Wut.
Hafenarbeiter protestieren gegen Ankunft
Vor dem Regionalparlament in Santa Cruz demonstrierten am Freitag Hafenarbeiter gegen die geplante Anlandung der Passagiere. Mit Trillerpfeifen, Vuvuzelas und Bannern machten sie ihrem Ärger Luft.
Die Gewerkschafter kritisieren vor allem mangelnde Informationen und fehlende Schutzmaßnahmen.
„Wir sollen in einem Hafen arbeiten, während ein infiziertes Schiff ankommt – ohne ausreichende Sicherheitsvorkehrungen oder klare Informationen“, erklärte die Hafenarbeiterin Joana Batista.
Einige Arbeiter drohten sogar damit, die Ankunft des Schiffes aktiv zu blockieren, falls ihre Forderungen ignoriert würden.
Angst vor neuer Belastung der Insel
Auf Teneriffa mischt sich die Sorge über das Schiff zunehmend mit allgemeiner Frustration über die Belastungen der Kanaren. Viele Einwohner fühlen sich von der Zentralregierung in Madrid übergangen.
Besonders rechte und migrationskritische Stimmen vergleichen die Situation bereits mit der seit Jahren angespannten Flüchtlingslage auf den Kanaren. Immer wieder erreichen Migrantenboote aus Afrika die Inselgruppe, was lokal regelmäßig politische Debatten auslöst.
Eine Demonstrantin sprach von „dem letzten Tropfen, den die Kanaren noch ertragen müssen“.
Regierung versucht zu beruhigen
Die spanische Regierung bemüht sich inzwischen sichtbar um Schadensbegrenzung.
Das Schiff soll nicht direkt im Hafen von Teneriffa anlegen, sondern vor der Küste ankern. Die Passagiere werden anschließend mit kleineren Booten zum Industriehafen Granadilla gebracht – weit entfernt von Wohngebieten.
Von dort aus sollen die meisten Reisenden direkt ausgeflogen werden. Die spanischen Passagiere werden nach Madrid gebracht und dort unter Quarantäne gestellt.
Die Behörden betonen, es werde keinerlei Kontakt zwischen den Reisenden und der Bevölkerung geben.
Erinnerungen an Corona werden wach
Trotz aller Beschwichtigungen fühlen sich viele Inselbewohner an die frühen Tage der Corona-Pandemie erinnert. Damals wurde auf den Kanaren einer der ersten Covid-Fälle Spaniens festgestellt, später mussten auf Teneriffa ganze Hotelanlagen unter Quarantäne gestellt werden.
Die WHO und die spanische Regierung weisen allerdings ausdrücklich darauf hin, dass die aktuelle Situation nicht mit Corona vergleichbar sei.
Zwischen Angst und Resignation
Ein Teil der Bevölkerung zeigt sich inzwischen eher resigniert als empört.
„Wir sind hier auf den Kanaren daran gewöhnt, dass internationale Krisen irgendwann bei uns landen“, sagte eine Rentnerin in Santa Cruz. „Wenigstens haben wir Erfahrung im Umgang mit solchen Situationen.“
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