Auf den ersten Blick klingt das Angebot von GEPVOLT äußerst attraktiv: 8 Prozent feste Verzinsung, angeblich durch reale Sachwerte abgesichert, Beteiligung an der Energiewende und ein Batteriespeicherprojekt in Brandenburg, das als „kritische Infrastruktur“ vermarktet wird.
Doch hinter den Schlagworten „Energieinfrastruktur“, „Sachwert“, „Sicherheit“ und „Made in Germany“ verbirgt sich eine Unternehmensanleihe mit erheblichen Risiken – bis hin zum vollständigen Verlust des eingesetzten Kapitals.
8 Prozent Zinsen sind kein Geschenk
Die wichtigste Regel für Anleger lautet:
Je höher die versprochene Rendite, desto höher ist in der Regel auch das Risiko.
Während solide Staatsanleihen oder Unternehmensanleihen großer Konzerne häufig deutlich niedrigere Zinsen bieten, lockt GEPVOLT mit 8 Prozent pro Jahr.
Die entscheidende Frage lautet daher:
Warum muss das Unternehmen Anlegern einen derart hohen Zinssatz zahlen?
Die Antwort ist meist einfach: Weil Banken oder institutionelle Investoren das Risiko deutlich kritischer bewerten.
Das Projekt existiert wirtschaftlich noch nicht
Besonders bemerkenswert:
Das beworbene Batteriespeicherprojekt befindet sich noch im Aufbau.
Zwar werden Netzanschluss, Genehmigungen und vorbereitete Baustellen hervorgehoben, doch die geplante Inbetriebnahme liegt laut Angaben erst Ende 2026.
Für Anleger bedeutet das:
- Es gibt noch keinen langjährigen operativen Betrieb.
- Es existieren keine über Jahre bewiesenen Erträge.
- Die Wirtschaftlichkeit basiert weitgehend auf Planungen und Prognosen.
Jeder Bauverzug, jede Kostensteigerung oder technische Schwierigkeit kann die Kalkulation verändern.
„Besichert“ bedeutet nicht automatisch sicher
Der Begriff „besicherte Sachwertanleihe“ vermittelt vielen Anlegern ein Sicherheitsgefühl.
Doch genau hier ist Vorsicht angebracht.
Die aufgeführten Sicherheiten bestehen unter anderem aus:
- Grundschulden,
- Anlagenvermögen,
- Projektrechten,
- künftigen Einnahmen,
- Netzanschlüssen,
- Genehmigungen.
Das Problem:
Im Insolvenzfall zeigt sich oft, dass der tatsächliche Verwertungswert solcher Sicherheiten deutlich unter den Erwartungen liegt.
Eine Batterieanlage erzielt bei einer Notverwertung möglicherweise nur einen Bruchteil ihres kalkulierten Wertes.
Auch Projektentwicklungsrechte, Genehmigungen oder zukünftige Erträge lassen sich in einer Krise oft nur schwer oder gar nicht verwerten.
Energiewende ist kein Garant für Gewinne
Das Marketing setzt stark auf die Energiewende.
Batteriespeicher sind tatsächlich ein wichtiger Bestandteil zukünftiger Stromnetze.
Doch aus einer sinnvollen Technologie folgt nicht automatisch eine sichere Geldanlage.
Die Geschichte der erneuerbaren Energien ist voll von Unternehmen, die:
- technisch überzeugend waren,
- in Zukunftsmärkten tätig waren,
- dennoch wirtschaftlich scheiterten.
Solarfirmen, Wasserstoffunternehmen und Windparkentwickler liefern dafür zahlreiche Beispiele.
Die Gefahr der Werbeillusion
Besonders kritisch wirkt die starke Vermarktung.
TV-Kampagnen bei n-tv und WELT, Projektvideos, Börsenportale und digitale Werbung sollen Vertrauen schaffen.
Doch Werbung ersetzt keine Bonitätsprüfung.
Ob ein Unternehmen Fernsehwerbung schaltet oder nicht, sagt nichts darüber aus, ob es seine Anleihe in einigen Jahren tatsächlich vollständig zurückzahlen kann.
Manche Anleger verwechseln Bekanntheit mit Sicherheit.
Das kann teuer werden.
Wo sind die harten Zahlen?
Auffällig ist zudem, was nicht prominent präsentiert wird:
- detaillierte Jahresabschlüsse,
- belastbare Gewinnhistorien,
- langfristige Cashflow-Nachweise,
- unabhängige Bonitätsratings.
Stattdessen dominieren Begriffe wie:
- „strukturell wachsender Markt“
- „kritische Infrastruktur“
- „skalierbares Geschäftsmodell“
- „Folgeprojekte in der Pipeline“
Das sind Marketingaussagen – keine Garantien.
Börsennotierung schützt nicht vor Verlusten
Auch die Börsennotierung im Freiverkehr der Frankfurter Börse wird häufig als Qualitätsmerkmal wahrgenommen.
Tatsächlich bedeutet sie lediglich, dass die Anleihe handelbar ist.
Eine Börsennotierung schützt weder vor Insolvenz noch vor Kursverlusten oder einem Zahlungsausfall.
Totalverlust bleibt möglich
Der entscheidende Punkt steht meist nicht in großen Überschriften:
Bei Unternehmensanleihen besteht immer das Risiko eines Totalverlustes.
Sollte:
- das Projekt scheitern,
- die Baukosten explodieren,
- die Einnahmen hinter den Erwartungen zurückbleiben,
- das Unternehmen zahlungsunfähig werden,
drohen Anlegern erhebliche Verluste bis hin zum vollständigen Verlust ihres eingesetzten Kapitals.
Die versprochenen 8 Prozent Zinsen sind die Vergütung genau für dieses Risiko.
Fazit
Das GEPVOLT-Angebot ist keine sichere Sparanlage und kein Ersatz für Tagesgeld oder Festgeld.
Es handelt sich um eine unternehmerische Finanzierung eines einzelnen Infrastrukturprojekts mit allen damit verbundenen Risiken.
Wer investiert, sollte sich bewusst machen:
- Die hohe Verzinsung ist kein Bonus, sondern ein Risikoaufschlag.
- Die Sicherheiten bieten keinen absoluten Schutz.
- Die Wirtschaftlichkeit des Projekts muss sich erst noch beweisen.
- Im schlimmsten Fall droht ein Totalverlust.
Anleger sollten daher nicht auf Werbeslogans wie „kritische Infrastruktur“, „Made in Germany“ oder „Sachwertanleihe“ vertrauen, sondern den vollständigen Wertpapierprospekt, die Finanzlage des Unternehmens und die tatsächlichen Risiken sorgfältig prüfen.
8 Prozent Rendite klingen attraktiv. Die Möglichkeit eines Totalverlustes gehört aber ebenso zur Realität dieser Anlage wie die versprochenen Zinszahlungen.
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