Der 1. FC Köln kämpft mal wieder um seine Zukunft. Diesmal allerdings nicht gegen Bayern München, den Abstieg oder einen Transfersperren-Fluch.
Diesmal heißt der Gegner:
Aktenzeichen 7 D 277/20.NE und 7 D 2/21.NE.
Und der Schiedsrichter trägt keine Pfeife, sondern eine Robe.
Worum geht es eigentlich?
Der FC möchte seinen RheinEnergieSportpark erweitern.
Mehr Trainingsflächen, bessere Infrastruktur, moderne Sportanlagen.
Klingt zunächst nach einer Idee, gegen die eigentlich niemand etwas haben sollte.
Doch in Köln ist selbst ein neuer Trainingsplatz ungefähr so konfliktfrei wie eine Karnevalssitzung mit Parkplatzdebatte.
Denn Teile der geplanten Erweiterung betreffen Flächen im Grüngürtel. Naturschützer und Bürgerinitiativen sehen dort wertvolle Grünflächen gefährdet.
Der FC sieht dagegen dringend benötigte Entwicklungsmöglichkeiten.
Kurz gesagt:
Die einen sehen Trainingsplätze.
Die anderen sehen Wiesen.
Und vor Gericht sehen alle vor allem Anwälte.
Das juristische Hin und Her
2022 erklärte das Oberverwaltungsgericht den Bebauungsplan für unwirksam.
Grund:
Fehler bei der Abwägung.
Der FC stand damit plötzlich ungefähr dort, wo er sportlich schon häufiger stand:
Vor einem großen Loch im Plan.
Doch dann kam das Bundesverwaltungsgericht.
Die Richter in Leipzig hoben die Urteile wieder auf und schickten den Fall zurück nach Münster.
Juristisch nennt man das:
„Zur erneuten Verhandlung und Entscheidung zurückverwiesen.“
Auf Deutsch:
„Liebe Kollegen, schaut euch das bitte nochmal an.“
Der Termin, der keiner war
Eigentlich sollte bereits im Juni verhandelt werden.
Dann tauchte kurzfristig noch eine Stellungnahme zum Artenschutz auf.
In Deutschland kann ein einzelner geschützter Käfer manchmal mehr Spielzeit bekommen als ein Ersatzspieler beim FC.
Also wurde der Termin verschoben.
Neue Anstoßzeit:
14. August 2026, 10:30 Uhr.
Die große Frage
Darf der FC erweitern?
Oder bleibt der Grüngürtel weitgehend unangetastet?
Die Entscheidung hat längst Symbolcharakter.
Es geht nicht mehr nur um Trainingsplätze.
Es geht um die Frage:
Wie viel Entwicklung darf eine Großstadt noch zulassen?
Und wie viel Natur muss erhalten bleiben?
Die Fans hoffen
FC-Anhänger wünschen sich Planungssicherheit.
Naturschützer wünschen sich Rechtssicherheit.
Die Anwälte wünschen sich vermutlich zunächst einmal ausreichend Kaffee.
Fazit
Während andere Vereine Transfers verhandeln, verhandelt der FC seit Jahren über Bebauungspläne.
Während anderswo Tore fallen, fallen Schriftsätze.
Und während die Bundesliga längst den Spielplan für die nächste Saison erstellt, wartet Köln weiter auf die Entscheidung, ob künftig mehr Fußballrasen oder mehr Grünfläche wachsen darf.
Am 14. August wird deshalb nicht nur über einen Bebauungsplan entschieden.
Sondern über eine der typisch kölschen Fragen:
Braucht die Stadt mehr Trainingsplätze – oder mehr Platz zum Durchatmen?
Bis dahin gilt die alte Fußballweisheit in juristischer Abwandlung:
Das Spiel ist erst vorbei, wenn das Oberverwaltungsgericht pfeift.
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