Ein professionell gestalteter Darlehensvertrag, eine elektronische Unterschrift über einen bekannten Signaturdienst und ein seriös wirkender Vertragspartner – für viele Betroffene wirkt ein solches Angebot zunächst glaubwürdig. Doch genau diese Kombination nutzen Betrüger zunehmend, um Menschen um hohe Geldbeträge zu bringen. Besonders häufig verlangen sie Zahlungen in Bitcoin, die nach der Überweisung praktisch nicht mehr rückgängig gemacht werden können.
Rechtsexperten warnen deshalb vor einer Betrugsmasche, bei der gefälschte Darlehensverträge und elektronische Signaturen gezielt eingesetzt werden, um Vertrauen zu schaffen. Entscheidend ist dabei: Eine elektronische Signatur beweist nicht automatisch, dass der angebliche Vertragspartner tatsächlich existiert oder die im Vertrag genannte Person ist.
Professionelle Verträge schaffen Vertrauen
In vielen Fällen erhalten Betroffene zunächst einen scheinbar offiziellen Darlehensvertrag. Das Dokument enthält vollständige Vertragsbedingungen, Namen, Adressen sowie eine elektronische Signatur über einen bekannten Signaturdienst. Titel wie „Loan Agreement“ oder „Temporary Cash Advance Agreement“ sollen zusätzlich Seriosität vermitteln.
Nach der Unterzeichnung verlangen die Betrüger eine Zahlung in Bitcoin – angeblich als Bearbeitungsgebühr, Sicherheitsleistung, Versicherung oder Voraussetzung für die Auszahlung des Darlehens.
Sobald die Kryptowährung überwiesen wurde, bricht der Kontakt häufig ab. In anderen Fällen folgen weitere Forderungen nach zusätzlichen Gebühren oder Steuern, bevor das Darlehen angeblich freigegeben werden könne.
Zwei Betrugsvarianten
Nach Einschätzung von Experten treten dabei vor allem zwei typische Szenarien auf.
Im ersten Fall wird ein Kredit versprochen, der niemals ausgezahlt wird. Die Opfer zahlen vorab verschiedene Gebühren in Bitcoin und verlieren ihr Geld.
Im zweiten Fall verleihen Betroffene selbst Bitcoin an einen vermeintlichen Vertragspartner, der sich später als erfundene oder gestohlene Identität herausstellt.
Beide Varianten folgen demselben Grundprinzip: Ein professionell wirkender Vertrag erzeugt Vertrauen, während die Zahlung in Kryptowährung das Geld unmittelbar und unwiderruflich in die Hände der Täter bringt.
Elektronische Signatur beweist keine Identität
Viele Opfer verlassen sich auf die elektronische Unterschrift und gehen davon aus, dass der Vertragspartner dadurch eindeutig identifiziert wurde.
Das ist jedoch ein gefährlicher Irrtum.
Die meisten im Alltag genutzten elektronischen Signaturen bestätigen lediglich, dass jemand ein Dokument über eine bestimmte E-Mail-Adresse zu einem bestimmten Zeitpunkt unterschrieben hat. Eine Identitätsprüfung findet dabei in der Regel nicht statt.
Lediglich sogenannte qualifizierte elektronische Signaturen, die eine vorherige amtliche Identitätsprüfung voraussetzen, bieten ein deutlich höheres Sicherheitsniveau. Solche Verfahren kommen bei den beschriebenen Betrugsfällen jedoch kaum zum Einsatz.
Gestohlene Identitäten erschweren die Täuschung
Besonders perfide ist, dass Betrüger häufig echte Namen und Anschriften unbeteiligter Personen verwenden.
Wer anschließend im Internet nach dem Vertragspartner sucht, findet tatsächlich eine existierende Person mit passender Adresse. Das vermittelt zusätzlich den Eindruck eines seriösen Geschäfts.
Tatsächlich handelt es sich jedoch häufig um Identitätsdiebstahl. Die betroffene Person weiß meist nichts von dem Vertrag und ist rechtlich auch nicht daran gebunden.
Allein die Übereinstimmung zwischen Name und real existierender Person beweist deshalb keineswegs, dass man tatsächlich mit dieser Person kommuniziert hat.
Warum Täter auf Bitcoin bestehen
Die Wahl der Kryptowährung erfolgt keineswegs zufällig.
Bitcoin-Transaktionen lassen sich nach ihrer Ausführung grundsätzlich nicht zurückholen oder stornieren. Anders als bei Banküberweisungen oder Kreditkartenzahlungen gibt es keinen Zahlungsdienstleister, der eine Rückbuchung veranlassen könnte.
Genau deshalb bestehen Betrüger häufig auf einer Zahlung in Bitcoin und begründen dies mit angeblich schnelleren internationalen Überweisungen, höherer Diskretion oder besonderen Sicherheitsanforderungen.
Obwohl die Zahlungen endgültig sind, hinterlassen sie dennoch eine dauerhafte Spur auf der Blockchain. Jede Transaktion ist öffentlich dokumentiert und enthält Informationen über Zeitpunkt, Betrag und Zieladresse.
Diese Daten können später für Ermittlungen von Bedeutung sein.
Keine weiteren Zahlungen leisten
Ein besonders wichtiges Warnsignal sind nachträgliche Zahlungsforderungen.
Viele Opfer erhalten nach der ersten Überweisung weitere Nachrichten, in denen zusätzliche Gebühren verlangt werden – etwa für Steuern, Versicherungen, Freischaltungen oder höhere Sicherheiten.
Experten raten dringend davon ab, weitere Zahlungen zu leisten. Solche Forderungen dienen in aller Regel lediglich dazu, den bereits begonnenen Betrug fortzusetzen.
Auch persönliche Daten können missbraucht werden
Neben dem finanziellen Schaden besteht häufig ein weiteres Risiko.
Wer im Rahmen des angeblichen Darlehens Ausweiskopien, Kontodaten, Adressnachweise oder eigene Unterschriften übermittelt hat, könnte Opfer eines Identitätsmissbrauchs werden.
Mit diesen Informationen lassen sich unter Umständen weitere Verträge abschließen oder neue Betrugsversuche im Namen der betroffenen Person durchführen.
Ob dies tatsächlich geschieht, lässt sich im Einzelfall zwar nicht vorhersagen. Dennoch empfehlen Fachleute, sämtliche übermittelten Dokumente genau zu dokumentieren, um spätere Auffälligkeiten schneller erkennen zu können.
Diese Unterlagen sollten sofort gesichert werden
Wer den Verdacht hat, Opfer einer solchen Betrugsmasche geworden zu sein, sollte möglichst alle verfügbaren Beweise sichern.
Dazu gehören insbesondere:
- das originale, elektronisch signierte Vertragsdokument,
- sämtliche Signaturprotokolle und Zeitstempel,
- E-Mails einschließlich vollständiger Kopfzeilen,
- der gesamte Chatverlauf mit dem angeblichen Vertragspartner,
- die verwendete Bitcoin-Adresse,
- die eigene Transaktions-ID mit Betrag und Zeitpunkt der Zahlung.
Diese Unterlagen können später sowohl für Strafanzeigen als auch für mögliche blockchainbasierte Ermittlungen von großer Bedeutung sein.
Vorsicht bei Darlehen mit Vorkasse
Verbraucherschützer weisen seit Jahren darauf hin, dass seriöse Kreditgeber grundsätzlich keine Vorabzahlungen in Bitcoin oder anderen Kryptowährungen verlangen.
Wer bereits vor der Auszahlung eines Darlehens Gebühren, Sicherheiten oder Versicherungen bezahlen soll, sollte äußerst misstrauisch werden. Gerade die Kombination aus professionell gestalteten Verträgen, elektronischen Signaturen und Kryptowährungen gehört mittlerweile zu den besonders raffinierten Betrugsmaschen im Internet.
Der wichtigste Rat der Experten lautet deshalb: Keine weiteren Zahlungen leisten, sämtliche Beweise sichern und den Vorfall umgehend bei den zuständigen Strafverfolgungsbehörden melden.
Kommentar hinterlassen