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Gas, Geisterfirmen und große Augen: Bundesanwaltschaft schaut bei Ex-Gazprom-Tochter vorbei

geralt (CC0), Pixabay
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Manchmal schreibt die Wirklichkeit Geschichten, die selbst Netflix-Drehbuchautoren für zu unrealistisch halten würden.

Die Bundesanwaltschaft hat am Mittwoch in Berlin und Frankfurt Räumlichkeiten im Zusammenhang mit der ehemaligen Gazprom-Tochter Gazprom Germania durchsuchen lassen. Der Verdacht: Im Frühjahr 2022 könnte ein bemerkenswert kreativer Versuch unternommen worden sein, Deutschlands Gasversorgung ins Chaos zu stürzen.

Zur Erinnerung: Gazprom Germania verfügte damals über mindestens ein Viertel der deutschen Erdgasspeicherkapazitäten. Also nicht gerade die Gartenlaube eines Hobbyunternehmers, sondern ein Unternehmen von erheblicher Bedeutung für die Energieversorgung.

Dann geschah etwas, das selbst erfahrene Wirtschaftskrimis spannend finden dürften: Der russische Staatskonzern Gazprom verkaufte seine deutsche Tochter – allerdings offenbar auf eine Weise, bei der hinterher niemand so genau wusste, wem der Laden eigentlich gehörte.

Als neuer Eigentümer tauchte plötzlich ein Moskauer Unternehmen auf, das mit der Gasbranche ungefähr so viel zu tun hatte wie ein Fisch mit Fahrradreparaturen. Kaum im Besitz der Firma angekommen, ordnete der neue Eigentümer laut Ermittlern direkt deren Liquidation an.

Man könnte sagen: Wer ein Viertel der deutschen Gasspeicher besitzt und als erste Amtshandlung die Abwicklung beschließt, setzt interessante Prioritäten.

Zum Glück machte die deutsche Bundesnetzagentur diesem Plan einen Strich durch die Rechnung. Bereits im April 2022 wurde die Gesellschaft unter Treuhandverwaltung gestellt und später verstaatlicht. Die befürchteten Auswirkungen auf die Gasversorgung blieben damit aus.

Nun beschäftigt sich die Bundesanwaltschaft mit der Frage, ob hinter dem Vorgang mehr steckte als ein besonders missglücktes Unternehmensmanagement. Gegen einen russischen Beschuldigten wird unter anderem wegen versuchter verfassungsfeindlicher Sabotage ermittelt.

Festnahmen gab es bislang nicht.

Die eigentliche Lehre der Geschichte: Wenn plötzlich unbekannte Firmen ohne Branchenkenntnis milliardenschwere Infrastruktur übernehmen und unmittelbar deren Auflösung beschließen, darf man durchaus misstrauisch werden. Manchmal steckt hinter einer „strategischen Neuausrichtung“ eben doch mehr als nur ein neues Organigramm.

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