Es ist die 88. Minute am Millerntor, wir liegen gegen Kaiserslautern 1:2 hinten – und ich bin nicht enttäuscht, weil wir gerade gegen irgendeine Übermannschaft auseinandergenommen werden.
Ich bin sauer, weil wir dieses Spiel wieder einmal auf eine Art herschenken, die mittlerweile einfach nur noch nervt.
St. Pauli hatte in der ersten Halbzeit mehr Ballbesitz, mehr Feldanteile und eigentlich die Möglichkeit, dieses Spiel selbst in die Hand zu nehmen. Was kam dabei heraus? Viel zu wenig. Vorne fehlt die Durchschlagskraft, hinten reichen dem Gegner ein paar konsequente Aktionen – und plötzlich steht es 0:1. Genau das ist momentan unser Problem: Wir sehen phasenweise ganz ordentlich aus, aber Fußballspiele gewinnt man nicht mit „ganz ordentlich“.
Und dann kommt die zweite Halbzeit.
Noch keine 30 Sekunden gespielt – 0:2.
Wie kann man bitte aus der Kabine kommen und sofort derart schlafen? Fidjeu-Tazemeta marschiert in unseren Strafraum, vorbei an Ando und Mathisen, und trifft auch noch aus spitzem Winkel in die kurze Ecke. Da kann man als Fan eigentlich nur noch einmal tief in seinen Becher schauen und überlegen, ob da vielleicht etwas Stärkeres drin sein sollte.
Natürlich kam danach Ceesay.
- Minute eingewechselt, eine Minute später das 1:2. Plötzlich war wieder Leben drin, plötzlich wurden die Pässe mutiger und man dachte: Na also! Warum nicht gleich so?
Und genau das macht mich noch wütender.
Denn offenbar geht es ja.
Warum muss man erst 0:2 zurückliegen, bevor auf dem Platz sichtbar wird, dass dieses Spiel vielleicht doch ganz praktisch wäre zu gewinnen?
Danach versucht St. Pauli zwar einiges, aber vor dem Tor bleibt vieles Stückwerk. Rasmussen aus der Distanz drüber, Hrgota mit einem viel zu harmlosen Abschluss, Oppie kurz vor Schluss ans Außennetz. Kaiserslautern verteidigt vernünftig – aber wir machen es ihnen eben auch nicht besonders schwer.
Und irgendwann reicht mir das Gerede von „guten Phasen“.
Wir sind St. Pauli.
Am Millerntor.
Da erwarte ich keine Fußballkunst wie Real Madrid. Ich erwarte aber, dass der Gegner 90 Minuten lang merkt, wo er hier gelandet ist.
Ich will Zweikämpfe.
Ich will Tempo.
Ich will Druck.
Ich will, dass Kaiserslautern irgendwann nur noch darum bettelt, dass dieser verdammte Schlusspfiff endlich kommt.
Stattdessen sieht der FCK über weite Strecken ziemlich komfortabel aus. In der 80. Minute heißt es im Liveticker sogar ausdrücklich, dass Kaiserslauterns Defensive St. Pauli erfolgreich von gefährlichen Abschlusspositionen fernhält.
Das ist doch genau das Problem.
Wir spielen zuhause – und der Gegner kann sein Ding relativ kontrolliert herunterverteidigen.
Nein.
So darf das am Millerntor nicht aussehen.
Eine Niederlage kann passieren. Jeder Mannschaft. Auch gegen Kaiserslautern.
Aber wenn dieses 1:2 so stehen bleibt, dann möchte ich anschließend bitte keine Pressekonferenz hören, in der wieder von „Ansätzen“, „Entwicklung“ und „Phasen, in denen wir es gut gemacht haben“ gesprochen wird.
Ich möchte hören:
Das war zu wenig. Punkt.
Denn genau so fühlt es sich gerade an.
Zu wenig Konsequenz.
Zu wenig Gefahr.
Zu wenig Wucht.
Und vor allem viel zu wenig von diesem St. Pauli-Gefühl, bei dem man früher wusste: Egal wie gut der Gegner ist – am Millerntor bekommt er garantiert keinen gemütlichen Nachmittag.
Heute hatte Kaiserslautern einen.
Und das ist eigentlich das Ärgerlichste an der ganzen Sache.
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