Die Weltpolitik erlebt wieder einmal ihre Lieblingsdisziplin: die Ankündigung einer baldigen Einigung. Diesmal geht es um den Konflikt zwischen den USA und dem Iran. Nach Angaben aus Pakistan liegt der Friedensvertrag praktisch unterschriftsreif auf dem Tisch. Damit befindet sich das Abkommen nun in jenem berühmten Stadium, in dem internationale Verträge seit Jahrzehnten am gefährlichsten sind: kurz vor dem Abschluss.
Der pakistanische Premierminister verkündete optimistisch, ein endgültiger Text sei ausgearbeitet worden. Nun müssten lediglich noch die „nächsten Schritte“ erledigt werden. Welche das genau sind, blieb offen. Erfahrungsgemäß gehören dazu Kleinigkeiten wie Unterschriften, Zustimmung aller Beteiligten, politische Mehrheiten und die Vermeidung neuer Raketenangriffe.
Auch in Washington zeigte man sich vorsichtig euphorisch. Die Chancen auf Frieden lägen bei 80 bis 85 Prozent. Anders ausgedrückt: Der Konflikt befindet sich aktuell in etwa auf dem gleichen Erfolgsniveau wie ein Wetterbericht für ein Grillfest oder die Prognose eines Fußballtrainers vor einem Endspiel.
Geplant ist offenbar ein großer Deal: Der Iran soll sein Atomprogramm zurückbauen, die Straße von Hormus öffnen und dafür wirtschaftliche Erleichterungen erhalten. Die Diplomaten sprechen von einem historischen Kompromiss. Skeptiker sprechen von einem Dokument, das noch so oft überarbeitet wird, bis niemand mehr weiß, wer eigentlich was versprochen hat.
Auch aus Teheran kommen vorsichtig positive Signale. Dort erklärte der Außenminister, man sei noch nie so nah an einem Abschluss gewesen. Wenige Stunden später ergänzte er allerdings, dass noch Änderungen möglich seien. Übersetzt aus der Sprache der Diplomatie bedeutet das ungefähr: „Alles ist geklärt, außer den Punkten, die noch nicht geklärt sind.“
Besonders bemerkenswert ist der Zeitpunkt der Friedensbemühungen. Schließlich hatten sich beide Seiten zuletzt noch gegenseitig Raketen, Drohnen und scharfe Worte geschickt. Doch offenbar gilt inzwischen die alte Regel internationaler Politik: Wenn alle genug voneinander genervt sind, steigt die Wahrscheinlichkeit einer Einigung deutlich.
Die Unterzeichnung könnte möglicherweise schon an diesem Wochenende in Europa erfolgen. Sollte das tatsächlich gelingen, wäre das eine Überraschung. Denn Friedensverträge und internationale Gipfeltreffen haben bekanntlich die Eigenschaft, sich ähnlich zuverlässig zu verzögern wie ein deutscher Großflughafen oder die Fertigstellung einer Großbaustelle.
Bis dahin bleibt die Lage also hoffnungsvoll angespannt. Der Vertrag ist fertig, die Unterschriften fehlen, die Waffenruhe hält meistens und alle Beteiligten erklären, man sei kurz vor dem Ziel.
Die Welt hält den Atem an – und die Diplomaten vorsichtshalber den Rotstift bereit.
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