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Frankreichs Riesenbankette sorgen für politischen Streit

jorono (CC0), Pixabay
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Was als geselliges Essen mit regionalen Spezialitäten begann, entwickelt sich in Frankreich zunehmend zu einem politischen Streitfall. Die sogenannten „Banquets Géants“ – riesige Gemeinschaftsessen mit mehreren tausend Teilnehmern – erfreuen sich wachsender Beliebtheit, stoßen jedoch bei Teilen der politischen Linken auf heftige Kritik.

Zuletzt kamen in der elsässischen Stadt Colmar rund 3.500 Menschen zu einem solchen Großbankett zusammen. Veranstaltet werden die Events vom Unternehmen „Le Canon Français“. Für rund 81 Euro erhalten die Teilnehmer mehrere Gänge regionaler Küche, unbegrenzt Wein und stundenlange Unterhaltung mit gemeinsamen Gesängen und traditioneller Musik.

Die Veranstalter sehen darin die Wiederbelebung einer alten französischen Tradition. In Zeiten sozialer Medien und zunehmender gesellschaftlicher Isolation wolle man Menschen wieder an einen Tisch bringen. Der Anwalt sitze neben dem Bäcker, Fremde kämen ins Gespräch, und regionale Kultur werde gepflegt.

Doch genau diese Darstellung wird von der linksradikalen Partei La France Insoumise (LFI) infrage gestellt.

Die Partei wirft den Organisatoren vor, eine nostalgische und ausgrenzende Form französischer Identität zu fördern. Kritisiert werden unter anderem Berichte über rassistische Äußerungen einzelner Teilnehmer sowie die regelmäßige Präsenz von Schweinefleisch auf den Speisekarten. Nach Ansicht der LFI könnten sich dadurch Muslime, Vegetarier und andere Bevölkerungsgruppen bewusst ausgeschlossen fühlen.

Zusätzliche Brisanz erhält die Debatte durch den Investor Pierre-Edouard Stérin. Der Milliardär gilt als Vertreter konservativer bis rechtsgerichteter Positionen und unterstützt verschiedene Projekte zur Förderung traditioneller Werte, einer restriktiveren Einwanderungspolitik und des christlichen Erbes Frankreichs. Seine Beteiligung an „Le Canon Français“ wird von Kritikern als Beleg für eine politische Agenda gewertet.

Die Veranstalter weisen sämtliche Vorwürfe zurück. Man schließe niemanden aus, betonen die Gründer. Einzelne Fehlverhalten von Gästen könnten nie vollständig ausgeschlossen werden, doch jeder Teilnehmer akzeptiere beim Ticketkauf einen Verhaltenskodex, der Respekt und gegenseitige Rücksichtnahme vorschreibe.

Vor Ort zeigt sich tatsächlich ein gemischtes Bild. Viele Besucher stammen offenbar aus dem konservativen Spektrum, politische Diskussionen spielen bei den meisten jedoch kaum eine Rolle. Für sie stehen Gemeinschaft, Essen, Wein und Tradition im Vordergrund.

Die Debatte dürfte dennoch weitergehen. Die LFI versucht bereits, lokale Behörden dazu zu bewegen, künftige Veranstaltungen zu untersagen. In einzelnen Städten laufen Untersuchungen wegen möglicher rassistischer Vorfälle bei früheren Banketten.

Damit ist aus einer ursprünglich kulinarischen Veranstaltung ein Symbol für die gesellschaftliche Auseinandersetzung geworden, die Frankreich derzeit prägt: der Konflikt zwischen Tradition und Moderne, zwischen kultureller Identität und Vielfalt sowie zwischen konservativen und progressiven Vorstellungen von Gesellschaft.

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