Bei der FIFA ist offenbar wieder einmal jene besondere Form von Ruhe eingekehrt, bei der kurzfristig sämtliche Führungskräfte nach Rabat bestellt werden.
Nach Berichten von „Sky News“ und „The Times“ hat FIFA-Präsident Gianni Infantino hochrangige Mitarbeiter zu Krisengesprächen in die marokkanische Hauptstadt einberufen. Worum es genau geht, ist offiziell noch unklar. „The Times“ deutet das Treffen allerdings als Versuch, Infantinos Machtbasis zu sichern. Man könnte also sagen: Es ist alles unter Kontrolle – deshalb braucht es ja auch eine Krisensitzung.
Der Druck auf den FIFA-Präsidenten wächst seit Tagen. Auslöser waren Pläne, Teile der kommerziellen Rechte an FIFA-Wettbewerben für private Investoren zu öffnen. Damit hätte der Weltverband eine Milliardensumme einnehmen können. Die Begeisterung darüber hielt sich international allerdings in überschaubaren Grenzen.
Die UEFA reagierte mit deutlicher Kritik und stellte sogar rechtliche Schritte in den Raum. Infantino zog die Pläne schließlich zurück. Ein mutiger Kurswechsel – nachdem der Gegenwind ungefähr Orkanstärke erreicht hatte.
Nun wird offen über seine Zukunft diskutiert. Infantino steht seit 2016 an der Spitze der FIFA und möchte sich im März 2027 in Rabat noch einmal für vier Jahre wählen lassen. Das wäre laut Statuten seine letzte Amtszeit. Vorausgesetzt natürlich, dass bis dahin noch genügend Verbände Lust auf eine weitere Runde haben.
Genau daran scheint es inzwischen zu hapern. Wales, England, Serbien und Schweden haben angekündigt, Infantino bei der nächsten Wahl nicht mehr unterstützen zu wollen. Weitere Verbände könnten folgen.
Auch Arsène Wenger, bei der FIFA für die globale Fußballentwicklung zuständig, ging zuletzt auf Distanz. Der frühere Trainer erklärte, vom umstrittenen Investorenplan erst aus den Medien erfahren zu haben. Für eine Führungskraft dieser Größenordnung ist das bemerkenswert. Offenbar funktioniert globale Fußballentwicklung auch ohne Kenntnis globaler FIFA-Pläne.
Zusätzliche Brisanz erhält die Lage dadurch, dass die UEFA die Sicherung von Daten und Kommunikation zahlreicher FIFA-Führungskräfte verlangt haben soll. Hintergrund sind mögliche rechtliche Schritte im Zusammenhang mit dem gescheiterten Investorenprojekt.
Und so trifft man sich nun in Rabat. Vielleicht, um Transparenz zu schaffen. Vielleicht, um Verantwortung zu klären. Vielleicht aber auch nur, um herauszufinden, wie man eine Krise am besten als strategischen Dialog verkauft.
Bei der FIFA weiß man schließlich: Solange genug Funktionäre in einem Raum sitzen, sieht selbst Panik noch ein bisschen nach Organisation aus.
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