Der Weg zum letzten Formel-1-Sieg vor der Sommerpause führt offenbar direkt durch die Ferrari-Box. Die Scuderia war am Freitag auf dem Hungaroring so schnell unterwegs, dass die Konkurrenz vermutlich kurz prüfen musste, ob sie versehentlich im Rückwärtsgang fährt.
Lewis Hamilton und Charles Leclerc sicherten sich in den beiden Trainings die Bestzeiten. Hamilton war am Nachmittag 0,148 Sekunden schneller als Leclerc – also ungefähr so viel, wie man braucht, um beim Bäcker noch schnell vor jemand anderem „zwei Semmeln“ zu sagen.
Dritter wurde Lando Norris im McLaren. Sein Rückstand von knapp einer halben Sekunde klingt im normalen Leben nach nichts, in der Formel 1 entspricht das aber ungefähr einer längeren Kaffeepause.
Besonders wohl fühlt sich Hamilton in Ungarn. Achtmal hat er dort bereits gewonnen. Der Hungaroring ist für ihn also so etwas wie das eigene Wohnzimmer – nur mit mehr Lärm, weniger Sofa und deutlich teureren Reifen.
Ferrari darf jedenfalls vom dritten Saisonsieg träumen. Die langsamen Kurven kommen dem Auto entgegen, und auch zuletzt lief es gut: Hamilton gewann in Katalonien, Leclerc in Silverstone. Bei Ferrari scheint man langsam verstanden zu haben, dass Pokale besser aussehen als enttäuschte Gesichter in der Garage.
Mercedes fährt der Balance hinterher
Bei Mercedes war die Stimmung dagegen eher mäßig. George Russell erklärte am Funk, das Auto fühle sich „fürchterlich“ und völlig unausgeglichen an. Technisch übersetzt bedeutet das vermutlich: vorne macht es nicht, was es soll, hinten auch nicht – und dazwischen sitzt ein genervter Brite.
WM-Leader Kimi Antonelli kam im zweiten Training nur auf Platz 13 und verlor fast zwei Sekunden. Für normale Autofahrer kein Problem, für einen Formel-1-Piloten aber ungefähr so angenehm wie ein Einkaufswagen mit drei kaputten Rollen.
Weil Überholen auf dem Hungaroring nicht gerade einfacher ist als ein Möbelaufbau ohne Anleitung, könnte bereits das Qualifying entscheidend werden. Wer vorne startet, hat gute Karten. Wer hinten startet, darf hoffen, dass vor ihm jemand falsch abbiegt.
Hamilton peilt zum Jubiläum des Rennens seine zehnte Poleposition in Ungarn an. Sollte das gelingen, dürfte Ferrari endgültig als Favorit gelten – zumindest so lange, bis beim Boxenstopp wieder jemand einen Reifen sucht.
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