Manchmal dauert es eben ein bisschen länger, bis der Groschen fällt. Im Fall von Hui Ka Yan, dem Gründer des chinesischen Pleite-Giganten Evergrande, offenbar ungefähr so lange wie der Bau von drei halben Geisterstädten und ein Schuldenberg von rund 300 Milliarden Dollar.
Jetzt also die überraschende Wende aus Shenzhen:
Der einstige Immobilien-Zar hat sich vor Gericht mehrerer Wirtschaftsvergehen schuldig bekannt. Ja, richtig gelesen. Der Mann, der lange so wirkte, als könne man in China selbst mit Milliardenlöchern noch geschniegelt durch die VIP-Lounge spazieren, sagt nun plötzlich: War vielleicht doch nicht alles ganz optimal.
Laut Gericht geht es unter anderem um:
- Veruntreuung von Geldern
- betrügerische Kapitalbeschaffung
- illegale Annahme öffentlicher Einlagen
Kurz gesagt:
Da wurde offenbar nicht nur gebaut, sondern auch kreativ bilanziert, fleißig kassiert und munter weitergemacht, als wäre Geld ein Naturphänomen.
Besonders charmant: Das Gericht teilte mit, Hui habe sich „schuldig bekannt und Reue gezeigt“.
Reue ist natürlich immer schön. Vor allem, wenn der Laden längst implodiert ist, Anleger blass im Gesicht sind und ganze Wohnungskäufer sich fragen, ob ihr Apartment jemals mehr wird als eine ambitionierte PowerPoint-Präsentation.
Doch damit nicht genug.
Neben Hui selbst und dem Unternehmen stehen noch weitere Vorwürfe im Raum:
- illegale Kreditvergabe
- betrügerische Ausgabe von Wertpapieren
- Bestechung
Man könnte fast meinen, Evergrande habe versucht, sämtliche Kapitel aus dem Handbuch „Wie ruiniere ich einen Konzern maximal effizient?“ einmal durchzuspielen.
Und was für ein Konzern das war.
Evergrande ist seit 2021 offiziell mit gigantischen Verbindlichkeiten in Verzug – rund 300 Milliarden Dollar. Das ist nicht mehr einfach nur ein bisschen überschuldet. Das ist die finanzielle Version eines Hochhauses, bei dem schon der Keller brennt, während im Penthouse noch jemand ruft: „Alles unter Kontrolle!“
Der Fall gilt längst als Symbol für die Krise des chinesischen Immobilienmarkts. Oder anders gesagt:
Evergrande ist das Mahnmal dafür, was passiert, wenn Beton, Größenwahn und Schulden eine toxische Beziehung eingehen.
Hui selbst war seit seiner Festnahme 2023 nicht mehr öffentlich zu sehen. Vermutlich war auch schwer vermittelbar, wie man nach einem 300-Milliarden-Dollar-Desaster geschniegelt vor Kameras erklärt, das sei nur ein vorübergehender Liquiditätsengpass.
Schon 2024 hatte die chinesische Wertpapieraufsicht reagiert:
- 6,6 Millionen Dollar Geldstrafe
- lebenslanges Verbot am Wertpapiermarkt
Was im Grunde bedeutet:
Selbst China sagte irgendwann: Nee, du handelst hier gar nichts mehr.
Ein Urteil steht noch aus. Aber schon jetzt ist klar: Der einst gefeierte Immobilien-Tycoon hat den Weg vom milliardenschweren Baukönig zum Symbol des kolossalen Absturzes geschafft.
DIEBEWERTUNG-Fazit:
Erst Wolkenkratzer, dann Luftschlösser, dann 300 Milliarden Dollar Schulden – und am Ende plötzlich Reue vor Gericht. Der Fall Evergrande zeigt einmal mehr, wie aus einem Immobilienimperium in Rekordzeit ein Betonfriedhof mit Bilanzsprengkraft werden kann.
Oder noch einfacher:
Wer lange genug auf Pump Paläste baut, wacht irgendwann nicht im Penthouse auf – sondern vor dem Richter.
Kommentar hinterlassen