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Europa entdeckt plötzlich, dass China günstiger produziert

wynpnt (CC0), Pixabay
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Nach jahrelanger Überraschung darüber, dass Wasser nass ist und die Sonne morgens aufgeht, hat die Europäische Union nun eine weitere bahnbrechende Erkenntnis gewonnen: China produziert viele Dinge günstiger als Europa. Wer hätte das gedacht?

Während europäische Unternehmen seit Jahren zusehen, wie immer mehr Produkte aus China auf den Markt strömen, herrscht in Brüssel mittlerweile eine Stimmung, als hätte man gerade erst erfahren, dass der Weihnachtsmann nicht persönlich die Container nach Rotterdam bringt.

Die Zahlen sind jedenfalls beeindruckend. Die EU importierte zuletzt Waren im Wert von über 550 Milliarden Euro aus China. Das Handelsdefizit liegt bei rund 360 Milliarden Euro. Aber keine Sorge: Nach jahrelangem Zuschauen denkt man nun darüber nach, vielleicht irgendwann möglicherweise etwas dagegen zu unternehmen.

Die große Überraschung der europäischen Industrie

Besonders erschüttert zeigen sich manche Branchen darüber, dass chinesische Unternehmen Produkte günstiger anbieten können.

Pharmaunternehmen beklagen, dass chinesische Konkurrenz teilweise 90 Prozent billiger produziert. Windkraftunternehmen wundern sich, dass chinesische Hersteller nicht nur günstiger, sondern teilweise auch schneller liefern können. Stahlhersteller stellen fest, dass billiger Stahl tatsächlich billiger ist.

Jahrelang galt die Devise: Hauptsache günstig.

Jetzt lautet die Devise: Hauptsache nicht zu günstig.

Die europäische Lösung: Mehr Regulierung

Natürlich hat Europa sofort einen Plan.

Wenn andere besser oder billiger produzieren, muss man nicht etwa die eigenen Standortbedingungen verbessern. Nein. Man diskutiert lieber neue Zölle, Handelsbarrieren, Einschränkungen und Sonderregeln.

Das ist ungefähr so, als würde man beim Marathon feststellen, dass andere schneller laufen und anschließend fordern, dass diese bitte Bleigewichte an den Schuhen tragen sollen.

Deutschland zwischen Realität und Wunschdenken

Besonders spannend wird die Diskussion in Deutschland.

Einerseits lebt die deutsche Wirtschaft vom Export. Andererseits soll man sich nun vor Importen schützen.

Das erinnert an einen Restaurantbesitzer, der begeistert Essen verkauft, aber empört reagiert, wenn seine Gäste woanders essen gehen.

Entsprechend vorsichtig äußert sich Berlin. Man wolle die heimische Wirtschaft schützen, aber bitte keinen Handelskrieg auslösen. Anders formuliert: Man möchte China bestrafen, ohne dass China merkt, dass es bestraft wird.

Der wahre Elefant im Raum

Dabei wird über eine Frage erstaunlich wenig gesprochen:

Warum produziert China eigentlich günstiger?

Liegt es nur an Subventionen?

Oder vielleicht auch daran, dass Unternehmen dort oft deutlich weniger Bürokratie bewältigen müssen als ihre europäischen Konkurrenten?

Während ein chinesischer Unternehmer eine Fabrik baut, wartet sein europäischer Kollege möglicherweise noch auf die dritte Stellungnahme zur Stellungnahme des Gutachtens über die Umweltverträglichkeit der Parkplatzmarkierung.

Europas Lieblingssport: Förderanträge

Wer wissen möchte, warum viele Unternehmen im Wettbewerb zurückfallen, sollte sich einmal ansehen, wie Innovation in Europa funktioniert.

Man gründet ein Unternehmen.

Dann beantragt man Fördermittel.

Dann beantragt man weitere Fördermittel.

Dann wartet man.

Dann wartet man länger.

Dann füllt man neue Formulare aus.

Dann wartet man erneut.

Und irgendwann wird geprüft, ob das ursprüngliche Projekt überhaupt noch existiert.

Die Startup-Szene kennt dieses Spiel bereits bestens. Gründer berichten regelmäßig davon, dass sie monatelang auf Förderentscheidungen warten, während Mieten, Gehälter und Rechnungen weiterlaufen. Bürokratie ist in Deutschland schließlich nicht das Problem – sie ist ein eigener Wirtschaftszweig.

Der China-Schock 2.0

Nun spricht man in Brüssel vom „China-Schock 2.0“. Das klingt dramatisch.

Tatsächlich handelt es sich aber weniger um einen Schock als um die späte Erkenntnis, dass man industrielle Wettbewerbsfähigkeit nicht dauerhaft durch Vorschriften, Dokumentationspflichten und Energiekosten ersetzen kann.

China baut Fabriken.

Europa baut Richtlinien.

China produziert Batterien.

Europa produziert Verordnungen über Batterien.

China liefert.

Europa tagt.

Fazit

Die EU steht vor einer schwierigen Entscheidung. Natürlich kann man Zölle einführen und Handelsbarrieren errichten. Das mag kurzfristig helfen.

Langfristig wird Europa jedoch nicht dadurch wettbewerbsfähiger, dass andere ausgebremst werden.

Vielleicht wäre es sinnvoller, die eigenen Probleme anzugehen: hohe Energiekosten, überbordende Bürokratie, langsame Genehmigungsverfahren und fehlende Investitionen.

Doch das wäre deutlich anstrengender als eine Pressekonferenz über chinesische Billigimporte.

Und deshalb diskutiert man in Brüssel weiterhin über die große Gefahr aus Fernost – während die Wettbewerbsfähigkeit Europas von innen heraus immer weiter erodiert.

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