Kaum im Amt, schon auf politischer Abenteuerreise.
Der neue Linken-Vorsitzende Luigi Pantisano wollte offenbar gleich in den ersten Tagen zeigen, dass er kein Freund kleiner Schlagzeilen ist. Also erklärte er kurzerhand, zwischen CDU, AfD und „Faschisten selbst“ gebe es praktisch keinen Unterschied mehr.
Ein Satz, der in etwa dieselbe Wirkung hatte wie ein Grillabend in einer Tankstelle.
Wenig überraschend folgte darauf ein politischer Flächenbrand. Nicht nur die CDU reagierte empört. Selbst aus den eigenen Reihen kam die Frage auf, ob man vor solchen Aussagen möglicherweise noch einmal kurz die Verbindung zwischen Gehirn und Mikrofon prüfen sollte.
Wenige Tage später dann die große Korrektur.
Plötzlich war alles „verkürzt“.
Die Aussage sei „in dieser Form falsch“ gewesen, ließ Pantisano wissen. Dafür entschuldige er sich.
Das ist bemerkenswert.
Denn normalerweise werden Aussagen entweder falsch verstanden, aus dem Zusammenhang gerissen oder von politischen Gegnern verzerrt. Hier hingegen wurde die Aussage offenbar vom Urheber selbst verkürzt. Eine bislang eher seltene Form politischer Selbstsabotage.
CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann zeigte sich wenig beeindruckt. Seine Reaktion lässt sich sinngemäß so zusammenfassen:
Wenn das die Kurzfassung war, möchte man die Langfassung lieber gar nicht erst hören.
Tatsächlich bleibt die Frage, wie man wenige Stunden nach einer Parteivorsitzwahl auf die Idee kommt, eine demokratische Volkspartei mit Faschisten gleichzusetzen – und erst danach festzustellen, dass dies vielleicht nicht die brillanteste Formulierung des Jahres war.
Wer eine Partei führen möchte, sollte sich bewusst sein, dass jedes Wort Gewicht hat. Besonders dann, wenn Millionen Menschen zuhören.
Oder anders formuliert:
Wer auf dem Fahrersitz einer Partei Platz nimmt, sollte vor dem Gasgeben gelegentlich auch auf die Landkarte schauen.
Die eigentliche Pointe folgt jedoch am Ende.
Nach der Entschuldigung hält Pantisano selbstverständlich weiterhin an seiner grundsätzlichen Kritik an der Union fest.
Man könnte sagen: Der Rückwärtsgang wurde eingelegt, allerdings nur bis zur Hälfte.
So bleibt als Lehre des Tages:
Nicht jede spontane Aussage ist ein politischer Befreiungsschlag.
Manche sind einfach nur ein Fall für die nachträgliche Betriebsanleitung.
Und manchmal wäre es tatsächlich hilfreich, vor dem Öffnen des Mundes kurz zu prüfen, ob das Gehirn bereits vollständig hochgefahren ist.
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