Die Heimwerker-Nation Deutschland erlebt derzeit, was man im Baumarkt wohl als Kettenreaktion bezeichnen würde.
Erst meldete Hellweg Insolvenz an. Nun folgt mit den BayWa Bau- und Gartenmärkten gleich die nächste große Baumarktkette. Man könnte fast meinen, irgendwo habe jemand versehentlich die tragende Schraube aus dem Regal „Unternehmensstabilität“ entfernt.
Während Hobby-Handwerker normalerweise versuchen, ein Haus aufzubauen, scheint die Branche derzeit eher damit beschäftigt zu sein, ihre eigenen Geschäftsmodelle auseinanderzuschrauben.
Der Zusammenhang ist dabei so direkt wie ein Dübel in der Wand: BayWa Bau- und Gartenmärkte gehören zur Hellweg-Gruppe und werden von deren Krise nun mit in die Tiefe gezogen.
Das Ergebnis: 46 Märkte, 1300 Mitarbeiter und jede Menge Sorgenfalten.
Zusammen mit den bereits betroffenen 2900 Hellweg-Beschäftigten blicken nun rund 4200 Mitarbeiter auf die vielleicht spannendste Renovierungsmaßnahme ihres Berufslebens – die Sanierung ihres Arbeitgebers.
Immerhin gibt es vorerst Entwarnung für die Kunden.
Die Märkte bleiben geöffnet.
Die Regale bleiben gefüllt.
Und auch weiterhin können Heimwerker am Samstagvormittag mit größter Entschlossenheit losziehen, um für ein Zwei-Minuten-Projekt Material im Wert von 280 Euro einzukaufen.
Die Verantwortlichen betonen, dass der Geschäftsbetrieb uneingeschränkt weiterläuft.
Das ist die gute Nachricht.
Die weniger gute Nachricht lautet: Wenn Sanierer ankündigen, alle Standorte auf ihre „wirtschaftliche Leistungsfähigkeit“ zu überprüfen, dann bedeutet das in der Übersetzung aus dem Restrukturierungsdeutsch meist, dass einige Filialen bald eine sehr intensive Begegnung mit dem Rotstift erleben könnten.
Für die Rettung sollen nun dieselben Experten sorgen, die bereits bei Hellweg am Werk sind.
Man könnte sagen: Die Branche setzt auf das bewährte Motto „Never change a Sanierer“.
Als Ursachen werden die üblichen Verdächtigen genannt:
Konsumflaute, globale Krisen, gestörte Lieferketten und steigende Kosten.
Kurz gesagt: Alles wurde teurer – außer offenbar die Geduld der Kunden.
Dabei galten Baumärkte lange als nahezu unverwüstlich. Schließlich gibt es in Deutschland kaum etwas Konstanteres als Menschen, die am Wochenende überzeugt sind, einen Wintergarten, ein Gartenhaus oder eine komplette Terrasse in Eigenleistung errichten zu können.
Doch inzwischen zeigt sich: Selbst die Branche, die jahrzehntelang von Schrauben, Farbeimern und ambitionierten Heimwerkerträumen lebte, ist nicht immun gegen wirtschaftliche Turbulenzen.
Bleibt zu hoffen, dass die Sanierer am Ende mehr Erfolg haben als jener Heimwerker, der nach acht Stunden Arbeit feststellt, dass er das Regal leider falsch herum aufgebaut hat.
Denn sonst könnte aus der Baumarkt-Krise schnell ein ausgewachsener Abriss werden.
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