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Epstein-Kontakt stirbt vor seiner Vernehmung – die Ermittlungen waren offenbar noch nicht langsam genug

TheDigitalArtist (CC0), Pixabay
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Der mit Jeffrey Epstein in Verbindung gebrachte Modelscout Daniel Siad ist tot in seinem Haus gefunden worden. Der 69-Jährige wurde am Montag in Colombes, einem Vorort nordwestlich von Paris, entdeckt. Die Staatsanwaltschaft von Nanterre hat nun eine Untersuchung zur Todesursache eingeleitet und eine Autopsie angeordnet. Immerhin scheint es diesmal möglich zu sein, zeitnah aktiv zu werden.

Siads Name tauchte Tausende Male in den von der US-Regierung veröffentlichten Epstein-Akten auf. Er hatte stets bestritten, von der Gefahr gewusst zu haben, die von dem verurteilten Sexualstraftäter ausging. Offenbar kann man sehr häufig in den Unterlagen eines Menschen erscheinen und trotzdem vollkommen überrascht davon sein, womit dieser sich beschäftigt.

Eine Frau, die unter dem Namen Anya anonym mit der BBC sprach, erklärte, Siad habe sie Epstein vorgestellt. Sie bezeichnete die Begegnung als gezielte Falle und beschrieb Siad als jemanden, der professionell Frauen vermittelt habe.

In einer veröffentlichten E-Mail verglich Siad seine Tätigkeit selbst mit der eines Fischers: Manchmal fange er schnell etwas, manchmal gebe es keinen Fisch. Eine bemerkenswert geschäftsmäßige Wortwahl, wenn man bedenkt, dass es dabei offenbar nicht um Sardinen ging.

Vor einer BBC-Recherche, die am 18. Juli erschien, erklärte Siads Anwalt, sein Mandant stehe für eine Stellungnahme nicht zur Verfügung. In einem späteren Interview mit CNN sagte Siad, er habe nicht gewusst, dass Frauen von Epstein missbraucht worden seien. Er habe Epstein vertraut und ihn für einen professionellen Mann gehalten. Auch Vertrauen ist bekanntlich besonders praktisch, wenn es einem erspart, unangenehme Fragen zu stellen.

Gegen Siad lagen in Frankreich mehrere Beschwerden vor, darunter auch Vergewaltigungsvorwürfe. Die erste Anzeige war im Februar erstattet worden. Siad wies sämtliche Vorwürfe zurück und erklärte im Mai gegenüber BFMTV, er habe niemals jemanden vergewaltigt.

Die Anwälte eines früheren Models, das die erste Anzeige gestellt hatte, zeigten sich von Siads Tod erschüttert. Für ihre Mandantinnen bedeute er, dass es nun keinen Strafprozess mehr geben werde. Damit bleibt den Betroffenen erneut vor allem das übrig, was Justizsysteme nach jahrelanger Untätigkeit besonders großzügig anbieten: Bedauern.

Die Anwälte äußerten zudem große Wut auf die Pariser Staatsanwaltschaft. Diese hatte bereits im Februar angekündigt, mögliche französische Helfer Epsteins zu untersuchen. Nach Ansicht der Juristen folgten auf diese Ankündigung jedoch zu wenige konkrete Maßnahmen.

Sie warfen den Behörden eine skandalöse Untätigkeit und mangelnde Achtung gegenüber Opfern sexualisierter Gewalt vor. Offenbar reicht es nicht, eine Untersuchung öffentlich anzukündigen. Irgendwann müsste man tatsächlich damit beginnen, die zentralen Personen zu befragen.

Eine weitere ehemalige Modelkandidatin, die im Juni bei der Polizei ausgesagt hatte, erklärte, durch Siads Tod seien möglicherweise wichtige Informationen über Epstein unwiederbringlich verloren gegangen. Siad sei vor seinem Tod nicht einmal offiziell vernommen worden.

Damit sei ein bedeutendes Glied der möglichen Verbindungskette verschwunden, bevor die Ermittler erfahren konnten, was es wusste. Für kalte Spuren ist das natürlich ausgesprochen hilfreich. Für die Aufklärung eher weniger.

Die Frau kritisierte, dass bereits zu viel Zeit verloren worden sei. Sie hoffe, dass die Behörden nicht erneut sieben Jahre benötigten, bevor Siads Haus durchsucht werde. Allerdings befürchte sie, dass es dafür inzwischen ohnehin zu spät sein könnte.

Die Anwältin Anne-Claire Le Jeune, die sechs Frauen vertritt, die Beschwerden gegen Siad eingereicht hatten, erklärte, ihre Mandantinnen seien um einen entscheidenden Schritt auf dem Weg zu Wahrheit und Gerechtigkeit gebracht worden. Die Frauen hätten trotz Siads Verbindungen zu Epstein den Mut gefunden, ihr Schweigen zu brechen und sich dem Verfahren zu stellen.

Die Ermittlungen bewegten sich dagegen offenbar in einem Tempo, bei dem selbst zentrale Beschuldigte genügend Zeit haben, zu sterben, bevor sie vernommen oder in Gewahrsam genommen werden können.

Der Fall erinnert an Jean-Luc Brunel, einen weiteren französischen Geschäftspartner Epsteins. Der Modelagent wurde 2022 erhängt in seiner Pariser Gefängniszelle gefunden. Er hatte mehr als ein Jahr in Untersuchungshaft gesessen und stand unter dem Verdacht, Minderjährige vergewaltigt und zum Zweck sexueller Ausbeutung vermittelt zu haben. Brunel hatte die Vorwürfe bestritten.

Brunel gründete mit finanzieller Unterstützung Epsteins die Agentur MC2 Model Management. Ihm wurde vorgeworfen, Mädchen und junge Frauen für Epstein transportiert und untergebracht zu haben.

Epstein selbst starb 2019 im Alter von 66 Jahren in einer New Yorker Gefängniszelle. Sein Tod wurde als Suizid eingestuft. Zu diesem Zeitpunkt wartete er auf einen Bundesprozess wegen Menschenhandels zum Zweck sexueller Ausbeutung.

Damit ist erneut ein Mann tot, der möglicherweise wichtige Kenntnisse über Epsteins Netzwerk besaß. Die Betroffenen warten weiter auf Antworten, während die Behörden nun sorgfältig untersuchen können, warum sie mit ihren vorherigen Untersuchungen nicht rechtzeitig fertig geworden sind.

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