Der Bremer Wind- und Solarparkentwickler Energiekontor muss seine Gewinnerwartungen für das laufende Geschäftsjahr massiv nach unten korrigieren. Statt eines bislang erwarteten Konzerngewinns vor Steuern (EBT) von 40 bis 60 Millionen Euro rechnet das Unternehmen für 2026 nur noch mit fünf bis zehn Millionen Euro.
Damit fällt die neue Prognose nicht nur etwas vorsichtiger aus – sie liegt weit unter den bisherigen Erwartungen. Selbst am oberen Ende der neuen Spanne würde Energiekontor nur ein Viertel des zuvor mindestens erwarteten Vorsteuergewinns erreichen.
Grund für die deutliche Korrektur sind Verzögerungen bei mehreren Windparkprojekten in Schottland. Deren Netzanschlüsse sollen wesentlich später erfolgen als bislang vorgesehen. Dadurch können Projektverkäufe, deren Ergebnisbeiträge für 2026 eingeplant waren, voraussichtlich nicht wie geplant realisiert werden.
Netzanschluss erst 2031 statt 2029
Konkret wurden die bislang für 2029 vorgesehenen Netzanschlusstermine von drei schottischen Windparkprojekten auf das Jahr 2031 verschoben.
Hintergrund sind laufende Gerichtsverfahren gegen eine Genehmigung für eine Hochspannungsfreileitung des Netzbetreibers Scottish Power Transmission. Diese Infrastruktur wird benötigt, um Projekte mit einer Gesamtleistung von rund 1,4 Gigawatt ans Stromnetz anzuschließen.
Solange die juristische Auseinandersetzung nicht abgeschlossen ist, können notwendige Arbeiten an der Netzinfrastruktur offenbar nicht wie geplant fortgesetzt werden. Eine endgültige Gerichtsentscheidung wird nach Angaben des Netzbetreibers für das erste Halbjahr 2027 erwartet.
Für Energiekontor ist die Verzögerung besonders schmerzhaft: Zwei der drei betroffenen Projekte waren ein wesentlicher Bestandteil der Ergebnisplanung für 2026 und befinden sich bereits im Verkaufsprozess.
Gewinne könnten sich lediglich verschieben
Immerhin bedeutet die Entwicklung nicht zwangsläufig, dass die erwarteten Ergebnisbeiträge vollständig verloren sind.
Nach derzeitiger Einschätzung von Energiekontor ist es wahrscheinlicher, dass sich die entsprechenden Gewinne in das folgende Geschäftsjahr verschieben. Ob zumindest ein kleiner Teil davon noch 2026 realisiert werden kann, sei derzeit allerdings nicht absehbar.
Das macht die Gewinnwarnung zu einem klassischen Beispiel für die besonderen Risiken des Projektentwicklungsgeschäfts: Ein Windpark kann technisch weit entwickelt und wirtschaftlich attraktiv sein – wenn Netzanschlüsse, Genehmigungen oder Infrastruktur nicht rechtzeitig verfügbar sind, können sich Verkäufe und damit verbundene Gewinne trotzdem erheblich verschieben.
Besonders bitter: Prognose war gerade erst bestätigt worden
Für Anleger dürfte vor allem der Zeitpunkt der Korrektur unangenehm sein.
Denn Energiekontor hatte seine bisherige Ergebnisprognose im Halbjahresfinanzbericht 2026 noch bestätigt. Erst nach dessen Veröffentlichung seien neue Entwicklungen hinsichtlich der Netzanschlusstermine der schottischen Projekte bekannt geworden, erklärt das Unternehmen.
Nun fällt die Korrektur entsprechend drastisch aus.
Aus erwarteten 40 bis 60 Millionen Euro Vorsteuergewinn werden fünf bis zehn Millionen Euro. Gemessen an den Mittelpunkten der beiden Prognosespannen sinkt die Gewinnerwartung damit von 50 Millionen auf 7,5 Millionen Euro – ein Rückgang um 85 Prozent.
Operativ entscheidend wird nun sein, ob es tatsächlich hauptsächlich bei einer zeitlichen Verschiebung der Ergebnisbeiträge bleibt oder ob die Verzögerungen weitere wirtschaftliche Konsequenzen für die schottischen Projekte nach sich ziehen.
Noch ausstehende Netzanschlussangebote für die weitere britische Projektpipeline werden im Rahmen der laufenden britischen Netzreform bis Mitte September 2026 erwartet. Energiekontor geht davon aus, dass darin auch die neuen Termine für die drei betroffenen schottischen Windparks bestätigt werden.
Für 2026 ist die Konsequenz allerdings bereits klar: Energiekontor muss seine Erwartungen massiv zurückschrauben – und aus einem ursprünglich sehr profitablen Geschäftsjahr dürfte nach der neuen Prognose ein erheblich schwächeres Jahr werden.
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