Jahrelang wurde den Autofahrern erklärt, warum Benzinpreise steigen müssen. Mal war es der Krieg, mal die Inflation, mal die Raffinerie, mal das Wetter, mal der Vollmond über Texas. Doch nun geschieht etwas Unerhörtes: Die Ölpreise fallen tatsächlich.
Auslöser ist ausgerechnet ein Friedensabkommen zwischen den USA und dem Iran. Präsident Donald Trump verkündete am Sonntag, dass die Vereinbarung abgeschlossen sei und die US-Seeblockade gegen den Iran aufgehoben werde. Auch die wichtige Straße von Hormus soll wieder für den internationalen Schiffsverkehr geöffnet werden.
Die Börsen reagierten begeistert. Der Preis für Brent-Öl fiel um knapp vier Prozent auf rund 84 Dollar pro Barrel, US-Rohöl sogar um fast fünf Prozent auf etwa 81 Dollar. Anleger jubeln, Ölhändler atmen auf und Autofahrer stellen sich dieselbe Frage wie immer:
„Wann merke ich das an der Zapfsäule?“
Die Antwort lautet traditionell: nicht sofort.
Denn während Preissteigerungen bekanntlich mit Lichtgeschwindigkeit von den Rohstoffmärkten an die Tankstelle weitergegeben werden, reisen Preissenkungen erfahrungsgemäß auf einem Esel über die Alpen.
Tankstellenbetreiber erklären bereits vorsorglich, warum sinkende Ölpreise leider nicht automatisch zu sinkenden Benzinpreisen führen können. Schließlich müssten zunächst Minen in der Straße von Hormus beseitigt, Ölfelder wieder hochgefahren, Lagerbestände aufgefüllt, beschädigte Anlagen repariert und vermutlich noch einige Formulare abgestempelt werden.
Branchenexperten warnen außerdem, dass die Preise später im Sommer wieder steigen könnten. Mit anderen Worten: Der Benzinpreis könnte bald sinken, aber auch wieder steigen, oder gleich bleiben. Eine Prognose, die sich seit Jahrzehnten als erstaunlich treffsicher erwiesen hat.
Dabei spricht der Friedensvertrag eigentlich für niedrigere Preise. Die Vereinbarung reduziert das Risiko weiterer militärischer Konflikte in einer der wichtigsten Ölregionen der Welt. Die Aufhebung der Blockade ermöglicht dem Iran wieder den Export von Öl, und die Öffnung der Straße von Hormus verbessert den Transport für einen erheblichen Teil des weltweiten Rohölhandels. Mehr Angebot und weniger Unsicherheit bedeuten normalerweise sinkende Marktpreise.
Die Rohstoffbörsen haben diese Logik bereits verstanden. Die Tankstellen werden sie möglicherweise in den kommenden Tagen, Wochen oder Quartalen ebenfalls entdecken.
Sollte der Friedensvertrag dauerhaft Bestand haben und die Öllieferungen wieder weitgehend normal verlaufen, wäre eine spürbare Entspannung bei den Kraftstoffpreisen durchaus nachvollziehbar. Schließlich war die Unsicherheit über den Krieg einer der Hauptgründe für die vorherigen Preissprünge.
Bis dahin bleibt den Autofahrern nur, die Anzeigetafeln der Tankstellen aufmerksam zu beobachten. Vielleicht erleben sie bald ein historisches Ereignis:
Einen sinkenden Ölpreis, einen Friedensvertrag – und tatsächlich auch einen günstigeren Liter Benzin.
Ökonomen halten derzeit noch mindestens zwei dieser drei Dinge für möglich.
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